19.12.12

Top 10

"Nature" kürt wegen Totschlags verurteilten Forscher

Das Magazin "Nature" würdigt die Wissenschaftler dieses Jahres – wie Cern-Chef Rolf-Dieter Heuer. Doch auch Außenseiter wie der wegen Totschlags verurteilte Erdbebenforscher de Bernardinis kommen vor.

Foto: AFP

Bernardo De Bernardinis während einer Gerichtsverhandlung. „Nature“ zählt den Erdbebenforscher für einen der zehn wichtigsten Wissenschaftler des jahres 2012
Bernardo De Bernardinis während einer Gerichtsverhandlung. "Nature" zählt den Erdbebenforscher für einen der zehn wichtigsten Wissenschaftler des jahres 2012

Das britische Fachjournal "Nature" zählt zu den Top 10 der weltweiten Forscher 2012 auch den deutschen Physiker und Direktor des Genfer Kernforschungszentrums Cern, Rolf-Dieter Heuer. Am Cern wurde mit Hilfe des riesigen Ringbeschleunigers LHC ein Teilchen entdeckt, das wahrscheinlich das lange gesuchte Higgs-Boson ist. Das britische Magazin lobte Heuer für seine trotz großen öffentlichen Drucks vorsichtige und behutsame Art, mit der Entdeckung umzugehen.

Auch Wissenschaftler wie die New Yorkerin Cynthia Rosenzweig, die Naturereignisse wie den Supersturm "Sandy" schon vor Jahren vorhergesagt hatte, wurden gewürdigt. Rosenzweig hatte zusammen mit Kollegen bereits 1997 vorausgesehen, dass klimabedingt künftig "einzelne Ereignisse" große Probleme hervorrufen können. Daneben erhielt auch Adam Steltzner eine Nennung, der US-Ingenieur, der im August maßgeblich die Landung des Marsrovers "Curiosity" auf dem Roten Planeten steuerte – ein gewagtes Projekt mit Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar (1,9 Milliarden Euro).

"Nature" zollte auch dem italienischen Erdbeben-Experten Bernardo de Bernardinis Respekt – obwohl dieser nach einer angeblichen Falsch-Voraussage wegen Totschlags in 29 Fällen verurteilt wurde. De Bernardinis, damals stellvertretender Abteilungsleiter beim italienischen Ministerium für Zivilschutz, hatte vor dem verheerenden Erdbeben 2009 in einem Fernsehinterview die Chancen für ein schweres Erdbeben eingeschätzt. Dabei hatte er erklärt, die zuvor feststellbaren kleineren Erdstößen nähmen Energie weg und minderten die Gefahr eines großen Bebens.

De Bernardinis geht in Berufung

Die Anklage warf ihm vor, er habe die örtliche Bevölkerung fälschlicherweise in Sicherheit gewogen. De Bernardinis geht jetzt mit rein wissenschaftlicher Argumentation in die Berufung. "Nature" würdigte ihn, weil der gelernte Ingenieur im Kampf um sein Recht nie die Nöte der Betroffenen und Hinterbliebenen von Opfern vernachlässigt habe. "Wenn ich am Ende der Berufung für schuldig befunden werde, dann gehe ich ins Gefängnis", sagte de Bernardinis. "Kein Problem."

Neben den zehn wichtigsten Forschern des abgelaufenen Jahres hat "Nature" auch eine Liste mit fünf Wissenschaftlern veröffentlicht, denen das Magazin für 2013 den Durchbruch zutraut. Darauf erscheint etwa der Schweizer Klimaforscher Thomas Stocker. Er ist stellvertretender Vorsitzender einer Arbeitsgruppe des Weltklimarates (IPCC), die im neuen Jahr einen Bericht zu den wissenschaftlichen Aspekten des Klimawandels herausbringen will.

Glück wünschen die Autoren der neuen Wissenschaftsbeauftragten der EU, Anne Glover. Sie muss sich künftig mit der Frage beschäftigen, ob genmanipulierte Organismen erlaubt werden sollen oder ob die Wissenschaft für politische Zwecke gebraucht – oder auch missbraucht – wurde. "Lasst den Kampf beginnen", heißt es dazu in dem Magazin.

Foto: AP

Im Jahr 2009 ereignete sich in den Abruzzen in Italien ein heftiges Beben.

11 Bilder
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Venice Beach Blitzeinschlag schockt Strandbesucher
Gesundheitsgefahr So vergiftet ist die Luft im Flugzeug
Alte Kühltürme Engländer sprengen Betonriesen
Pirelli-Kalender Das ist Fetisch für exklusive Augen
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Alles Quatsch!?

Wunder gesucht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote