15.11.12

Alkohol

Trinken in der Schwangerschaft hat schwere Folgen

Schwangere, die Alkohol trinken, schädigen ihre Kinder für das ganze Leben. Ärzte stufen das Trinken bei werdenden Müttern als schwerste Kindesmisshandlung ein. Meist hat es Folgen.

Foto: dpa

Wer während der Schwangerschaft Alkohol trinkt, ist bei seinem Kind für langfristige Schäden verantwortlich
Wer während der Schwangerschaft Alkohol trinkt, ist bei seinem Kind für langfristige Schäden verantwortlich

Etwa 4000 Kinder kommen in Deutschland pro Jahr alkoholgeschädigt zur Welt, weil ihre Mütter in der Schwangerschaft trinken.

"Die Schädigung durch Alkohol im Mutterleib ist die häufigste angeborene Schädigung überhaupt", sagte der Arzt Hans-Ludwig Spohr, Professor an der Berliner Charité, am Donnerstag auf der 6. Landeskinderschutzkonferenz in Rostock.

Die Kinder seien im Wachstum, im Verhalten und in der Intelligenz gestört. "Trinken in der Schwangerschaft ist die schwerste Misshandlung, die man einem Kind zufügen kann", sagte Spohr. Zugleich seien die Schädigungen durch Alkohol die einzigen, die sich absolut vermeiden ließen. In Deutschland werden jährlich rund 600.000 Kinder geboren.

Spohr zufolge sieht man nur einem geringen Teil der Kinder die Alkoholschädigung an dem typischen Gesicht und dem zu kleinen Kopf an. "Sie sind nur die Spitze des Eisbergs", meinte er.

Die anderen Kinder würden in der Schule oft gehänselt, sie seien unruhig und hyperaktiv. Oft würden sie aus ihren Familien herausgenommen und in Pflegefamilien gegeben, die mit den Kindern ebenfalls schwer zurechtkämen.

Spohr sieht als Lösung nur mehr Aufklärung für werdende Mütter. "Man kann zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft aufhören zu trinken", meinte er. Ansonsten habe die Gesellschaft nur geringe Möglichkeiten einzugreifen.

Hilfe anbieten

Der Professor für Sozialpädagogik an der Hochschule Neubrandenburg, Matthias Müller, sieht Chancen in den frühen Hilfen und Netzwerken all derer, die mit Kindern zu tun haben. Einer trinkenden Schwangeren müsse Hilfe angeboten werden, etwa durch eine Familienhebamme, Ärzte oder Sozialarbeiter. "Aber so, dass die Frau denkt: Gut, dass die mir helfen."

Vor allem aber müssten mit Hilfe der Netzwerke aus Vertretern von Justiz, Polizei, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Kinder- und Jugendhilfe familienfreundliche Strukturen geschaffen werden.

Netzwerke kosten Müller zufolge Arbeitszeit und damit Geld. Bei lohnenden Kooperationen gehe es nicht darum, die eigene Position durchzusetzen, sondern darum, die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten gewinnbringend zu bündeln und umzusetzen.

Nach Ansicht von Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hat sich in Mecklenburg-Vorpommern schon eine Kultur des Hinschauens statt des Wegsehens entwickelt. "Bei uns im Land gibt es ein funktionierendes Netzwerk zwischen den Akteuren, die zum Wohl der Kinder handeln", sagte sie.

Wichtig sei, dass die einzelnen Beteiligten die Verfahrens- und Vorgehensweise der anderen Partner kennen. Das Land fördere verschiedene Projekte zum Kinderschutz.

Quelle: dpa/fp
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