28.11.2012, 19:05

Genforschung Menschliches Erbgut verändert sich immer schneller

Foto: Marcus Brandt / picture alliance / dpa

Von Anja Garms

In den vergangenen 5000 bis 10.000 Jahren sind viele Mutationen in unser Genom eingeschrieben worden. Vor allem Europäer sind davon betroffen. Forscher erklären dies mit der Bevölkerungsstruktur

Das menschliche Erbgut hat sich in den vergangenen 5000 bis 10.000 Jahren erheblich verändert. In diesem Zeitraum tauchten unter anderem viele Mutationen in Genen auf, die möglicherweise zu Krankheiten führen, und zwar häufiger bei Europäern als bei Afrikanern.

Dies berichten US-Forscher im britischen Fachblatt "Nature". Sie vermuten, dass dies unter anderem mit dem schnellen Wachstum der europäischen Bevölkerung in dieser Zeit zusammenhängt, durch das eine wahre Flut von Mutationen entstanden sei.

Schädliche Varianten wurden noch nicht aussortiert

In dem aus evolutionärer Sicht sehr kurzen Zeitraum konnten schädliche Varianten bisher nicht aussortiert werden.

Die Forscher um Wenqing Fu von der Universität von Washington in Seattle hatten mehr als 15.000 Gene von über 6500 Amerikanern mit europäischen und afrikanischen Wurzeln sequenziert.

An mehr als einer Million Stellen im Erbgut entdeckten die Wissenschaftler Veränderungen einzelner Bausteine, sogenannte Einzel-Nukleotid-Varianten oder SNVs (single-nucleotid variants). Dann ermittelten die Wissenschaftler das Alter dieser Veränderungen.

"Gute" Gene werden auch vererbt

Etwa 73 Prozent der für Proteine codierenden Mutationen sind erst in den letzten 5000 bis 10.000 Jahren aufgetreten. Das ist eine sehr kurze Zeit in der Evolution des Menschen. 86 Prozent der Änderungen, die für Erbkrankheiten verantwortlich gemacht werden, traten in diesem Zeitfenster das erste Mal auf.

Möglicherweise dauere es noch eine Zeit, bis sich auch die "guten Gene", die die Menschen dafür wappnen, mit Erbkrankheiten klar zu kommen, in deutlichem Maße weitervererbt werden, schreiben die Wissenschaftler.

(dpa/ph)
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