16.11.12

Müritz

CDU will heimische Wölfe zur Jagd freigeben

Der Wolf ist gerade dabei, in Deutschland wieder heimisch zu werden: Doch nach der jüngsten Attacke an der Müritz rüsten Wolfsgegner zum Gefecht – die Raubtiere sollen zum Abschuss freigegeben werden.

Foto: dpa/getty
Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern will Wölfe wieder zum Abschuss freigeben und bringt damit Naturschützer gegen sich auf. Anlass für die neuerliche Debatte ist der Angriff eines Wolfes auf eine Schafherde in der Müritz-Region
Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern will Wölfe wieder zum Abschuss freigeben und bringt damit Naturschützer gegen sich auf. Anlass für die neuerliche Debatte ist der Angriff eines Wolfes auf eine Schafherde in der Müritz-Region

Nach der jüngsten Wolfsattacke an der Müritz könnte die Stimmung gegen das heimkehrende Raubtier kippen. Der Landesbauernverband und die CDU-Landtagsabgeordnete Beate Schlupp schlugen jetzt vor, die Jagd auf Wölfe freizugeben. Bislang sind Wölfe in Deutschland streng geschützt. Jahrzehntelang waren sie hierzulande ausgerottet, langsam siedeln sie sich wieder an.

Ein Wolf hatte in der Nacht zum Dienstag bei Röbel eine Herde von 40 Schafen auf einem umzäunten Gelände angegriffen und zehn Tiere getötet. Das Agrarministerium kündigte einen Ausgleich für den Tierhalter an. In der Region hat es bereits mehrere Wolfsattacken auf Weidetiere gegeben.

Der jüngste Übergriff zeige, dass ein Miteinander von Wolf und Nutztierhaltung in einem besiedelten Kulturraum wie Mecklenburg-Vorpommern zwangsläufig zu Konflikten führe, erklärte Schlupp in Schwerin. Sollten sich Wölfe im Nordosten in größerer Zahl etablieren, werde die Tierhaltung im Freiland kaum noch möglich sein.

Ausgleichszahlungen nicht ausreichend

Die knappen Haushaltsmittel zum Ausgleich von Ertrags- und Nutzungsausfällen durch den Artenschutz seien schon jetzt nicht ausreichend, mahnte Schlupp. Mecklenburg-Vorpommern hat bisher rund 40.000 Euro für von Wölfen getötete Tiere und bessere Zäune gezahlt, in Brandenburg wurden bisher 270.000 Euro dafür aufgebracht.

Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl kritisierte, dass betroffene Tierhalter gegenwärtig keinen Rechtsanspruch auf die vorsorgliche Beschaffung von Zäunen hätten. Unklar sei auch die Entschädigung, wenn die im Haushalt eingestellten Gelder bei häufigeren Schadensfällen nicht ausreichten.

Vermehrung der Raubtiere befürchtet

Tietböhl befürchtet eine Vermehrung der Wölfe im Nordosten. In Schweden habe sich die Zahl der Übergriffe dieser Raubtiere von 50 im Jahr 1997 auf 450 im Jahr 2011 fast verzehnfacht. "Diese Entwicklung droht uns auch, zumal der Wolf keine natürlichen Feinde hat", sagte Tietböhl.

Die Umweltorganisation WWF warnte indes vor einer neuerlichen Jagd auf Wölfe und nannte den CDU-Vorstoß "absolut unverständlich". Ein Sprecher sagte: "Wenn wir die Natur schützen wollen, dann gehört der Wolf einfach dazu. Natürlich wissen wir, dass es zu Konflikten kommen kann, gerade mit Schafherden." Deshalb befürworte der WWF auch Ausgleichszahlungen für Tierhalter.

WWF stellt Notfallausrüstungen zur Verfügung

Die Organisation stellt außerdem zusammen mit dem Umweltministerium den Schäfern Notfallausrüstungen mit Elektrozäunen zur Verfügung.

Der WWF widersprach der CDU-Darstellung, wonach Naturschützer ebenfalls für den Abschuss der Wölfe seien. "Alle großen Naturschutzverbände sind gegen die Jagd auf den Wolf", betonte der Sprecher. Die CDU hatte sich auf eine lokale Gruppe in der Müritz-Region berufen.

Wölfe waren in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts komplett verschwunden, weil sie von Menschen gnadenlos gejagt wurden. Seit wenigen Jahren siedeln sich die inzwischen geschützten Tiere jedoch wieder an.

In der Ueckermünder Heide, der Lübtheener Heide, in der Kyritz-Ruppiner Heide und im Müritz-Nationalpark wurden laut Umweltministerium drei Einzeltiere nachgewiesen.

Quelle: dpa/dapd/oc
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