24.11.12

Spielen auf zwei Displays

Die neue Nintendo Wii U im Test.


Das Gamepad dient als Second Screen
Das Gamepad dient als Second Screen

Eine ganz neue Art des Daddelns verspricht Nintendo mit seiner Wii U, die am 30. November in den deutschen Handel kommt. Um dies umzusetzen, steckt im vom Händler gelieferten Paket nicht nur die übliche Konsole. Es gibt als Ergänzung noch ein Gamepad. Die Konsole ist ein ziemlich großer Brocken, der mit einer Breite von mehr als 17 Zentimetern nicht mehr auf jeden Fernsehtisch passen dürfte.

Technisch ist die beim Betrieb nur leicht brummende Maschine bestens ausgestattet. Vorn sind zwei USB-Buchsen sowie ein Slot für SD-Speicherkarten integriert. Manchen mag das die ansonsten schlichte Optik des Geräts verhageln, zumindest aber sind die Anschlüsse so leicht zugänglich. Über die Buchsen lässt sich der interne Speicher erweitern.

Die Premiumversion hat 32 Gigabyte und kostet 350 Euro

Hinten am Gehäuse sind unter anderem zwei weitere USB-Buchsen sowie ein HDMI-Anschluss versteckt. Tatsächlich bietet Nintendo erstmals eine HDMI-Verbindung an, die hochauflösende Videobilder zum Fernseher schickt. Nicht möglich ist es jedoch, eigenes Videomaterial über die Wii U abzuspielen – weder über externe Speicher noch als Blu-Ray. Das ist schwach und ein klarer Minuspunkt im Vergleich zu den Konkurrenten Xbox und Playstation.

Die Premiumversion kostet knapp 350 Euro und bietet mit 32 Gigabyte mehr Speicherplatz als der "Basic Pack" (acht Gigabyte), zudem eine Ladestation für das Gamepad und als beigelegtes Spiel "Nintendo Land". Da die Wii U komplett abwärtskompatibel zur bisherigen Wii ist, lassen sich aber auch die alten Spiele einsetzen.

Ein fünfjähriges Kind kann das Gamepad nicht bedienen

Kernstück der Wii U ist das Gamepad. Es wiegt weniger als 500 Gramm und fühlt sich an wie ein nicht sehr hochwertiges Kinderspielzeug. Wobei im Test ein fünfjähriges Kind mit dem für kleine Hände zu sperrigen 26 Zentimeter breiten Daddel-Tablet nicht umgehen konnte.

Was zudem schon nach wenigen Minuten auffällt: Das anfangs glänzende Gehäuse nimmt jeden Fingerabdruck auf und hält jedes durch den Raum wirbelnde Staubkorn fest.

Technisch ist das Gamepad bestens bestückt: mit Mikrofon, Frontkamera und Stereolautsprechern, mit Beschleunigungssensoren und einem Gyroskop, das die Lage des Geräts erfasst. Dazu gibt es eine Infrarotschnittstelle sowie einen NFC-Chip, der sich allerdings wegen fehlender Anwendungen nicht sinnvoll einsetzen lässt.

Das System ist bei einigen Anwendungen quälend langsam

Alle Tasten sind gut auf dem griffigen Gamepad erreichbar und lassen sich geschmeidig bedienen. Nur bei den vier Action-Tasten irritiert die seltsame Anordnung: Das A zum Beispiel liegt rechts neben dem B. Intuitiv müsste es andersherum sein. Beim schnellen Daddeln führt das zu unnötigen Steuerungsfehlern. Was schwerer wiegt: Das System ist bei einigen Anwendungen quälend langsam. Wer in die Systemeinstellungen geht und wieder zum Hauptmenü zurückkehrt, muss fast 15 Sekunden warten. Manche Spiele brauchen mehr als eine halbe Minute zum Laden. Das geht bei anderen Spielekonsolen deutlich schneller.

Das 16-Zentimeter-Display ist mit seinen gar nicht so spektakulären 854 mal 480 Pixeln Auflösung sehr gut. Aufgrund seiner Größe ist es nicht einfach, per Daumen alle Bereiche auf dem Bildschirm zu erreichen. Bedienfehler durch versehentliche Fingertipps dürften jedoch kaum vorkommen: Man muss schon sehr fest drücken und stramm ziehen, um die Spielfiguren zu steuern. Der Touchscreen gehört nicht zu den berührungsempfindlichsten.

Das Gamepad zeigt bei einigen Spielen zusätzliche Informationen

Interessant und gleichzeitig verwirrend ist das Zusammenspiel mit dem Fernseher. Bei einigen Spielen zeigt der TV-Monitor die Action, das Gamepad liefert dazu einige – wie beim Spiel "ZombiU" recht nützliche – Informationen, zeigt aber nicht das Spielgeschehen. Bei anderen Spielen zeigen beide Displays das gleiche Bild. Es ist oft nicht sofort klar, welches der Hauptbildschirm ist, man blickt ständig zwischen beiden hin und her.

Praktisch ist aber, dass sich das Gamepad auch ohne Fernseher als Daddelmaschine nutzen lässt. So können die anderen Familienmitglieder parallel zur Spielesession ihr TV-Programm einschalten. Die WLAN-Verbindung reichte im Test mehr als acht Meter weit. Die Konsole schickte zudem noch in den Nebenraum einwandfreie Bilder in erstaunlich hoher Qualität auf das Gamepad.

Spielspaß mit cleverem Konzept

Nach etwas mehr als drei Stunden Daddeln war allerdings Schluss, da der Akku dann leer gespielt war. Das ist schade, zumal einige Spiele zum längeren Daddeln einladen. "Super Mario" in HD ist brillant und ein echtes Highlight. Für Gelegenheitsspieler ist "Nintendo Land" spannend und aufregend. In den darin enthaltenen zwölf Mini-Games lässt sich die Technik im Gamepad bestens ausreizen: Bei den Abwärtsfahrten mit einer Lore, bei einer Schnitzeljagd oder beim Steuern von Rennautos zum Beispiel kommen Gyroskop und Sensoren zum Einsatz. Dazu liefert die Frontkamera überraschende Bilder für den TV-Bildschirm – was vor allem Kindern viel Spaß macht.

Die weiteren Funktionen der Wii U ließen sich noch nicht testen, sie stehen erst zum Verkaufsstart oder später als Online-Update zur Verfügung. Dazu gehört mit dem Dienst Miiverse eine A rt Facebook für Gamer. Auch die derzeit angenehm übersichtliche Bedienoberfläche wird noch angepasst. Es ist schon ein wenig befremdlich, dass die Konsole unfertig auf den Markt kommt, nur damit Nintendo das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen kann.

Clever ist aber das Konzept, das hinter der Online-Fähigkeit und dem gut abgestimmten Zusammenspiel mit dem Fernseher steckt: Kunden können das Gamepad statt eines Tablets als Second Screen und Multimedia-Zentrale im Wohnzimmer einsetzen. Schon jetzt ist es über die eingebaute Infrarot-Schnittstelle möglich, TV-Programme zu wechseln, sich einen elektronischen Programmführer aufzurufen und die Lautstärke zu regulieren. Wer dann in einer Werbepause Lust verspürt, ein wenig zu daddeln, hat das passende Gerät schon in der Hand – und kann sich online gleich ein neues Spiel kaufen.

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