29.01.13

Shuttle-Nachfolger

Raumschiff "Orion" bringt Astronauten weiter denn je

Es ist ein großer Schritt für die europäische Raumfahrt: Die Esa beteiligt sich an den Missionen der US-Raumkapsel "Orion" – Astronauten sollen damit so weit in den Weltraum vorstoßen wie nie zuvor.

Foto: Esa

Die künstlerische Darstellung zeigt die US-Raumkapsel Orion mit dem von der Esa gelieferten Antriebsmodul. Bei dem bedeutenden Programm ist Europa künftig mit an Bord
Die künstlerische Darstellung zeigt die US-Raumkapsel Orion mit dem von der Esa gelieferten Antriebsmodul. Bei dem bedeutenden Programm ist Europa künftig mit an Bord

Die Europäische Weltraumorganisation Esa wird ein Antriebsmodul für die US-Raumkapsel "Orion" beisteuern, die Astronauten künftig weiter denn je ins Weltall hinaustragen soll. Diese Kooperation der Esa und der US-Raumfahrtbehörde Nasa sei ein bedeutender Schritt für Europa, sagte der deutsche Astronaut Reinhold Ewald in Köln.

"Wir haben ja kein eigenes bemanntes Raumfahrzeug." Als Test sei zunächst für 2017 eine erste "Orion"-Mission als unbemannter Mond-Vorbeiflug geplant, erklärte Ewald. 2020 oder 2021 solle dann ein bemannter Flug den Mond umkreisen.

"Mit dem Abkommen ist der Esa jetzt ein Einstieg in dieses Programm gelungen", betonte Ewald, der 1997 drei Wochen auf der russischen Raumstation Mir gearbeitet hatte. Die "Orion"-Raumkapsel soll die Nachfolge der Spaceshuttles antreten.

Mond und Asteroiden im Visier

Das Vehikel werde zum Mond oder sogar zu Asteroiden fliegen und Astronauten weit über die "Internationale Raumstation" (ISS) hinaus ins All bringen. Das dafür nötige Esa-Antriebsmodul soll auf der Technologie des derzeitigen europäischen Transfervehikels ATV basieren, das die ISS schon seit 2008 problemlos mit Fracht versorgt.

Auch Rupert Gerzer, Leiter des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sieht die bemannte Raumfahrt vor einem neuen Aufschwung: "Wir stehen vor einer Industrialisierung und Kommerzialisierung des Weltraums", sagte er. Die Europäer müssten jedoch noch mehr Anstrengungen unternehmen, um in diesem kommenden Wettbewerb mitzuhalten.

Der Astronautenberuf hat nach Feststellung Gerzers anhaltenden Zulauf. "Bei der letzten Ausschreibung vor drei Jahren hatten wir für sechs Ausbildungsplätze 8000 Bewerber. Das zeigt, dass diese Arbeit als sehr attraktiv gilt."

ISS derzeit einziger Einsatzort für Astronauten

Aktuell sind laut DLR rund 200 Raumfahrer ausgebildet und kommen für aktive Einsätze infrage. Einziger Einsatzort ist zurzeit die ISS, auf der gegenwärtig sechs Astronauten sind – zwei US-Amerikaner, drei Russen und ein Kanadier.

Die Europäer, die über vertragliche Vereinbarungen laut DLR einen Anteil von 8,5 Prozent an den Ressourcen der ISS haben, sind im Frühjahr wieder dabei. Dann wird der Italiener Luca Parmitano sechs Monate lang auf der Raumstation arbeiten. Als nächster und damit dritter Deutscher soll Alexander Gerst im Mai 2014 zur ISS fliegen. Der Geophysiker werde vor allem über den Erdkern forschen.

Um aktuelle Schwerpunkte der Raumfahrt und Berichte von ISS-Rückkehrern werde es Anfang Juli in Köln beim Weltkongress der internationalen Vereinigung der geflogenen Astronauten (ASE) gehen.

Astronauten berichten über ihre Erfahrungen

Die Tagung gilt als ein Höhepunkt der Luft- und Raumfahrt in diesem Jahr. Zu der Veranstaltung erwartet werden mehr als 80 Astronauten, wie das DLR in Köln ankündigte.

Der inzwischen 26. Kongress der 1985 mitten im Kalten Krieg gegründeten ASE steht unter dem Titel "Bürger des Weltraums – Hüter der Erde". Die Astronauten wollen in Foren und öffentlichen Veranstaltungen über ihre Arbeit und Erfahrungen im All berichten. Zugleich will das DLR aus Anlass des Kongresses eine neue Forschungseinrichtung einweihen, die am Boden Experimente unter Weltraumbedingungen nachstellen kann.

"Die 'Internationale Raumstation' ISS und immer längere Aufenthalte im All machen bewusst, dass wir auch Bürger des Weltraums sein können und von dort ebenso Lösungen mitbringen wie durch begleitende Forschung auf der Erde", sagte Gerzer. Das Zusammenwirken von Forschung im All und am Boden zeige die Welt aus neuer Perspektive und lasse uns "bessere Hüter" unseres Heimatplaneten werden.

Quelle: dpa/dapd
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