23.01.13

Wilde Tiere

Polen lernen den Umgang mit den Elchen

Zehntausend Elche besuchen immer häufiger die Vororte von Warschau. Doch Polen muss sich an die Huftiere erst noch gewöhnen.

Von Gerhard Gnauck
Foto: picture alliance/ dpa

Einer von 10.000 jungen Elchen läuft durch einen Privatgarten in Warschau
Einer von 10.000 jungen Elchen läuft durch einen Privatgarten in Warschau

Im "Land der dunklen Wälder/ und kristallnen Seen", in Ostpreußen also, zwischen Haff und Moor, war seit alters der Elch zu Hause. Nicht nur im Ostpreußenlied, auch in der Wirklichkeit: "Und die Meere rauschen/ den Choral der Zeit./ Elche stehn und lauschen/ in die Ewigkeit."

Heute gehört die frühere Provinz Ostpreußen zum Großteil zu Polen, wo der Elch natürlich ebenfalls vorkam. Die Elche wurden nicht vertrieben. Heute geht es ihnen so gut, dass Polen eine Plage fürchtet.

Wie im Ersten Weltkrieg der Wisent wurde im Zweiten Weltkrieg der Elch in Polen fast ausgerottet. Nur in einem kleinen Gebiet im Osten des Landes hielt sich ein winziger Bestand.

Der strenge Schutz führte dazu, dass sich die Population erholte. Jetzt haben polnische Zoologen Zahlen bekannt gegeben, die selbst Kenner überraschen: Mehr als 10.000 Elche leben in Polen, die meisten in einem breiten Streifen entlang der Ostgrenze, einige wenige auch in der Westhälfte des Landes.

Besonders im Winter kommen die Wildtiere in die Wohnviertel

Immer häufiger zieht es die Elche in die Vororte der Hauptstadt Warschau. Gerade im Winter verlaufen sich immer wieder junge Elche in Wohnviertel. Der Zoologe Maciej Luniak, der ein dickes Buch über Flora und Fauna des Warschauer Stadtteils Bielany herausgegeben hat, erzählt, was dann passiert: "Die Ausflüge in die Stadt enden oft tragisch. Die Elche kommen bei Zusammenstößen mit Fahrzeugen ums Leben, oder sie sterben durch den Stress, wenn sie sich in fremder Umgebung umzingelt fühlen oder von Hunden und Menschen aufgeschreckt werden."

Luniak kennt die Straßen, an denen sich die meisten Elch-Zwischenfälle ereignen. "Vor allem junge Elche wandern gern weit", sagt der Warschauer Professor. "Ins Stadtgebiet von Warschau kommen sie vor allem, wenn sie der Grünzone an der Weichsel folgen oder die Waldgebiete in Bemowo und Bielany aufsuchen." Dorthin gelangen sie aus dem Kampinoska-Forst, einem Nationalpark gleich neben der Stadt, in dem etwa 300 Elche zu Hause sind. Wegen Kollisionen mit Tieren, von der Fledermaus bis zum Elch, werde in Bielany jährlich im Durchschnitt zehnmal die Polizei gerufen.

Wenn ein Elch auf der Autobahn steht

Als im vorigen Jahr zur Fußball-EM die Autobahn Berlin–Warschau eröffnet wurde, war der erste Unfall ein Zusammenstoß mit einem Elch. Polen ist gerade dabei, sich eine eigene "Elchkultur" zu erarbeiten. Der Biologe Miroslaw Ratkiewicz als Kopf einer entsprechenden Arbeitsgruppe schlägt vor, die Elchwechsel an Straßen zu kennzeichnen und dort das Gebüsch zurückzuschneiden, um die Sicht zu verbessern.

An einem Straßenabschnitt im größten polnischen Nationalpark am Fluss Biebrza hatte das bereits Erfolg: Auf zwei Kilometern gab es dort früher jährlich etwa 20 Unfälle, heute nur noch zwei. "Wir sollten den Elch nicht als Schädling betrachten", sagt Ratkiewicz und fordert, die Forstwirtschaft an die Existenz des großen Tieres anzupassen.

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