Bremerhaven
Durch Wind und Wetter, Eis und Hitze an einem Tag
Noch wirkt das Klimahaus wie der sagenumwobene Planet Magrathea aus "Per Anhalter durch die Galaxis": Da werden Gegenden der Erde nachgebaut – samt adäquater Witterung. Ab Ende Juni erleben die Besucher in einer Ausstellung das Thema Klima mal mit ganz anderen Sinnen. Allerdings ist Winterschlaf – wie auf Magrathea – eher nicht vorgesehen.
Von Julia Spurzem
Sardinien gleicht derzeit noch einer Baustelle. Anders in der Antarktis: Hier ist es immerhin schon ganz schön kalt. Allerdings fehlt das Eis noch. Bis zur Eröffnung des Klimahauses in Bremerhaven am 27. Juni gibt es in den Ausstellungsräumen also noch viel zu tun. Noch wird gehämmert, gesägt und gebohrt, wo sich später einmal die Besucher auf eine Reise durch die verschiedenen Klimazonen der Welt begeben sollen und dabei mehr über Klima und Umwelt lernen sollen. Eine Ausstellung, die nach Angaben der Organisatoren weltweit einzigartig ist.
Die "Reise" des Besuchers startet in der Ausstellung am nachgebildeten Bremerhavener Bahnhof, Gleis 2. Von dort führt sie zunächst in die Schweiz, dann rund um die Erdkugel bis zur Hallig Langeneß.
An jeder der neun Stationen soll der Besucher mit all seinen Sinnen den Ort authentisch erleben: Schwitzend bei 35 Grad und von Fliegen umschwirrt in der Wüste der Sahelzone und frierend bei Minusgraden in der Antarktis, wo Eis an den Wänden klebt und Schnee umherwirbelt.
In begleitenden Filmen wird gezeigt, wie stark der Alltag der Menschen durch das jeweilige Klima bestimmt wird. Immer wieder kommen auch die Bewohner der jeweiligen Regionen in Einspielern und auf Texttafeln zu Wort, wie etwa Hedy und Werner Infanger aus Isenthal in der Schweiz. Sie vermitteln dem Besucher, wie das Leben als Bergbauer ist und wie sich der Klimawandel auswirkt. "Wir wollen damit Neugierde schaffen und die Funktionsweise von Klima und Wetter erklären", sagt der Sprecher des Klimahauses, Wolfgang Heumer.
Die Vorbereitungen waren entsprechend: Ein Jahr lang reiste ein Team des Klimahauses um die Welt, um die einzelnen Stationen besser kennenzulernen. Die Auswahl der Orte – neben Sardinien, der Schweiz, der Antarktis und Langeneß werden auch Kamerun, Niger, Samoa, Alaska und Bremerhaven präsentiert – erfolgte aufgrund der Lage auf dem Erdball. Alle liegen wie Bremerhaven entlang des achten östlichen Längengrades. "Damit haben wir eine logische Verbindung zwischen den einzelnen Klimazonen", sagt Heumer.
Etwa vier bis fünf Stunden, so rechnen die Betreiber, werden Besucher sich in dem Klimahaus durchschnittlich aufhalten. Die "Reise" von Ort zu Ort dürfte dabei am meisten Zeit beanspruchen. Hinzu kommen dann noch die anderen Bereiche, in denen die Gäste selbst Experimente rund um das Klima machen können oder ihnen Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, was sie gegen den zunehmenden Klimawandel machen können.
Neben Tagesbesuchern sollen die einzelnen Reisestationen auch von Firmen gemietet werden können. "Dann kann man schon mal den Chef in die Wüste schicken", erlaubt sich Heumer einen Kalauer. Oder aber man beobachtet zusammen mit Kollegen die Fische aus Samoa. Einmal im Monat wollen die Betreiber zudem eine kulinarische Weltreise organisieren und die Ausstellungsräume dazu abends öffnen.
Damit das überhaupt möglich wird, haben die Betreiber ein ehrgeiziges Ziel. 36 Stunden vor der Eröffnungsfeier, die am Donnerstag (25. Juni) stattfinden wird, sollen alle Bauarbeiten beendet sein.
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