04.12.12

Hirnforschung

Giftige Pflanzenschutzmittel lösen Parkinson aus

Was schon länger vermutet wurde, konnten Forscher aus Dresden nun erstmals bestätigen: Sie haben den Mechanismus entschlüsselt, wie das Insektizid mit dem Namen Rotenon Parkinson-Symptome auslöst.

Foto: pa

Kein Zufall: Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten und Pestiziden ausgesetzt sind, erkranken häufiger an Parkinson
Kein Zufall: Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten und Pestiziden ausgesetzt sind, erkranken häufiger an Parkinson

Giftige Pflanzenschutzmittel können Parkinson auslösen. Dresdner Forscher haben den Mechanismus entschlüsselt, wie das Insektizid Rotenon Symptome der Krankheit auslöst und verstärkt, teiltedasUniversitätsklinikum Dresden mit. Eine wesentliche Rolle dabei spielten Nervenverbindungen zwischen Darm und Hirn. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift "Nature Scientific Reports" veröffentlicht.

Das Dresdner Forscherteam fand heraus, dass Rotenon zur Ausschüttung des Proteins Alpha-Synuclein durch die Nervenzellen im Darmtrakt führt. Es wird von Nervenzellen im Gehirn aufgenommen und im Zellkörper abgelagert, wo es die Zellen zerstört.

Neuer Ansatz für Diagnose und Therapie

Wurden die entscheidenden Nerven im Darmbereich von Mäusen aber durchtrennt, konnte das Protein die Neuronen des Mittelhirns nicht mehr erreichen und die Parkinson-ähnlichen Symptome nahmen ab. Sollte sich das bei Parkinson-Patienten bestätigen, sei dies ein wichtiger Schritt für neue Ansätze zur frühzeitigen Diagnose und Therapie, sagte der Leiter der Studien, Francisco Pan-Montojo.

Rund drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind an Parkinson erkrankt, vor allem ältere Menschen. Vor allem Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten und Pestiziden ausgesetzt sind, erkranken daran. Die Erkrankung äußert sich in starren Muskeln, einem fast maskenhafter Gesichtsausdruck und zitternden Händen. Ursache ist das Absterben von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Mittelhirn.

Im fortgeschrittenen Stadium hilft nur ein Hirnschrittmacher

Gegen die zitternden Hände und die langsamen Bewegungen können die Ärzte heute schon einiges machen: In den ersten Jahren helfen Medikamente. Wenn die Krankheit weiter fortschreitet, werden seit mehr als zehn Jahren Hirnschrittmacher eingesetzt.

Über kleine Elektroden wird dann Strom in eine bestimmte Region im Gehirn geleitet - dadurch wird das Zittern der Hände sehr viel schwächer. Aber wenn die Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass ein Patient kaum noch laufen kann, stoßen die Ärzte noch an ihre Grenzen.

Quelle: dpa/oc
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