Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
07.07.09

Innovation

Leuchtdioden machen Wasser steril

Ein Halbleiter liefert jetzt auch ultraviolettes Licht. Bisherige UV-Erzeuger mit Quecksilberdampf geben nach maximal 8000 Stunden ihren Geist auf – LED kommen auf 50.000 Stunden. Ein Einsatzgebiet ist die billige Trinkwasser-Entkeimung in entlegenen Dörfern in Entwicklungsländern.

© dpa
Das Spektrum der Farben, die LEDs aussenden, wird durch Variation der Licht emittierenden Halbleiter zusehends erweitert. Jetzt kommt zu Blau, Gelb und Rot (sowie Weiß als Mischfarbe) noch unsichtbares UV dazu.

Infektionen mit Keimen aus dem Trinkwasser sind vor allem in den ärmeren Regionen der Erde eine der häufigsten Todesursachen. Das Abkochen des Wassers funktioniert dort meist nicht, weil es nicht genug Heizmaterial dafür gibt. Das Gesundheitsproblem lösen könnten Leuchtdioden (LED), die Michael Kneissl und seine Mitarbeiter an der TU Berlin und am Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik entwickeln. Für Desinfektionen müssen solche LEDs allerdings kein sichtbares, sondern UV-Licht abstrahlen.

UV-Strahlung aber desinfiziert nicht nur, sondern wird auch von Ärzten zur Behandlung von Hauterkrankungen und von der Industrie zum Beispiel beim Aushärten von Druckfarben auf Lebensmittelverpackungen eingesetzt.

Bisher erzeugt man UV-Licht mit Quecksilberdampflampen, die aber nach 5000 bis 8000 Stunden Betrieb meist den Geist aufgeben und nach dem Anschalten fünf bis 30 Minuten brauchen, bis sie ihre volle Leistung erreichen. LEDs dagegen liefern sofort volle Leistung und funktionieren nach 50 000 Leuchtstunden und ungezähltem An- und Ausknipsen immer noch hervorragend. Obendrein sind LEDs robuster als Quecksilberdampflampen und werden daher längst in Autoscheinwerfern eingesetzt.

Bisher gibt es auf dem Markt allerdings nur LEDs, die sichtbares Licht erzeugen. Michael Kneissl und seine Kollegen dagegen arbeiten an UV-Dioden, die in einem "metallorganische Gasphasenepitaxie" genannten Verfahren hergestellt werden. Dabei wird eine Trimethylgallium genannte Verbindung gemeinsam mit dem Gas Ammoniak über eine extrem dünne, heiße Saphirscheibe mit einem Durchmesser von ungefähr fünf Zentimetern geleitet. Die Verwendung eines Edelsteins als Grundlage klingt teuer. Da die Scheibe aber nur ein drittel Millimeter dick ist, kostet sie etwa 20 Euro. Immerhin 2000 LEDs kann man aus einer dieser Scheiben herstellen. Die Edelsteingrundlage einer einzigen UV-Leuchtdiode kostet daher gerade einmal einen Cent und wird so keineswegs zum Preistreiber.

Beim Kontakt mit dieser heißen Saphirscheibe zersetzen sich das Trimethylgallium und das Ammoniak und schlagen sich als hauchdünne, nur wenige Atomlagen dicke Schicht Galliumnitrid auf der Oberfläche ab. Viele dieser Schichten werden mit höchster Präzision übereinander abgeschieden. Nehmen die Forscher reines Galliumnitrid, erzeugt elektrischer Strom in diesen Dioden Licht mit einer Wellenlänge von 362 Nanometern. Das reicht zwar noch nicht zum Entkeimen von Wasser, ist aber immerhin bereits weiches UV-Licht.

Ersetzen Michael Kneissl und seine Kollegen die Galliumatome teilweise durch Aluminiumatome, senden die entstehenden Halbleiter kurzwelligeres Licht aus. Je mehr Aluminiumnitrid an die Stelle von Galliumnitrid tritt, umso kurzwelliger strahlt die LED. Reines Aluminiumnitrid liefert dann sehr hartes UV-Licht mit einer Wellenlänge von 210 Nanometern. So können die Forscher LEDs herstellen, die Licht jeder Wellenlänge zwischen 362 und 210 Nanometern aussenden.

Das ideale UV-Licht mit 250 bis 280 Nanometern Wellenlänge zum Desinfizieren lässt sich so genauso gut erzeugen wie LEDs mit 310 Nanometern, die Hautkrankheiten lindern. So weit die Theorie - die Praxis ist natürlich schwieriger. So verwandeln erste Dioden nur ein oder zwei Prozent der elektrischen Energie in UV-Licht, bei LEDs mit sichtbarem Licht liegt der Wirkungsgrad zum Teil bei 60 Prozent.

In den nächsten Jahren wollen die Berliner Forscher daher den Wirkungsgrad mit technischen Kniffen verbessern. Eine erste Anlage testen sie derzeit gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin. 30 einfache UV-Dioden einem Wirkungsgrad unter einem Prozent entkeimen dort Wasser in einem Vorratsbehälter.

Für entlegene Dörfer in Entwicklungsländern rückt so eine billige Trinkwasserentkeimung in greifbare Nähe. Auch die Luftfahrtindustrie, Bahnunternehmen und Campingausrüster signalisieren Interesse an der Methode, die sauberes Trinkwasser während der Fahrt oder im Flug liefern kann.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote