09.01.13

Keks-Anreiz

Schon Knirpse schielen auf den Gewinn

Fünfjährige zocken wie Erwachsene – kühl berechnend, aber auch mit Fehlern. Da derartige Forschung an Kindern seltsam wäre, benutzten die Wissenschaftler keine harte Währung, sondern: Kekse.

Foto: pa / ZB

Wenn Fünfjährige Keks tauschen können, tun sie das mit Bedacht – auf den eigenen Vorteil
Wenn Fünfjährige Kekse tauschen können, tun sie das mit Bedacht – auf den eigenen Vorteil

Bereits Fünfjährige verhalten sich bei Gewinnspielen ähnlich wie Erwachsene. Sie entscheiden häufig profitorientiert und machen gleichzeitig ähnliche Beurteilungsfehler wie die Großen. Das berichten Wissenschaftler aus Frankreich und Großbritannien im Fachjournal "PLOS ONE". Das Team um Valérie Dufour vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris stützt seine Ergebnisse auf ein Experiment mit 288 Drei- bis Achtjährigen.

Die Forscher stellten den Kindern folgende Aufgabe: Sie bekamen einen Keks und konnten diesen entweder behalten oder gegen eine von sechs Schalen austauschen. In den Schüsseln war jeweils ein Keks, der größer, kleiner oder genauso groß war wie der, den die Kinder anfangs bekommen hatten.

Die Chance, größere Leckereien zu gewinnen, variierten die Forscher von Runde zu Runde mit Hilfe verschiedener Kombinationen in den Schüsseln. Ein Beispiel: In den sechs Schalen befanden sich drei größere, zwei kleinere und ein gleich großes Plätzchen. Vor jedem Durchgang wurde den Probanden erklärt, wie viele "Gewinner-Schalen" mit größeren Keksen es gibt.

Kekse für den sofortigen Verzehr

Die Wissenschaftler bezogen nicht in die Studie mit ein, ob die Kinder Hunger hatten oder nicht. Allerdings wurde ihnen die Möglichkeit gegeben, ihre Kekse entweder sofort zu essen – oder sie in einer Tüte aufzubewahren und später zu vernaschen.

Die Drei- und Vierjährigen waren dem Experiment zufolge nicht in der Lage, ihre Gewinnchancen richtig abzuwägen. Kinder, die älter als fünf Jahre waren, konnten die Chancen hingegen meist gut abschätzen, schreiben die Forscher. Sie passten ihr Entscheidungen zudem an vorherige Gewinne oder Verluste an.

Diese Kinder suchten bei dem Spiel das Risiko, heißt es in "PLOS ONE" weiter. Gleichzeitig zeigten sie jedoch auch eine Abneigung gegenüber Verlusten: eine Angst, die bei Erwachsenen zu falschen Entscheidungen – mit Blick auf den höchstmöglichen Gewinn – führen könne.

Lieber auf der sicheren Seite

In gefährlichen Situationen könne die Faustregel "lieber sicher sein als etwas bereuen" ("better be safe than sorry") jedoch auch sinnvoll sein, schreiben die Wissenschaftler. Ganz nach dem Motto: Es ist besser, sicher zu sein und zu glauben, dass in der Nähe ein Tiger lauert, als später den "schlechten Ausgang" der Situation zu bereuen.

Dufour und ihre Kollegen vermuten daher, dass diese Faustregel und andere vermeintliche Beurteilungsfehler in riskanten Situationen einen Überlebensnutzen haben – und dass wir dieses Verhalten schon sehr früh lernen.

Quelle: dpa/oc
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