17.12.12

Rrrrrrrrrrrch!

Rasseln und Sägen - Das hilft gegen Schnarchen

Das nächtliche Atemgeräusch wächst bei vielen zu einem Schlafzimmer-Orkan an. Ab Mitte 40 schnarcht fast jede zweite Frau. Dem ist abzuhelfen – mit Abnehmen, aber auch mit einfacheren Tipps.

Foto: dpa/picture-alliance

Im Deutschen Schnarchmuseum in Alfeld werden Utensilien aller Art gezeigt, die gegen die nächtliche Plage helfen sollen
Im Deutschen Schnarchmuseum in Alfeld werden Utensilien aller Art gezeigt, die gegen die nächtliche Plage helfen sollen

Auf der Matratze nebenan tönt es gewaltig, an Schlaf ist nicht zu denken. Das nächtliche Schnarchen führt in vielen Beziehungen zur Einführung getrennter Schlafzimmer. "So weit muss es aber gar nicht kommen", sagt Thomas Michael Rossbach, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Leiter des Freiburger Schnarchzentrums. "Es gibt viele gute und wirksame Methoden, das Schnarchen zu reduzieren oder sogar ganz zu beseitigen." Fakt ist: Nicht nur Männer schnarchen. "Ab dem 40. Lebensjahr geht es auch bei vielen Frauen los", sagt der Experte.

Mit Beginn der Wechseljahre verändert sich der weibliche Körper, auch hormonelle Faktoren können eine Rolle spielen. Ab 45 schnarcht fast jede zweite Frau, sagt Rossbach. Kein Grund sich zu schämen: "Ob Männer oder Frauen: Ich rate beiden Geschlechtern, sich Hilfe beim Facharzt zu suchen." Unbehandelt kann das Schnarchen nämlich auch zur Gefahr werden.

Der eine schnarcht so laut, das die Wände beben, der andere rasselt leise zischend vor sich hin. Schnarchgeräusche sind so unterschiedlich wie ihre Produzenten. Auch die Ursachen sind vielfältig. Mal ist es eine verkrümmte Nasenscheidewand, "mal eine höher gelagerte Zunge", erklärt der Experte.

"Extrakilos begünstigen das Schnarchen"

Im Alter nimmt das Schnarchen zu, weil viele Menschen jetzt mehr Gewicht mit sich tragen. "Die Extrakilos begünstigen das Schnarchen, weil sich auch im Rachenraum mehr Fettgewebe befindet." Verstärkt wird dieser Effekt durch eine schlaffere Rachenmuskulatur und äußere Einflüsse, wie Alkohol, Nikotin oder eine ungünstige Schlaflage.

"Der erste Schritt bei vielen Patienten ist die Gewichtsreduktion", sagt Rossbach. Jedes Kilo weniger auf der Waage reduziere das Sägekonzert. Dazu gelte es, wieder regelmäßig Sport zu treiben, um die Muskulatur zu stärken. "Am besten ist Ausdauertraining wie Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren."

Wer ganz gezielt die Rachenmuskulatur stärken will, ist mit dem Erlernen eines Blasinstruments gut beraten: "Es ist kein Witz: Menschen, die Trompete oder Posaune spielen, schnarchen eindeutig weniger."

Schnarchen ist unsexy

Auch Lieder helfen. Eine Untersuchung vom britischen Royal Exeter Hospital zeigt, dass Singen eine wirksame Therapie gegen Schnarchen ist. Wer auf dem Rücken schnarcht, sollte sich bewusst in die Seitenlage begeben: "Dabei unterstützen spezielle Schlafsäcke oder Rucksäcke, die sich der Schläfer umschnallt."

Schnarchen gilt als ziemlich unsexy. "Die Seele der Schnarcher leidet", sagt Sabine Krüger aus Sylt, Sachbuchautorin und Entwicklerin einer Anti-Schnarch-Therapie. Dementsprechend stark ist auch der Wunsch, das Laster loszuwerden. "Und so konsumieren Schnarcher und Schnarcherinnen häufig Schnarch-Sprays, Schnarch-Schnuller oder Schnarch-Lutschtabletten", sagt die Autorin und ergänzt: "Über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen gibt die Stiftung Warentest ernüchternde Auskünfte."

Viele Helferlein sind "ziemlicher Unfug"

Auch HNO-Arzt Rossbach hält nichts von den teuren vermeintlichen Helferlein, die vor allem im Internet angeboten werden: "Das Meiste ist ziemlicher Unfug."

Bei manchen sei das Schnarchen komplett harmlos, "bei anderen kann es zur Gefahr werden", sagt Rossbach. Das passiert, wenn es zu Atemaussetzern, sogenannten Apnoen, kommt. "Dieser nächtliche Sauerstoffmangel kann gravierende Folgen für die Gesundheit haben, zu Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen führen", warnt der Schnarchexperte.

Auch ein Verlust der Libido, starke Tagesmüdigkeit oder Gedächtnisstörungen seien die Folge von Atemstörungen in der Nacht. "Betroffene müssen sich bei solchen Symptomen auf jeden Fall Hilfe suchen, dürfen das Schnarchen nicht bagatellisieren."

Anlaufstellen sind spezialisierte HNO-Ärzte oder Kliniken mit Schnarchzentrum. Teil der individuellen Diagnostik ist die Untersuchung des Nasen- und Rachenraums und die genaue Schlafanalyse: "Dafür bekommen Patienten häufig ein Schnarchtestgerät mit nach Hause, dass den Atem und das Schnarchen aufzeichnet und für den Arzt nachvollziehbar macht." Welche Therapie das Schnarchen beseitigt, müsse individuell entschieden werden.

Quelle: dapd
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
US-German investor Nicolas Berggruen add
20.05.13Karstadt
Nicolas Berggruen – der entzauberte Milliardär

Der Kaufhauskonzern hat wieder große Probleme. Nicolas Berggruen, der lange als Retter gefeiert wurde, ist nicht ganz schuldlos. Eine Zwischenbilanz. mehr...

Astronomie
20.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Dienstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Dienstag, den 21. Mai. mehr...


Ein Großaufgebot der Polizei suchte nach dem Mädchen.
20.05.13Hellersdorf
Vermisstes Mädchen wieder aufgetaucht – Sharlyn wohlauf

Mit einem Großaufgebot wurde die achtjährige Sharlyn aus Hellersdorf stundenlang gesucht. Am späten Abend gab es dann Entwarnung: Die Kleine tauchte kurz nach 22 Uhr plötzlich wieder zu Hause auf. mehr...


Die kilometerlangen Rohrleitungen gehören zur Brandschutzanlage des BER-Terminals. Erst wenn sie stabil funktioniert, darf der neue Flughafen eröffnet werden
20.05.13Sprinkleranlage
Am BER tut sich was – Erstes Umbauprojekt seit Mehdorns Antritt

Wann der BER eröffnet, ist noch immer völlig unklar. Nun soll zumindest ein großes Manko beseitigt werden: Die Sprinkleranlage wird umgebaut, statt einer zentralen soll es drei separate Anlagen geben. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Tipps gegen das Schnarchen
  • Entspannung

    Sich vor dem Schlafen bewusst entspannen und Probleme des Tages loslassen.

  • Wer zieht bitte aus?

    Nicht der betroffene Partner, sondern der Schnarcher muss das Zimmer verlassen. So setzt sein Lerneffekt ein: Wer nicht schnarcht, darf liegenbleiben.

  • Gedicht aufsagen

    Ein persönliches Gedicht oder Mantra über dem Bett beschreibt den leichten, fließenden Atem. Der Schnarcher muss es jeden Abend mehrfach leise aufsagen.

  • Singen – viel Singen

    Der Schnarcher muss mehrmals wöchentlich vier bis fünf Lieder hintereinander singen.

  • Deutliches Gähnen

    Der Schnarcher trainiert seinen Gaumensegel mit bewusstem herzhaftem Gähnen.

  • Trinken

    Der Schnarcher trinkt täglich mindestens 1,5 Liter Wasser, um die Schleimhaut im Rachen feucht zu halten.

  • Quelle

    Sabine Krüger, Sachbuchautorin aus Sylt

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados verwüsten vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Zweite Liga

Die Aufstiegsfeier von Hertha

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote