06.02.13

Gehirnströme

Ältere lesen Texte auf Tablets aufmerksamer

Viele Menschen lesen am liebsten in Büchern – und nicht in deren digitalen Konkurrenten. Forscher konnten nun zeigen, dass das Gehirn von Älteren Texte von Tablet-Computern am besten verarbeitet.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Der Kontrast eines Tablet-Computers ist für die Augen älterer Menschen genau das Richtige
Der Kontrast eines Tablet-Computers ist für die Augen älterer Menschen genau das Richtige

Es gibt Studien, deren Ergebnisse einem gehörig gegen den Strich gehen. Zumindest solche, die die guten, alten, gedruckten Bücher schlechter dastehen lassen als ihre digitalen Konkurrenten.

Forscher der Universitäten Mainz, Marburg und Göttingen präsentieren im Journal "Plos one" nun eine solche Studie. Sie haben sich angesehen, warum Leser, vor allem ältere, in Befragungen immer wieder angeben, dass sie gedruckte Bücher lieber mögen als E-Books und Tablet-Computer.

Die Hirnforscher haben bei einer Gruppe von älteren (60 bis 77 Jahre) und einer Gruppe von jüngeren (21 bis 34 Jahre) Probanden die Augenbewegungen und die Hirnströme während des Lesens gemessen. Die Teilnehmer mussten kurze Passagen in einem gedruckten Buch, einem E-Book und einem Tablet-Computer lesen und Fragen zu den gelesenen Texten beantworten.

Währenddessen wurden ihre Augenbewegungen und Hirnströme gemessen. Hinterher wurden die Probanden zu ihren Leseerfahrungen befragt.

Hirnströme verraten Interesse

Wie erwartet, sagten sowohl die jüngeren als auch die älteren Leser, dass sie am liebsten in Papierbüchern lesen. Die Messungen der Forscher aber ergaben ein anderes Bild: die jungen Menschen zeigten in ihren Augenbewegungen und ihren Hirnströmen zwischen den drei verschiedenen Medien keinen großen Unterschied.

Die über 60-jährigen Leser aber zeigten klar Unterschiede: In den Hirnwellen zeigte sich, dass das Gedächtnis der älteren Personen stärker aktiviert wurde, wenn sie Texte auf einem Tablet-Computer gelesen haben.

Bei E-Books und Büchern waren die typischen Gedächtniswellen weniger aktiv. Ihr Gehirn mochte Tablets offenbar am liebsten.

Der Rückschluss der Forscher: für das Gehirn älterer Menschen ist das Lesen auf Tablets leichter. Das könne am höheren Kontrast der Buchstaben vor dem Hintergrund liegen. Denn bei älteren schwindet die Fähigkeit der Kontrastwahrnehmung.

Offenbar hat das subjektive Empfinden mit der Physiologie des Lesens wenig zu tun. Es zeigt sich also mal wieder, dass man sein Gehirn auch nicht überschätzen sollte.

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