27.11.12

Bunker-Ausstattung

Weltuntergang mit Dosenbrot und Chili con Carne

Je näher der prophezeite Weltuntergang rückt, desto mehr hat der Bunker-Ausstatter "Selbstschutzzentrum Seba" aus Österreich zu tun. Der Geschäftsführer sagt, was ins Überlebenspaket gehört.

Foto: dpa

Anhand der alten Aufzeichnungen des Maya-Kalenders wurde das Datum für den Weltuntergang auf den Zeitraum zwischen den 21. und 23. Dezember 2012 berechnet
Anhand der alten Aufzeichnungen des Maya-Kalenders wurde das Datum für den Weltuntergang auf den Zeitraum zwischen den 21. und 23. Dezember 2012 berechnet

Ob im arabischen Raum, in den Vereinigten Staaten, Europa oder in Deutschland – die Firma "Selbstschutzzentrum Seba" im österreichischen Gmunden stattet seit mehr als 30 Jahren Bunker und ihre Besitzer mit allem, was man zum Überleben braucht, aus. Je näher der 21. Dezember und damit der vom Maya-Kalender vorhergesagte Weltuntergang rückt, desto mehr wird derzeit bestellt.

Berliner Morgenpost: Herr Hillinger, wie viele angekündigte Weltuntergänge haben Sie schon in Ihren 30 Geschäftsjahren überlebt?

Karl Hillinger: Puh ... sicher so um die 15. Da gibt es ja so viele Gruppierungen. Es sind nur nicht alle Vorhersagen so prominent wie die des Maya-Kalenders. Ich erinnere mich noch an Astronomen, die einen gigantischen Vulkanausbruch prophezeit haben, der eine Asche-Wolke bis nach München und Dresden auslösen sollte. Oder die Umkehr der Pole.

Berliner Morgenpost: Bereiten Sie sich auch selbst auf den 21. Dezember vor?

Hillinger: Natürlich besitze ich auch einen Bunker. Aber ich glaube nicht, dass die Welt am 21. untergeht. Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass es in Panik zu Hamsterkäufen kommt und deshalb zu Engpässen. Deshalb verkaufen wir ja auch zum Beispiel Nahrungsvorräte, die man bis zu 20 Jahre lagern kann. Ich selbst bin eher auf Naturkatastrophen oder terroristische Anschläge vorbereitet. Oder auf Atom-Unglücke. Das halte ich für realistischer, wenn ich mitbekomme, in welch desolatem Zustand die Atomkraftwerke oder atomaren Endlager in Europa sind. Wenn die Welt untergeht, dann braucht man meiner Meinung nach auch keinen Bunker mehr.

Berliner Morgenpost: Haben Sie Kunden, die sich explizit auf den Weltuntergang vorbereiten?

Hillinger: Natürlich. Vor einigen Wochen hatten wir den Fall, dass ein Element nicht rechtzeitig zum 21. Dezember geliefert werden konnte. Da hat der Kunde gesagt: "Na, dann können wir es ja auch gleich lassen." Wir nehmen aber auch das ernst, wir verkaufen seriöse Produkte. Die Nachfrage steigt aber schon seit drei, vier Jahren kontinuierlich. Krisenzeiten bedeutet für uns immer Hochkonjunktur.

Berliner Morgenpost: Inwiefern?

Hillinger: Wenn die Leute glücklich sind und Reisen buchen, dann stehen unsere Produkte ganz am Ende. Aber momentan haben die Leute wirklich Existenzangst, es herrscht eine allgemeine Verunsicherung durch die Wirtschafts- und Euro-Krise. Deshalb machen sich die Menschen mehr Gedanken darüber, wie sie Vorsorge treffen können. Wir merken das schon, wenn der Benzinpreis nach oben geht. Nach der Explosion des Atomkraftwerks Fukushima in Japan zum Beispiel hätte ich 2000 bis 3000 Strahlenmessgeräte verkaufen können. Aber der Hersteller hätte nicht mal mehr zwei liefern können, so leer waren die Lager, ausverkauft. Es gab Lieferzeiten von bis zu anderthalb Jahren.

Berliner Morgenpost: Das heißt, wenn man sich einen Bunker anschaffen will, dann in guten Zeiten?

Hillinger: Richtig. Dann bekommen sie auch noch alles.

Berliner Morgenpost: Kann man noch für den möglichen Weltuntergang am 21. Dezember vorsorgen?

Hillinger: In knapp vier Wochen? Da wird man schon irrsinnige Schwierigkeiten haben, alles zu bekommen. Jetzt wird es von Woche zu Woche schlimmer.

Berliner Morgenpost: Welches Ihrer mehr als 1000 Produkte verkauft sich zurzeit am besten?

Hillinger: Luftfilteranlagen gefolgt von Langzeitnahrungsmitteln, vor allem das 90-Tage-Paket. Das sind dehydrierte Lebensmittel oder Gerichte, denen mehr als 90 Prozent des Wassers entzogen wurde. In den Dosen kann man sie sehr lange lagern. Um sie zu essen, muss man nur wieder Wasser hinzufügen und das ganze aufkochen.

Berliner Morgenpost: Schmeckt das auch?

Hillinger: Sicher. Wir lassen alles selbst bei Lebensmittelherstellern nach unserem Rezept produzieren. Da gibt's alles, was man sonst auch isst – Kirchererbseneintopf, Chili con Carne, Nudeln mit Tomatensauce, Mousse au Chocolat, Butterpulver, Volleipulver, Energieriegel und vieles mehr.

Berliner Morgenpost: Und welches ist Ihr Lieblingsprodukt?

Hillinger: Definitiv das Dosenbrot, das ist ein Renner. Dieses Roggenvollkornbrot schmeckt einfach gut. Ist auch ideal für Expeditionsreisen, zum Beispiel nach Burma oder Laos. Das Brot kaufen sogar Hotels in den Alpen für den Fall, dass sie einschneien. Da merken Sie als Gast keinen Unterschied.

Berliner Morgenpost: Was würden Sie jemandem raten, der auf den allerletzten Drücker seinen Bunker einrichten möchte?

Hillinger: Schwierig zu sagen. Das hängt davon ab, wo er den Bunker einrichten will, also ob in einem bestehenden Keller eine Filteranlage installiert werden kann oder ob es einen Neubau gibt, bei dem das Fundament, die Decke und die Wände ganz mit Beton ausgegossen werden sollten. Grundsätzlich sollte die Fäkalienentsorgung und die Energieversorgung bedacht werden, Liegen müssen rein, Vorratsräume sind notwendig.

Berliner Morgenpost: Wie viel müsste man für einen guten Bunker investieren, sagen wir als kleine Familie?

Hillinger: Es fängt an mit der Filteranlage bei 4000 Euro. Und endet oben bei etwa 20.000 Euro, wenn man richtig versorgt sein will. Aber ich habe schon Bunker für mehrere hunderttausend Euro eingerichtet, zum Beispiel im arabischen Raum. Dort ist man sensibler geworden, seitdem die Gefahren durch Al-Qaida zunehmen.

Berliner Morgenpost: Woran sollte man im Ernstfall als Erstes denken bei der Versorgung?

Hillinger: Wasser, also trinkbares Wasser. Darum machen sich die Menschen häufig am wenigsten Gedanken. Meiner Meinung nach wird die Trinkwasserversorgung in den kommenden Jahren allgemein ein Problem werden – und zwar nicht nur wegen eines möglichen Weltuntergangs. Es gibt mittlerweile Wasser, das man fünf Jahre bevorraten kann.

Berliner Morgenpost: Haben Sie denn auch Beruhigungstabletten im Angebot?

Hillinger: Nein. Die ärztliche Vorsorge übernehmen Ärzte und Apotheken. Das gibt es bei uns nicht, weil wir dafür gar nicht die Konzession besitzen.

Berliner Morgenpost: Und was werden Sie am 21. Dezember machen?

Hillinger:Ich werde definitiv nicht in meinem Bunker sitzen, sondern unser Familienfest vorbereiten. Ich bin mir nämlich sicher: Die Welt wird nicht untergehen.

Mehr Informationen unter SEBA Selbstschutzzentrum Gmunden Ges.m.b.H.

Foto: DPA

Nachfahren der Maya zelebrieren am 21. Dezember an der Pyramide in Chichén Itzá das neue Jahr nach dem Mayakalender. Der endet nun doch nicht Ende 2012 – womit der Weltuntergang abgesagt ist.

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