23.12.12

Klimawandel

Westantarktis schmilzt schneller weg als gedacht

Eine Binnenregion im Westen der Antarktis erwärmt sich doppelt so schnell wie gedacht. Innerhalb von 50 Jahren stieg dort die Temperatur um 2,4 Grad – drei Mal so stark wie im weltweiten Durchschnitt.

Foto: dpa

Die Antarktis ist der fünftgrößte Kontinent. Der westliche Teil erwärmt sich laut neuen Forschungen schneller als angenommen
Die Antarktis ist der fünftgrößte Kontinent. Der westliche Teil erwärmt sich laut neuen Forschungen schneller als angenommen

Die Temperaturen in der westlichen Antarktis steigen laut einer Studie ungewöhnlich schnell, was den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigen könnte. Der westantarktische Eisschild erwärme sich doppelt so rasch wie bisher gedacht, berichteten Forscher im Wissenschaftsblatt "Nature Geoscience" vom Sonntag.

Demnach ergab eine Überprüfung der Temperaturdaten zwischen 1958 und 2010, dass die Temperatur in diesem Zeitraum um 2,4 Grad gestiegen ist – drei Mal so stark wie im weltweiten Durchschnitt. Damit sei die Westantarktis das sich am schnellsten erwärmende Gebiet der Welt.

Das Eis im Westen der Antarktis liegt teilweise über Land, erstreckt sich aber auch weit ins Meer hinein und schmilzt deshalb schneller. Schon bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Schmelzprozess in der Westantarktis zu rund zehn Prozent des durch den Klimawandel erzeugten Anstiegs des Meeresspiegels beiträgt.

Lückenhafte Daten

Grundlage der Berechnungen sind Temperaturmessungen der amerikanischen Byrd-Station, die sich auf 1530 Metern über dem Meeresspiegel mitten auf dem westantarktischen Festlandeis befindet. Diese Daten sind aber lückenhaft, da die Station nur von 1958 bis 1975 ständig besetzt war. Daher galten sie bisher als zu unsicher für längerfristige Trends, wie eine Gruppe um David Bromwich von der Ohio State University in Columbus (USA) berichtet.

Von 1980 an gab es nur zum Teil Daten einer automatischen Wetterstation, weil beispielsweise deren Solarzellen im antarktischem Winter keinen Strom lieferten. 2005 wurde die Station ganz geschlossen. Das Bromwich-Team nutzte nun Wetterdaten anderer zumeist über die Küstenregionen der Antarktis verteilter Stationen und berechnete so die mit großer Wahrscheinlichkeit in der Byrd-Region herrschenden Temperaturen. Damit konnte es die Datenlücken schließen und eine langfristige Temperaturkurve für die Inlandregion erstellen.

Sorgen um die Stabilität des Meereises

Da in der hoch gelegenen Byrd-Region auch im Sommer eine mittlere Temperatur von minus 10 Grad herrsche, führe die Erwärmung nicht unmittelbare dazu, dass größerer Eismassen schmelzen, betonte Bromwich. Dies begründe aber Sorgen um die Stabilität des Meereises an der Küste und des benachbarten Ross-Eisschilds, schreiben die Forscher. "Wenn der Erwärmungstrend anhält, wird die Schmelze in der Region in der Zukunft umfangreicher sein", so Bromwich.

Schon geringe Erhöhungen der Temperaturen führe dort zu einer Beschleunigung der Gletscherflüsse, Abbrüchen vom Schelfeis und verstärktem Schmelzen von Meereis. Auch Gletscher der angrenzenden Antarktischen Halbinsel schmelzen älteren Studien zufolge rasch.

Der Weltklimarat hatte 2007 einen Anstieg der Meeresspiegel zwischen 18 und 59 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts vorhergesagt. Mehrere Studien der vergangenen Monate haben aber bereits vorhergesagt, dass der Anstieg wesentlich höher sein dürfte.

Quelle: AFP/dpa/sara
Quelle: dapd
09.12.12 1:29 min.
In der Antarktis wollen Forscher mit Tiefenbohrungen den Geheimnissen des Sees "Lake Ellsworth" auf die Spur kommen. Der See ist seit etwa 500.000 Jahren von der Welt abgeschottet.
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