02.01.13

Verhaltensforschung

Bonobos teilen gern – um besser zu netzwerken

Bonobos teilen ihr Futter mit anderen, wenn sie so ihren Freundeskreis vergrößern können. Doch sobald der Artgenosse weiter weg ist, hält sich diese gute Eigenschaft in Grenzen.

Foto: dpa

Wenn Bonobos ihr Futter mit Artgenossen teilen, dann bevorzugen sie häufig Fremde vor Mitgliedern ihrer eigenen Gruppe
Wenn Bonobos ihr Futter mit Artgenossen teilen, dann bevorzugen sie häufig Fremde vor Mitgliedern ihrer eigenen Gruppe

Wenn Bonobos ihr Futter mit Artgenossen teilen, dann bevorzugen sie häufig Fremde vor Mitgliedern ihrer eigenen Gruppe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zweier Wissenschaftler von der Duke-Universität in Durham im US-Bundesstaat Nord-Carolina.

Sie erklären dieses Verhalten damit, dass die Affen den direkten Kontakt zu fremden Artgenossen suchen, um ihr individuelles soziales Netzwerk zu erweitern. Bonobos zählen wie Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans zu den Großen Menschenaffen – den nächsten Verwandten des Menschen im Tierreich.

Teilen ist nicht rein menschlich

Damit sei nachgewiesen, dass das Teilen mit Fremden keine einzigartige Eigenschaft des Menschen sei, schreiben die Forscher Jingzhi Tan und Brian Hare in der Fachzeitschrift "PLOS ONE". Das Verhalten der Affen habe jedoch Grenzen: Wenn kein direkter Kontakt zum Artgenossen möglich ist, dann fressen sie lieber alleine als den anderen über einen technischen Weg ebenfalls zu Futter zu verhelfen.

Die Forscher machten insgesamt 70 Versuche mit 14 verschiedenen Bonobos. In einem Experiment hatten die Affen die Möglichkeit, zwei Artgenossen zu sich in den Käfig zu lassen, um ihr Essen mit ihnen zu teilen. Dabei öffneten sie in den meisten Fällen dem Fremden zuerst die Tür. Nur wenige bevorzugten ihr Gruppenmitglied.

Der fremde Affe wiederum öffnete häufig noch zusätzlich dem Gruppenmitglied des ersten Bonobos die Tür, so dass er selbst nun zwei Angehörigen der ihm fremden Gruppe gegenüber saß.

Nicht nur selbstsüchtige Motive

Dass bei diesem Verhalten nicht nur selbstsüchtige Motive eine Rolle spielen, zeigte ein weiteres Experiment. Dabei war das Essen für die Versuchstiere selbst unerreichbar, jedoch konnten sie mit Hilfe eines Seils einem anderen Bonobo eine Tür öffnen, so dass dieser an das Essen gelangen konnte. Das Versuchstier hatte dabei keine Möglichkeit zu einem direkten Kontakt mit dem anderen.

Dennoch öffneten neun von zehn Bonobos wenigstens in einem Versuchsdurchgang die Tür. Dabei kamen Fremde und Gruppenmitglieder gleichermaßen zum Zuge.

Wenn sie allerdings selbst das Essen erreichen konnten und der direkte Kontakt zum Artgenossen nicht möglich war, dann öffnete kein einziges der Versuchstiere die Tür für den anderen – weder für Fremde noch für Gruppenmitglieder.

Quelle: dpa
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