09.01.13

"Bicholim-Konflikt"

Ausgedachter Krieg steht jahrelang auf Wikipedia

Noch nie vom "Bicholim-Konflikt" gehört? Macht nichts, den gab es gar nicht. Dennoch stand auf der Online-Enzyklopädie Wikipedia über fünf Jahre ein Artikel über den angeblich bewaffneten Konflikt.

Foto: dpa

Wikipedia: Nützliches Recherchetool, aber nicht immer fehlerfrei
Wikipedia: Nützliches Recherchetool, aber nicht immer fehlerfrei

Ein Internet-Hoax mit überraschend langer Laufzeit: Seit 2007 waren die Schilderungen zum "Bicholim-Konflikt" in der Online-Enzyklopädie Wikipedia zu lesen.

Es soll sich dabei um eine Auseinandersetzung zwischen der Kolonialmacht Portugal und dem indischen Reich der Marathen im 17. Jahrhundert gehandelt haben. Die Ausführungen lasen sich offenbar so gut, dass der Text sogar als "guter Artikel" ausgezeichnet wurde.

Erst im Dezember 2012 stellte ein aufmerksamer Nutzer fest: Der Krieg und alle zitierten Quellen waren erfunden. "Nach einer eingehenden Betrachtung und einigen Rechercheschritten bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Artikel eine Erfindung ist – eine schlaue und ausgeklügelte Erfindung", schrieb der Autor mit dem Wikipedia-Pseudonym ShelfSkewed schließlich.

Nun auf der Liste für falsche Einträge

Der Artikel existiert inzwischen nicht mehr. Stattdessen steht der "Bicholim-Konflikt" nun als "fiktiver Krieg" auf einer Wikipedia-Liste, die sich mit falschen Einträgen auf der Webseite befasst.

Dort finden sich unter anderem auch die erfundene indonesische Insel Bunaka sowie Gaius Flavius Antoninus, der angeblich Julius Cäsar getötet haben soll. Wer den fiktiven "Bicholim"-Artikel eingestellt hat: bislang unklar.

Grundsätzlich kann jeder an der Online-Enzyklopädie mitschreiben. Daher könne Wikipedia "für Erfindungen missbraucht werden", heißt es auf der Seite. Ein solches Vorgehen werde als "Vandalismus" gewertet. Autoren, die erfundene Sachverhalte bei Wikipedia veröffentlichten, könnten von der Seite verbannt werden.

Das ganze Internet täuschen

Dennoch werden auf Wikipedia immer wieder falsche Informationen – so genannte Hoaxes – veröffentlicht, sagte Wikipedia-Berater William Beutler zu Yahoo News. Je ausgefuchster die Fälschung, desto schwieriger sei es, sie zu entdecken.

"Wer schlau genug ist, um überzeugende Quellen zu erfinden sowie die Motivation und den Durchhaltewillen besitzt, um einen plausiblen Artikel schreiben, kann das ganze Internet täuschen - zumindest für eine Weile", so Beutler.

Quelle: afp/ire
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Morgenpost-Autorin Franziska Birnbach machte sich mithilfe von Google Maps auf den Weg ins Berliner Verkehrschaos
21:30Neue Fahrradnavigation
Mit Google Maps wird Radtour in Berlin zum Stresstest

Google Maps bietet ab sofort auch in Deutschland Routen für Radfahrer. Die Morgenpost hat die Anwendung auf Berlins Straßen getestet und stieß dabei auf Straßen, die gar nicht existieren. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
18:48Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


Am Maxim Gorki Theater feiert am Samstag das Stück „Leben des Galilei“ Premiere. Pressesprecherin Claudia Nola rechnet damit, dass diese nicht ausverkauft sein wird
22:48Bühne
Champions-League-Finale bringt Berlins Theater in Bredouille

Berlins Theater sehen sich am Samstagabend einem kaum besiegbaren Konkurrenten ausgesetzt. Denn nicht nur potenzielle Zuschauer wollen das Champions League Finale sehen, sondern auch viele Darsteller. mehr...


„The Rock“: Wowereit zeigte nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass ihn die Fragen vielleicht ermüdeten
19:55Hauptstadtflughafen
Wowereit lässt sich im BER-Ausschuss nicht fassen

Berlins Regierender Bürgermeister musste sich dem BER-Untersuchungsausschusses stellen. Dabei zeigte er sich gelassen - und hatte auf alles ein Antwort. Eine persönliche Verantwortung wies er zurück. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia
"The Athena Project"

So sieht das neue Wikipedia aus

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote