31.01.13

West-Nil-Virus

Mücken könnten gefährliches Fieber übertragen

Die USA erlebten 2012 einen West-Nil-Fieber-Ausbruch mit vielen Toten. Auch in Europa starben Menschen. Können auch deutsche Mücken das Virus übertragen? Forscher wollen es jetzt genau wissen.

Foto: pa

Die Aufnahme links zeigt eine Sammlung von Stechmücken der Art Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) in einem Labor des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems bei Greifswald. Auf der Abbildung rechts hat eine Stechmücke ihren Stechrüssel in die menschlich Haut gebohrt. In jüngster Zeit werden auch exotische Mückenarten in Deutschland entdeckt, die gefährliche Krankheitserreger übertragen
Die Aufnahme links zeigt eine Sammlung von Stechmücken der Art Gemeine Hausmücke (Culex pipiens) in einem Labor des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems bei Greifswald. Auf der Abbildung rechts hat eine Stechmücke ihren Stechrüssel in menschliche Haut gebohrt. In jüngster Zeit werden auch exotische Mückenarten in Deutschland entdeckt, die gefährliche Krankheitserreger übertragen

In Deutschland herrscht Winter, und Stechmücken schwirren derzeit nicht durch die Luft. Doch Forscher warten nur darauf, die Insekten sammeln und untersuchen zu können: Wissenschaftler vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) suchen die Antwort auf eine brisante Frage: Können Stechmücken in Deutschland das West-Nil-Fieber übertragen?

Auf dem Kongress "Infection Epidemiology" steht die Forschung zum West-Nil-Virus auf der Tagesordnung. Denn im vergangenen Jahr gab es eine Infektionswelle in den USA. Auch in südeuropäischen Ländern wie Griechenland erkrankten und starben mehrere Menschen.

"Die Frage ist, ob sich die Viren in den Mücken vermehren und so überleben können", sagt die Biologin Stefanie Müller. Die BNI-Forscher haben schon zahlreiche Stechmücken aus Deutschland unter die Lupe genommen und sie im Labor mit West-Nil-Viren infiziert. Vermehren sich die Viren in den Stechmücken, könnten die Insekten sie möglicherweise auf Menschen oder Vögel übertragen.

Lebensgefährliche Entzündungen möglich

Das Tückische an der Infektion ist, dass sie bei vielen Menschen unbemerkt verläuft. Sie kann zu grippeähnlichen Beschwerden und in bestimmten Fällen zu lebensgefährlichen Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute führen.

Für die Versuche bekommen die Mücken ein Gemisch aus Fruktose, Blut und Viren als Nahrung auf Watte geträufelt. "Nach einigen Tagen wird ein Teil der Mücken sozusagen zermatscht, es bleibt Flüssigkeit übrig, in der sich dann die Viren befinden müssten", erklärt Müller.

"Nach 21 Tagen untersuchen wir weitere Mücken und schauen, ob sich die Viren vermehrt haben." Für exakte Ergebnisse müssten aber noch viele Tierchen untersucht werden. Im Gebäude des BNI gibt es für die Experimente ein Hochsicherheits-Insektarium.

In den Vereinigten Staaten hat sich das West-Nil-Virus inzwischen flächendeckend ausgebreitet. Es wurde durch Zugvögel aus Afrika eingeschleppt und 1999 entdeckt. Im vergangenen Jahr erlebte das Land einen besonders heftigen Ausbruch des West-Nil-Fiebers.

243 Menschen an den Folgen der Infektion gestorben

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) meldeten 48 Staaten bis Mitte Dezember rund 5400 Patienten. 243 Menschen starben an den Folgen der Infektion. Die Viren können sich dort so gut ausbreiten, weil sie von Culex-Mücken übertragen wurden, die sowohl Menschen als auch Vögel stechen, wie Müller erläutert.

Hierzulande gibt es bislang nur eingeschleppte Krankheitsfälle. Die Patienten haben sich bei Reisen in andere Länder mit dem West-Nil-Fieber angesteckt. "Sie waren etwa in Ägypten, Tunesien, Montenegro oder auf der griechischen Insel Korfu", sagt Müllers Kollege Jonas Schmidt-Chanasit.

Nach Angaben der CDC in den USA kommen besonders schwere Verläufe bei jedem 150. Infizierten vor. Zurzeit wird mit einem neuartigen Gentest untersucht, ob die Culex-Mücken aus den Vereinigten Staaten auch in Deutschland vorkommen.

Es gibt unterschiedliche Culex-Arten, wobei ein Teil vor allem Vögel und ein anderer eher Menschen sticht. Die verschiedenen Arten können auf den ersten Blick nicht leicht auseinandergehalten werden. Deshalb haben Müller und Kollegen den Gentest entwickelt.

Erbgut von 17.000 Mücken für einen Gentest

"Es gibt zwei Typen von Culex pipiens, die sich unterschiedlich verhalten, aber identisch aussehen." Man könne die beiden aber durch Unterschiede in einem Gen auseinanderhalten. Anhand von Erbgut von 17.000 Mücken aus den Sommern 2011 und 2012 überprüften die BNI-Forscher die Zielsicherheit des Gentests. Er soll dabei helfen, die Verbreitung der Culex-Mücken in Deutschland besser beurteilen zu können.

Diese Untersuchung gehört zu einem Projekt, bei dem eine Mückenkarte erstellt werden soll. Wissenschaftler mehrerer Institute wollen sich ein realistisches Bild über die mögliche Infektionsgefahr durch eigentlich tropische Viren machen – und im Ernstfall gewappnet sein.

Forscherin Müller hat ihre bisherigen Ergebnisse für einen Vortrag für den zweitägigen Kongress am BNI zusammengefasst. Veranstalter ist das Leibniz Center Infection, eine Allianz verschiedener Institute im Norddeutschland.

Auf dem Programm steht auch ein Bericht über Usutu-Viren, die in den Jahren 2011 und 2012 ein Amselsterben in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz auslösten.

Quelle: dpa/oc
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alle Hoffnungen ruhen auf ihr: Cascada tritt für Deutschland an
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Die Teilnehmer und ihre Chancen

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...

Anish Kapoor Press Conference
17.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonnabend, den 18. Mai. mehr...


Hoch hinaus: Breakdancer am Blücherplatz stimmen auf das Multi-Kulti-Fest ein
07:36Karneval der Kulturen
Kreuzberg ist bis Pfingstmontag wieder die Bühne der Welt

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Dazwischen machen viele Events Kreuzberg schön bunt. mehr...


Knut Hechtfischer (li.) und Frank Pawlitschek haben Ubitricity gegründet
11:17Elektromobilität
Warum Ubitricity Berlins liebstes Öko-Start-up ist

Das junge Duo entwickelt Ladegeräte für E-Autos. Damit wollen sie Berlins Straßenlaternen ausrüsten. Von der Idee ließ sich auch ein namhafter Investor wie Ex-Bahnchef Heinz Dürr locken. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote