25.01.13

Studie

Was unsere Babys wirklich schlau macht

Babys, die schon im Mutterleib Mozart hören, werden laut einer Studie von US-Forschern nicht klüger. Vorlesen steigert dagegen den IQ.

Foto: Getty Images

„Mama, lies mir was vor!“: Babys lernen besonders viel, wenn ihnen Geschichten erzählt werden
"Mama, lies mir was vor!": Babys lernen besonders viel, wenn ihnen Geschichten erzählt werden

Die Wissenschaftler um John Protzko von der New York University überprüften in mehr als 70 veröffentlichten Studien, was Kinder in den ersten fünf Lebensjahren schlauer macht, also den Intelligenzquotienten erhöht. Dabei ging es ausschließlich um die kognitiven Fähigkeiten; soziale oder emotionale Intelligenz wurden also nicht untersucht.

Das Ergebnis: Omega-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren, interaktives, also gemeinsames Vorlesen besonders bei Kindern unter vier Jahren und der Kindergartenbesuch steigern den IQ der Kleinen nachweislich.

Besonders überraschte der Effekt des gemeinsamen Lesens: Ganze sechs Punkte im Intelligenzquotienten mehr wiesen jene Kinder im Durchschnitt auf, denen häufig vorgelesen wurde. "Umso früher das interaktive Lesen beginnt, desto größer der Effekt", schreiben die Wissenschaftler.

Kontakt mit Gleichaltrigen

Auch der Besuch eines Kindergartens machte einen deutlichen Unterschied, und zwar besonders bei Kindern, die zu Hause eher wenige Anreize und Anregungen durch die Eltern bekamen. Sie konnten bis zu sieben IQ-Punkte durch eine gute Tagesbetreuung und Kontakt mit Gleichaltrigen gewinnen.

Hier zeigte sich, dass dies nicht in einem ganz jungen Alter sein muss – Vorschulkinder profitierten der Studie nach in gleichem Maße wie die jüngeren Krabbelkinder. "Wenn das Programm der Vorschule eine spezielle Komponente für die Sprachentwicklung hat, sind die Vorteile sogar noch größer", so die Forscher.

Einen vergleichbaren Effekt hatten auch Interventionen außerhalb des Kindergartens, die bei Vorschulkindern gezielt sprachliche und kognitive Entwicklungen förderten, und Trainings, die diese Fähigkeiten den Eltern der Kinder vermittelten. Auch hier gewannen die Kinder bis zu sieben IQ-Punkte.

Die Forscher legten für ihre Untersuchung strenge wissenschaftliche Maßstäbe an: Sie durchforsteten nur Studien, die in der "Database of Raising Intelligence" (DORI) enthalten waren. Um in diese Datenbank zu kommen, muss eine Untersuchung sich mit der potenziellen IQ-Steigerung befassen und außerdem eine sogenannte randomisierte Kontrollstudie sein.

Das bedeutet, dass es sich bei der Studie um ein Experiment handelt, bei dem die Versuchsteilnehmer nach dem Zufallsprinzip auf eine von zwei Gruppen verteilt werden. Die eine Gruppe erhält eine bestimmte Intervention, von der man annimmt, dass sie den IQ steigert, die andere dient als Kontrollgruppe, die entweder eine Scheinintervention bekommt oder aber gänzlich unbehelligt bleibt.

Vergleich des IQs

Nach der Intervention vergleicht man schließlich den IQ der Teilnehmer. Gibt es einen bedeutsamen Unterschied im durchschnittlichen Intelligenzquotienten der Gruppen, so kann man diesen mit großer Sicherheit direkt auf die Intervention zurückführen. Diese Methode hat den Vorteil, dass die Befunde keine Zufallsergebnisse sein können, wie sie sonst manchmal auch bei gut durchdachten Studien vorkommen. Alle Ergebnisse wurden in mehreren Studien gefunden, was ihre Glaubhaftigkeit stark erhöht.

Die Methode hat aber auch einen großen Nachteil: Mit ihr kann man leider keine Studien erfassen, die den Einfluss bestimmter Eigenschaften der Eltern oder der unmittelbaren Lebensumgebung auf die IQ-Entwicklung des Kindes untersucht haben. Denn Eltern und Umgebung kann man nicht zufällig auf Kinder verteilen; und damit handelt es sich per se nicht um randomisierte Kontrollstudien.

Auch bei anderen Fragestellungen wird es mit diesem Ausschlusskriterium schwierig. So sind viele Untersuchungen zum Einfluss von Musik auf die Entwicklung des Intelligenzquotienten ebenfalls keine randomisierten Kontrollstudien.

Nur eine einzige Studie mit 41 Kindern erfüllte die Anforderungen und landete in der Datenbank – und diese fand keinen Zusammenhang, weder zwischen frühem Musikhören und IQ noch zwischen frühem musikalischem Hörtraining und dem IQ. Allerdings gibt es eine Reihe von Untersuchungen, die zumeist bei älteren Kindern Effekte gefunden haben, und zwar zwischen tatsächlichem Musizieren und einem tendenziell höheren Intelligenzquotienten.

Kein Effekt durch Musikhören

Außer dem Musikhören gab es noch einige weitere Kandidaten, bei denen die Forscher keinen durchgängigen Effekt feststellen konnten: Kindern zusätzlich zur normalen Ernährung Multivitaminpräparate, Eisen oder Zink zu geben hatte in den meisten durchsuchten Studien keine messbare Wirkung auf den IQ. Ebenso wenig hilft es, das Kind einfach nur viel erzählen zu lassen oder ihm beim Reflektieren des Alltags zu helfen.

Ihre Ergebnisse, so Protzko, relativiere Befunde, nach denen früheres Fördern immer effektiver sei als späteres Fördern – wie im Fall des Kindergartenbesuchs.

Außerdem werfe es neue Fragen auf, etwa warum gerade Omega-3-Fettsäuren einen so großen Effekt auf die Entwicklung des IQ haben. Bis das geklärt ist, empfehlen sich Lachs und Makrele statt Mozart. Denn das hilft nicht nur der Gehirnleistung, sondern auch Herz, Kreislauf und Immunsystem.

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