12.11.12

Google-Doodle

Auguste Rodin, Obelix und die Kunst des Denkens

Mit seinen Plastiken hat Auguste Rodin nicht nur Kunstgeschichte geschrieben, sondern auch die Pop-Kultur nachhaltig beeinflusst. Zu seinem Geburtstag ehrt Google den Franzosen mit einem Doodle.

Foto: picture-alliance / akg-images

Auguste Rodin im Jahr 1905 in Meudon, wo er einen Kreis von jungen Künstlern und Schriftstellern um sich sammelte.

7 Bilder

In der "Großen Überfahrt" (1975), einem der letzten Asterix-Bände, an denen noch René Goscinny mitwirkte, wird Asterix von Indianern entführt. Obelix muss etwas tun, was er nicht so gut kann: denken. Den Kopf auf die Rechte gestützt, die Augen geschlossen, versucht es Obelix mit aller Macht. Weißer Rauch steigt derweil aus seinen Ohren auf. Es fällt nicht schwer, in der Pose einen anderen Denker zu erkennen: die Plastik "Der Denker" von Auguste Rodin. Zu seinem 172. Geburtstag am 12. November 18140 ehrt die Suchmaschine Google den Bildhauer mit einem Doodle.

Dass Goscinny & Uderzo Obelix eine der berühmtesten Darstellungen der Kunstgeschichte verpassten, hat durchaus seine Richtigkeit. Die Plastik, deren erste Version 1882 fertiggestellt worden war, hat Rodin nicht etwa nach einem Philosophen, sondern nach Jean Baud modelliert. Der war Berufsboxer und in der Regel im Jahrmarkt- und Rotlicht-Milieu engagiert. Allerdings sollte die Gestalt des Denkers eine Hommage an Dante Alighieri sein, den Dichter der "Göttlichen Komödie" – was wiederum zu einer Hauptperson des Asterix-Universums durchaus passen dürfte.

Soviel Freizügigkeit war typisch für Auguste Rodin. Der Sohn aus einer konservativen französischen Beamtenfamilie entschied sich früh für ein unkonventionelles Leben. Schon mit 13 Jahren stand für ihn fest, dass er Bildhauer werden wollte. Dreimal bewarb er sich um Aufnahme an der berühmten École nationale supérieure des beaux-arts in Paris. Dreimal wurde er abgewiesen. Also beschloss er, ohne akademische Ausbildung seinen Weg zu gehen.

Zahlreiche Abgüsse, über die Welt verstreut

Reisen und Frauen wurden dabei entscheidende Hilfen. In Italien studierte Rodin die Werke der Antike und der großen Renaissance-Künstler, allen vorweg Michelangelos. In der Malerin und Bildhauerin Camille Claudel fand er ein hinreißendes Modell, das seine Muse und Geliebte wurde. Später wurde die Malerin Gwen John ihre Nachfolgerin. Ein Vertrag mit der Porzellanmanufaktur in Sèvres versorgte Rodin mit sicheren Einkünften.

Und natürlich seine Werke, von denen bald zahlreiche Versionen entstanden – allein vom "Denker" sind 20 Bronze- und Gipsabgüsse Rodins über die Welt verstreut. Während die Kunstgeschichte Rodin als bedeutendsten Bildhauer des Impressionismus feiert, verstand er sich selbst als Mittler zwischen "Gestern und Morgen". Nie ließ er seine großen Vorbilder, Michelangelo oder Donatello, aus den Augen. Ja er ging soweit, die stilistische Form des Non-Finito, des Unvollendetlassens, die bei Michelangelo oft wirtschaftlich begründet war, zum Kennzeichen vieler Plastiken zu machen.

"Das Denkmal der Bürger von Calais" (1884), "Die Toilette der Venus" (1885) oder "Der Kuss" (1886) gehören zu den populärsten Skulpturen der Moderne. Doch anders als im Fall Van Goghs, der bekanntlich zu Lebzeiten kein Bild verkaufte, war das schon Rodins Zeitgenossen klar. 1894 schrieb ihm der Kritiker Octave Mirbeau: "Sie sind es, der in unserem Jahrhundert die glorreichste, die vollendetste Verkörperung der plastischen Kunst darstellt."

Der Museumsdirektor verlor seine Stellung

Soviel Erkenntnis hat Skandale nicht verhindert. Als das Panthéon in Paris Rodin den Auftrag gab, eine Skulptur Victor Hugos zu schaffen, zeigte der Künstler den Dichter nackt. Die Auftraggeber waren entsetzt und verzichteten auf das Kunstwerk.

Ähnlich erging es einer Ausstellung mit höchst erotischen Zeichnungen, die 1906 im großherzoglichen Museum in Weimar gezeigt wurden. Sein Direktor, Harry Graf Kessler, musste daraufhin seinen Hut nehmen. Da half aller Ruhm Rodins nicht. Bei der Weltausstellung in Paris 1900 waren im "Pavillon Rodin" 171 seiner Werke gezeigt worden.

"Der Denker" hat es bis nach Hollywood geschafft. In dem Film "Nachts im Museum 2" (2009) trifft Larry Daley alias Ben Stiller auf einen Abguss der berühmten Figur, die auf einmal zum Leben erwacht: "Ich denke … ich denke … ich denke", ist der treffende Kommentar zu der kruden Story.

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