Psychologie
Attraktivität – Auf die Körperhaltung kommt es an
Montag, 19. Dezember 2011 17:28 - Von Florian SanktjohanserDie Ermahnungen der Großmutter werden manchem noch in den Ohren klingeln: Lass die Schultern nicht so hängen, halte Dich gerade! Auch Ärzte, Physiotherapeuten und Psychologen wissen längst: Die richtige Körperhaltung bewirkt oft mehr für die eigene Ausstrahlung als teure Cremes oder Operationen.

Der Schweizer Mediziner Christian Larsen hält es für das wichtigste Prinzip einer gesunden und ausdrucksstarken Körperhaltung, die Wirbelsäule aufzurichten: „Wenn die Haut wunderbar straff ist, aber die Haltung die einer alten Frau, dann ist das schade“, sagt Larsen.
Um zu unterstreichen, was er meint, lässt er eine junge Frau typische Fehlhaltungen einnehmen. Sie schiebt den Kopf nach vorne, lässt die Schultern hängen. Dadurch entstehe nicht nur ein Rundrücken, erklärt Larsen. Selbst schlanke Frauen wirkten in dieser Haltung so, als hätten sie ein Doppelkinn und einen Hängebusen. Ebenso weit verbreitet sei das Hohlkreuz, durch das sich ein“Quellbäuchlein“ vorwölbt. „Jede Haltung, die nicht aufrecht im Lot ist, ist eine Fehlhaltung“, bestätigt Angelika Heck-Darabi vom Deutschen Verband für Physiotherapie in Köln.
Manche Fehlhaltungen sind individuell. Viele würden aber durch falsche Vorbilder richtiggehend eingeübt, sagt Christian Larsens Ehefrau Claudia: „In der Modefotografie werden heute verkrümmte Haltungen als interessante Posen verkauft.“ Als Beispiel führt die Fotografin das berühmte Aktbild von Carla Bruni vor. Sie bemängelt X-Beine, das Becken sei verdreht, nur den Oberkörper halte die Präsidentengattin einigermaßen gerade. Ein gutes Vorbild seien dagegen Wasserträgerinnen in Afrika, die sich zwangsläufig aufrecht halten müssen: „Mit einer kollabierten Haltung könnten sie keine Lasten auf ihrem Kopf herumtragen."
Da der durchschnittliche Mitteleuropäer seltener Wasser durch die Gegend trägt
als er am Schreibtisch sitzt, ist besonders im Büro eine aufrechte Haltung
wichtig. Aufrechtes Sitzen erfordere aber Muskelarbeit, erinnert
Heck-Darabi. Zu schwache Muskeln, Müdigkeit und Stress ließen viele
Büroarbeiter vornüber gebeugt sitzen. Dabei verspannt sich die einseitig
belastete Muskulatur - Rücken, Nacken und Schultern schmerzen.
Der erste Schritt auf dem Weg zu einer gesunden, ausdrucksstarken Haltung sei das Bewusstsein dafür, sagt Christian Larsen: „Die richtige Haltung ist nicht angeboren, man muss sie lernen.“ Um dieses zu entwickeln, rät Claudia Larsen, sich mit einer bewusst schlaffen Haltung in Seitenansicht vor den Spiegel zu stellen und sich dann aufzurichten. Dabei sollte man die alte Ballett-Regel befolgen und sich vorstellen, der Kopf werde von einem unsichtbaren Faden am Hinterkopf nach oben gezogen.
Das richtige Bewusstsein ist zwar ein Anfang, körperliche Ertüchtigung ersetzt es aber nicht. Heck-Darabi rät, für eine bessere Körperhaltung vor allem die Bauch- und Rückenmuskeln zu kräftigen. Aber auch im Alltag lässt sich an einer besseren Haltung arbeiten - zum Beispiel beim Warten an der Bushaltestelle. Claudia Larsen empfiehlt, sich dabei zuerst zu voller Größe aufzurichten, dann die Hände an die Hosentaschen zu legen und wie ein Cowboy die imaginären Revolver sachte nach hinten zu schieben. Dabei sollen die Oberschenkel etwas mit nach außen drehen.
Eine solche aufrechte Haltung verbessere die Ausstrahlung enorm, sagt sie:
„Man steht zu sich, man stellt sich der Welt, wirkt offener.“ Auch für Helen
Hannerfeldt ist eine aufrechte Haltung entscheidend für eine positive,
offene Wirkung. Dazu gehöre neben Blickkontakt und Lächeln auch, die
Unterarme angewinkelt mit den Handflächen nach oben zu halten. An einer
solchen vorbildlichen Haltung hätte vermutlich nicht mal eine gestrenge
Großmutter etwas zu mäkeln.
Erschienen am 15.07.2009
















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