19.12.12

In eigener Sache

Warum Mango-Lassis an die Decke gehen

Im Joghurt enthaltene Milchsäurebakterien bauen Zucker zu Milchsäure ab. Dabei entstehen Gase, die nicht entweichen können. Dann kann es einen Knall geben. Wie gerade in unserer Redaktion geschehen.

Von Rebecca Winkels und Fanny Jiménez
Foto: Rainer Haubrich

Platsch! Da war der Mango Lassi hin – die Deckenverkleidung aber auch
Platsch! Da war der Mango Lassi hin – die Deckenverkleidung im Newsroom der "Welt" zierte ein gelber Fleck

Am Anfang war ein lauter Knall. Mitten im Newsroom der "Welt"-Redaktion gab es am Dienstagabend in die Stille des konzentrierten Arbeitens hinein ein ungewohntes, raumfüllendes Geräusch.

Ein Becher Mango-Lassi, der dort auf einem Schreibtisch gestanden hatte, ging einfach in die Luft. Er hinterließ einen auch 24 Stunden später nicht zu übersehenden sonnengelben Fleck an der Decke (zwei Meter über dem Explosionsort) sowie Spitzer auf Bildschirmen, Tastaturen, Drehstühlen und Kleidung.

Es sollen nur wenige Tage gewesen sein, die das Getränk dort verbrachte – aber die Zeit ist ja eine Sache der Wahrnehmung und damit relativ. Auch deshalb hinterließ die ziemlich gewaltige Eruption viele fragende Redakteursgesichter.

Wieso explodiert ein Mango-Lassi denn einfach so? Die Wissenschaftsredaktion ging der Frage sofort nach, schließlich ist so ein unerwartet explodierender Becher eine auch künftig potenzielle Gefahr für die Arbeitsplatzsicherheit.

Schuld sind die Milchsäurebakterien

Die Antwort: Schuld an der Misere ist einer der Hauptbestandteile des traditionellen indischen Getränks. Dieses besteht zum Großteil aus Wasser und Joghurt und wird mit pürierten Früchten – in diesem Fall Mangostückchen – und Zucker verfeinert.

Entscheidend für die Explosion ist dabei der Joghurt: Die in ihm enthaltenen Milchsäurebakterien der Ordnung Lactobacillales bauen Zucker zu Milchsäure ab – dabei entstehen Gase. Sitzt dann der Deckel auch noch ganz fest, können diese nicht entweichen.

Am besten gedeihen die Milchsäurebakterien bei Temperaturen zwischen 30 und 38 Grad. Keine Sorge, ganz so warm wird es in der "Welt"-Redaktion natürlich nicht. Doch für die Gasentwicklung muss die Temperatur der Umgebung nicht unbedingt das Optimum erreichen.

Eine Temperaturveränderung setzt Gärung in Gang

Eine Veränderung, also der Weg aus dem Kühlschrank zum Schreibtisch, reicht vollkommen aus. Herausgenommen und schnell getrunken verursacht so ein Lassi weiter keine Probleme.

Steht das Getränk allerdings länger bei Raumtemperatur herum, so beginnt der Prozess, der als Gärung bekannt ist. Die Milchsäurebakterien vermehren sich innerhalb des Getränkes rapide und bauen immer mehr Zucker zu Milchsäure ab.

Dadurch entsteht immer mehr Gas, das mit jedem Tag bei Raumtemperatur mehr Platz braucht. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem es dem Lassi im Becher endgültig zu eng wird – und es seine ganze explosive Kraft entwickelt.

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