10.01.13

Partnerwahl

Warum netten Männern die Frauen weglaufen

Wer immer zuvorkommend und gefällig ist, wirkt auf potenzielle Partner nicht attraktiv. Er investiert zu viel, ist zu verfügbar, belohnt Respektlosigkeit und lässt der Hoffnung keine Chance.

Von Fanny Jiménez
Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Man muss ja nicht gleich unhöflich werden – aber darauf zu achten, dass Geben und Nehmen sich die Waage hält, kann vor Enttäuschungen bewahren. Außerdem erhöht es auch langfristig die Aussicht auf eine auf jeder Ebene ausgewogene Beziehung
Man muss ja nicht gleich unhöflich werden – aber darauf zu achten, dass Geben und Nehmen sich die Waage hält, kann vor Enttäuschungen bewahren. Außerdem erhöht es auch langfristig die Aussicht auf eine auf jeder Ebene ausgewogene Beziehung

Nette Männer, und natürlich auch nette Frauen, stoßen in Liebesangelegenheiten oft auf ein wiederkehrendes Problem: Sie haben das Gefühl, alles richtig zu machen, und trotzdem will es nicht klappen mit einer Beziehung. Sie kommen pünktlich, machen Geschenke, sind verbindlich und aufmerksam.

Und dennoch geht die Angebetete dann mit dem Typen von nebenan weg, der nie zurückruft, und der tolle Mann mit der selbstzentrierten Diva, die immer zu spät kommt. Was auf den ersten Blick unverständlich scheint, lässt sich mit ein paar psychologischen Prinzipien recht gut erklären.

Investieren führt zu Bindung – bei dem, der gibt

So investieren zu nette Menschen früh und viel in die Beziehung – Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Aus vielen Studien ist bekannt, dass Investieren psychologisch vor allem einen Effekt hat: Es führt dazu, den Wert der Sache oder des Menschen, in den investiert wird, höher einzustufen.

Und zwar umso stärker, je mehr man investiert hat. Derjenige, der mehr für eine Beziehung tut, der mehr gibt und mehr zahlt, verliebt und bindet sich auch stärker. Für den anderen dagegen gilt das nicht – viele Gefälligkeiten und Geschenke bedrängen eher.

Ständige Verfügbarkeit macht unattraktiv

Gefährlich ist es außerdem, ständig und bedingungslos verfügbar zu sein. Die unbewusste Annahme, dass Dinge oder Menschen, die schwer zu bekommen sind, besonders wertvoll sind, ist tief im Menschen verwurzelt.

Es stimmt also: Wer sich rar macht, erschafft zumindest die Illusion, dass seine Zeit und Präsenz kostbar ist – und dass sie nicht an jeden verteilt wird. Mal nicht zurückrufen oder ein Treffen abzusagen ist zwar durchschaubar und nervig, wirkt aber trotzdem.

Und es hat noch einen Effekt: Es zwingt den anderen, sich gedanklich mit den Gründen dafür zu beschäftigen. Und wenn einem jemand ständig im Kopf herumschwirrt, heißt das doch etwas, oder?

Wer hingegen verliebt und zu nett ist, lässt oft alles für das Objekt der Begierde stehen und liegen. Für seine Zeit und Aufmerksamkeit muss man so rein gar nichts tun. Und das wirkt im schlimmsten Fall nicht attraktiv, sondern einfach bedürftig.

Nette Menschen belohnen Respektlosigkeit

Und schließlich sind nette Menschen – einfach zu nett. Sie belohnen oft ungewollt respektloses Verhalten des Partners und verstärken es dadurch. Sie vergeben zu schnell und zu oft, sind zu geduldig und wohlwollend, setzen keine klaren Grenzen.

Ihre Nettigkeit kommt ihnen ungewollt selbst in die Quere: Denn von jemandem zuvorkommend behandelt zu werden, der zu allen und immer zuvorkommend ist, ist schließlich nichts Besonderes.

Anziehungskraft = Unsicherheit plus Hoffnung

Eine Untersuchung des US-Psychologen Paul Eastwick von der Northwestern University zeigt zudem, warum die allzu offene Hingabe ein Nachteil sein kann. In seiner Dating-Studie empfanden die Probanden jene Partner als besonders anziehend, die ihnen kein klares Signal darüber gaben, ob sie Interesse an weiteren Treffen mit ihnen hatten oder nicht.

Die Mischung aus Unsicherheit und Hoffnung sei sehr kraftvoll, so Eastwick. Denn Menschen wollen Unsicherheit möglichst reduzieren. Das lässt die Gedanken um den anderen permanent im Kopf rotieren. Und wohin das führt, ist wohl klar.

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Selbstverliebte erkennen
  • Erläuterung

    Die offiziellen Kriterien, nach denen Experten krankhaften Narzissmus erkennen (nach "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, fourth Edition“): Mindestens fünf der Kriterien müssen erfüllt sein.

  • Kriterium 1

    Narzissten haben ein grandioses Selbstwertgefühl, übertreiben die eigenen Fähigkeiten und Talente und erwarten, als etwas Besonderes beachtet zu werden.

  • Kriterium 2

    Narzissten fantasieren vom grenzenlosen Erfolg, von Macht, Brillanz, Schönheit oder von der idealen Liebe.

  • Kriterium 3

    Narzissten glauben von sich, "besonders" und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden. Am liebsten umgeben sie sich auch mit solchen.

  • Kriterium 4

    Narzissten benötigen exzessive Bewunderung.

  • Kriterium 5

    Narzissten erwarten, besonders gut behandelt zu werden und dass jeder sofort und automatisch auf sie eingeht.

  • Kriterium 6

    Narzissten benutzen andere, um eigene Ziele zu erreichen.

  • Kriterium 7

    Narzissten mangelt es an Empathie.

  • Kriterium 8

    Narzissten sind neidisch auf andere oder glauben, dass andere auf sie neidisch sind.

  • Kriterium 9

    Narzissten zeigen arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Ansichten.

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