21.01.13

Straßentiere

Mexiko-Stadt im Kampf gegen 1,2 Millionen Hunde

Abgebissene Körperteile, abgenagte Knochen: In Mexiko-Stadt sollen Straßenhunde Menschen zerfleischt haben. Tierschützer bezweifeln das. Doch die Behörden sprechen von Tausenden Attacken jährlich.

Quelle: dapd
10.01.13 1:01 min.
In Mexiko Stadt gibt es immer mehr Todesfälle, die vermutlich auf Bisse von streunenden Hunden zurückzuführen sind. Die Behörden jagen die Tiere und untersuchen sie auf menschliche DNA-Spuren.

Der Fund von vier grausam zugerichteten Leichen schockiert die Menschen in Mexiko-Stadt. Gewaltverbrechen sind in der Neun-Millionen-Metropole an der Tagesordnung, doch diesmal soll es sich bei den Tätern um Hunde handeln.

Eine Frau und ihr Baby sowie ein jugendliches Pärchen wurden nach Angaben der Ermittler Anfang des Monats in einem Park im Bezirk Iztapalapa von einer Meute von Straßenkötern zerfleischt. Auch das 15-jährige Mädchen, das Mitte Dezember dort leblos gefunden wurde, sei vermutlich von Hunden getötet worden.

Tierschützer bezweifeln, dass Hunde zu solchen Taten in der Lage sind. Ein Rudel wilder hungriger Hunde könne durchaus einen Menschen töten, widerspricht der Tierarzt Carlos Munguia. "Sie arbeiten wie Löwen in einem Team zusammen." DNA-Proben der 54 in dem Park eingefangenen Straßenköter sollen nun die Schuldigen überführen. Anschießend würden die Tiere nicht getötet, sondern Tierrechtsorganisationen übergeben, heißt es.

1,2 Millionen Hunde leben in Mexiko-Stadt

Mexikaner in der Hauptstadt lieben oder hassen Hunde. 1,2 Millionen Hunde leben dort, etwa ein Zehntel von ihnen herrenlos und verwildert auf der Straße. Mit der Kampagne "Sei ein verantwortlicher Halter" versucht die Stadt, Hundebesitzer dazu zu bringen, ihr Haustier kastrieren oder sterilisieren zu lassen. Nach den tödlichen Bissen im Park wird die Kampagne jetzt ausgeweitet.

Im Rahmen der Kampagne sind im armen Stadtteil Golondrinas auf einem Fußballfeld 25 Operationstische aufgebaut. Hunderte Menschen stehen Schlange, um ihre Hunde oder Katzen unfruchtbar machen zu lassen. Der 40-minütige Eingriff ist kostenlos.

"Es gibt schon so viele ausgesetzte und misshandelte Hunde, das sollen nicht noch mehr werden", sagt die 23-jährige Maricarmen Zamora und hält ihren zwei Monate alten Labrador Candy auf dem Arm.

11.511 Menschen binnen eines Jahres gebissen

Die Toten von Iztapalapa sind auch unter den wartenden Hundehaltern Thema. "Ein Hund kann doch niemandem solch große Wunden zufügen", sagt die 17-jährige Yenifer Moreno, während ihr Pudel Kimba unter der Narkose wegdämmert.

Der Leiter der Gesundheitsbehörde der Stadt, Armando Ahued Ortega, weiß hingegen von gefährlichen Verletzungen durch Hunde zu berichten. 11.511 Menschen seien im vergangenen Jahr gebissen worden, mindestens 70 Verletzte hätten danach plastische Chirurgie benötigt.

"Wir gehen jetzt in alle Viertel, in denen es viele Hunde gibt und versuchen zu verhindern, dass die Tiere sich weiter vermehren und die Leute sie dann aussetzen", sagt Ortega. "Wir haben schon Kartons mit vier, fünf oder gar sechs Welpen darin gefunden, die auf die Straße geworfen wurden. Später streunen diese Hunde dann durch die Straßen und greifen Menschen an."

Quelle: AFP/oc
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