17.01.13

Elektroschock-Tests

Hummer und Krebse können Schmerzen empfinden

Milliarden Krustentiere werden jährlich bei lebendigem Leibe in kochendes Wasser geworfen: Eine schmerzfreie Methode, um die Tiere für den Teller fein zu machen? Keineswegs, wie Biologen nun beweisen.

Von Pia Heinemann
Foto: Getty Images

Der Tod durch kochendes Wasser sollte für Krustentiere noch einmal überdacht werden
Der Tod durch kochendes Wasser sollte für Krustentiere noch einmal überdacht werden

Seit Jahrzehnten ist es ein Hin-und-Her mit dem Hummer: Spürt er Schmerzen, oder spürt er sie nicht? Tierschützer und Wissenschaftler waren sich da nicht immer einig.

Aber spätestens seit David Foster Wallace 2003 sich für das amerikanische "Gourmet"-Magazin auf dem Lobster Festival in Maine umsah, und seine Gedanken über die Schmerzempfindlichkeit der Krustentiere in höchste Literatur verwandelte ("Am Beispiel des Hummers"), rührt sich bei vielen das schlechte Gewissen beim Genuss von Hummer und Co.

Dabei heißt es doch immer, dass die Tiere, wenn sie lebendig in kochendes Wasser geworfen werden, schnell und schmerzlos sterben. In Nullkommanichts werden sie so vom krabbelnden Lebewesen zum exquisiten Genuss an Mayo und Pommes. Kein Grund also für ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Tier.

Doch nun zeigen Biologen um Bob Elwood von der Queen's University in Belfast, dass das ungute Gefühl begründet ist. Im "Journal of Experimental Biology" veröffentlichen sie eine Studie die beweist, dass die Tiere tatsächlich Schmerzen empfinden.

Elektroschocks in Höhlen

Die Forscher hatten 90 Strandkrabben, die wie Hummer und Garnelen zu den Krustentieren gehören, in ein Aquarium mit zwei dunklen Verstecken gehalten.

In einer der beiden Höhlen erhielten sie Elektroschocks. Als die Krabben beim zweiten Mal in das Aquarium gelassen wurden, begaben sich die meisten von ihnen in dasselbe Loch, in das sie zuvor gekrabbelt waren – und wurden wieder mit Elektroschocks traktiert.

Als die Tiere dann ein drittes Mal in dem Behälter ausgesetzt wurden, hielt sich die große Mehrheit von der Höhle mit den Elektroschocks fern. Offenbar spürten die Tiere den Schmerz – und lernten, wie man ihn umgehen kann.

Dass sie die Elektroschock-Höhlen verließen, hatte seine Ursache also nicht nur in einem simplen Reflex, sondern in echtem, verarbeiteten Schmerz.

Krabben lernen, den Schmerz zu meiden

"Die Krabben haben gelernt, den Unterschlupf zu meiden, in dem sie einen Schlag erhielten", erklärt Elwood. Um den erwarteten Schmerz zu vermeiden, hätten die Tiere sogar darauf verzichtet, in ihre Lieblingshöhle zu kriechen.

"Philosophisch gesehen" sei es so gut wie unmöglich, hundertprozentig nachzuweisen, dass ein bestimmtes Tier Schmerzen empfinde, so Elwood. Doch bei verschiedenen Experimenten mit Krabben, Garnelen und Einsiedlerkrebsen seien alle Schmerz-Kriterien vereint gewesen.

Kaum Schutz für Krustentiere

"Milliarden Krustentiere werden gefangen oder für die Lebensmittelindustrie gezüchtet. Im Vergleich zu Säugetieren genießen sie praktisch keinerlei Schutz aufgrund der Annahme, dass sie keinen Schmerz fühlen. Unsere Forschungen belegen das Gegenteil", erklärt der Verhaltensbiologe. Damit liegt er auf einer Linie mit dem verstorbenen Foster Wallace.

Der stellte in seiner literarischen Reportage über das Lobster-Festival die Frage "Ist es eigentlich in Ordnung, aus reiner Freude am Genuss ein fühlendes Wesen in einen Topf mit kochendem Wasser zu werfen?" Die Antwort wird durch die Forschungsergebnisse von Elwood sicherlich nicht einfacher.

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