16.12.12

Lebensmittel

Stollen und Kerzen können heftige Allergien auslösen

Lebkuchen und Glühwein bringen uns erst so richtig in Weihnachtsstimmung. Doch Allergiker sollten nicht nur Nüsse, sondern auch scharfe Gewürze, Räucherfisch und andere Weihnachtsklassiker meiden.

Foto: dapd

Doppeltes Allergierisiko: Zimtsterne enthalten nicht nur Zimt, sondern manchmal auch Haselnüsse
Doppeltes Allergierisiko: Zimtsterne enthalten nicht nur Zimt, sondern manchmal auch Haselnüsse

Etwa jeder dritte Bundesbürger leidet unter einer Allergie. Meistens an Heuschnupfen, weswegen sich die Betroffenen im Winter relativ sicher fühlen. Doch der Schein trügt: Gerade die Adventszeit mit ihren speziellen Düften und Speisen ist für viele Allergiker ein großes Problem.

So wird beispielsweise auf vielen Weihnachtsmärkten Champignonpfanne angeboten. Ernährungsmedizinisch gibt es da kaum Einwände, haben die Pilze doch viele Mineralien und nur wenige Kalorien.

Doch manchmal treten Allergien gegen Zuchtchampignons auf, die sogar zum anaphylaktischen Schock führen können. Glücklicherweise tritt der nur selten ein, Menschen ohne Stoffwechselkrankheiten bleiben in der Regel davon verschont. Eine neuseeländische Studie konnte allerdings zeigen, dass vor allem Morbus-Crohn-Patienten anfällig für Pilzunverträglichkeiten sind, da ihre Darmwände den typischen Pilzinhaltsstoff Ergothionein leichter durchlassen.

Nüsse - der Klassiker unter den Allergien

Nussallergien sind häufiger als Pilzunverträglichkeiten: Ein bis zwei Prozent der Bundesbürger reagieren allergisch auf Erd- und Haselnüsse, jeder Dritte von dieser Gruppe reagiert allergisch auf die weihnachtstypische Walnuss. Heimtückischer als die Nüsse selbst sind Wintersüßwaren, denen man nicht ansieht, dass sie mit Nüssen zubereitet wurden: Lebkuchen, Nugat und Marzipan. Allergiker sollten diese Lebensmittel meiden.

Wenn jedoch schwangere, aber allergiefreie Frauen dies tun, um dadurch ihrem Nachwuchs eine Intoleranz zu ersparen, tun sie genau das Falsche. Sie sollten vielmehr, so eine aktuelle dänisch-amerikanische Studie, bewusst Nüsse in ihren Speiseplan einbauen.

Die Forscher um Ekaterina Maslova von der Harvard School of Public Health in Boston analysierte die Ernährungsgewohnheiten von knapp 62.000 dänischen Müttern und die Gesundheitsakten ihrer Kinder. Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft mindestens eine Portion Erdnüsse pro Woche gegessen hatten, wiesen im Alter von sieben Jahren eine um 34 Prozent geringere Asthmaquote auf als jene, deren Mütter auf Erdnüsse verzichtet hatten.

Wal- und Haselnüsse schützten ebenfalls vor allergischen Atemwegserkrankungen. "Wir vermuten, dass die hohen Vitamin-E-Werte sowie die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe und mehrfach ungesättigten Fette der Nüsse einen stabilisierenden Einfluss auf das Immunsystem des Kindes haben", sagt Maslova.

Allergiefreie Schwangere dürfen Nüsse essen

Englische Forscher haben schon vor einigen Jahren gezeigt, dass man zum Schutz vor Nussallergien besser auf Soja als auf Nüsse verzichten sollte. Denn die Allergie gegen ein Nahrungsmittel kann auch durch ein anderes Nahrungsmittel mit ähnlicher Eiweißstruktur initiiert werden.

Nicht umsonst treten in der "Soja-Hochburg" USA relativ häufig Erdnussallergien auf, während in Ländern mit hohem Erdnusskonsum, wie etwa in Indien, Indonesien und Israel, kaum jemand damit Probleme hat.

Vorsicht vor scharfen Gewürzen

In Europa leiden mehr Menschen unter Gewürzintoleranzen als in Asien. Der amerikanische Immunologe Sami Bahna berichtete auf der diesjährigen International Food Allergy Conference in Kalifornien, dass Gewürze in westlichen Ländern mindestens zwei Prozent aller Nahrungsmittelintoleranzen verursachen. Vermutlich sei die Quote noch viel höher, sagte er, "doch oft werden die Allergien gar nicht erkannt, weil die entsprechenden Hauttests fehlen."

Zu den häufigen Allergieauslösern gehört neben Knoblauch und Vanille der Zimt. Man findet ihn in Stollen, Plätzchen, Lebkuchen und Glühwein. Generell gilt: Das Risiko einer Allergie wächst mit der Schärfe des Gewürzes. "Denn die Scharfstoffe können die Barrierefunktionen der Schleimhäute schwächen", warnt Bahna. Einige Gewürze verlören zwar beim Erhitzen ihr allergenes Potenzial, doch in einigen Fällen könne es dadurch sogar zunehmen. "Allergologen gehen daher meistens auf Nummer sicher und empfehlen, ein als Allergen erkanntes Gewürz zu meiden", sagt Bahna.

Das ist allerdings bei den industriellen, oft "undercover" gewürzten Lebensmitteln nicht einfach. Am besten backt man selbst und ersetzt eventuell problematische Gewürze. Als Zimtersatz etwa kommt Kardamom infrage, und Vanilleschoten kann man durch die preiswerteren Tonkabohnen austauschen.

Räucherfisch enthält viel Histamin

Auch geräucherte und länger gelagerte typische Weihnachtsspeisen, etwa Räucherlachs, Käse, Kassler, Bockwurst und Sauerkraut bergen Gefahren: Sie enthalten besonders viel Histamin – und genau der Stoff ist es, der im menschlichen Körper allergische Symptome in Gang setzt.

An vielen Kliniken behandelt man Urtikaria- und Dermatitispatienten mit einer histaminreduzierten Diät, die vor allem aus frischen Lebensmitteln besteht.

Finger weg von Paraffin-Kerzen

Neben dem Speiseplan bergen schließlich auch die typischen Gerüche der Weihnachtszeit ein Allergierisiko. So bestehen die üblichen Duftkerzen teilweise zu 90 Prozent aus potenziell allergenen Stoffen. Besonders problematisch sind die paraffinhaltigen Varianten, bei denen große Mengen atemwegsreizender Stoffe freigesetzt werden. Laut Harald Morr von der Deutschen Lungenstiftung sind vor allem Menschen mit einer Kontaktallergie gefährdet.

"Bei ihnen können die beim Abbrennen freigesetzten Stoffe allergische Erscheinungen auf der Haut oder in den Atemwegen verstärken", warnt der Pneumologe. Im schlimmsten Fall kann dies zu Asthmaanfällen führen. Das Risiko sinkt, wenn man ausgiebig lüftet. Am besten sei es aber, so Morr, wenn man Kerzen aus Bienen- oder Sojawachs anstatt aus Paraffin verwendet.

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