11.11.12

Religion

Warum am 11. November der Martinstag gefeiert wird

Wer war der Heilige Martin? Und was hat das alles mit der Martinsgans zu tun, die heute bei vielen auf den Tisch kommt?

Foto: dapd

Ein als Heiliger Martin verkleideter Reiter posiert beim traditionellen Freisinger Martinszug in Geierlambach
Ein als Heiliger Martin verkleideter Reiter posiert beim traditionellen Freisinger Martinszug in Geierlambach

Christen feiern am 11. November Sankt Martin als Schutzpatron der Armen. Der Legende nach teilte er als römischer Soldat seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Daraufhin erschien ihm der mit einem halben Mantel bekleidete Jesus.

Martins Tat wurde zum Sinnbild der Barmherzigkeit und Nächstenliebe. 372 wurde er Bischof von Tours und bald nach seinem Tod 397 heiliggesprochen. Nach der Reformation blieb der Martinstag auch in protestantischen Gebieten erhalten.

Die Verehrung des Heiligen wurde dort auf den an einem 10. November geborenen Martin Luther übertragen. Der Reformator (1483-1546) wurde am Martinstag getauft.

Das Brauchtum zum 11. November ist mit Laternenumzug, Martinsritt und Martinsgans lebendig.

Wer Martin von Tours war

Martin von Tours gilt als einer der ersten, der nicht wegen eines Märtyrertodes, sondern aufgrund seiner Lebensführung heiliggesprochen wurde.

Martin lebte im vierten Jahrhundert nach Christus. Geboren wurde er wahrscheinlich 316 oder 317. Im Jahr 397 starb er im hohen Alter und wurde in der Kathedrale von Tours beigesetzt.

Als junger Mann trat er in die römische Armee ein. Die bekannteste Legende zu Sankt Martin spielt in dieser Zeit. So soll er einst im Winter einen armen Mann getroffen haben. Der Soldat Martin habe dem Bettler helfen wollen. Darum habe er seinen Mantel mit seinem Schwert in zwei Teile geschnitten und ein Stück dem frierenden Mann gegeben. Wenig später soll ihm Jesus im Traum erschienen sein und sich als der Bettler zu erkennen gegeben haben.

Der Erzählung nach ließ sich Martin danach christlich taufen, wurde Priester, lebte als Eremit und gründete Kloster. 372 wurde Martin schließlich zum Bischof von Tours geweiht.

Martin von Tours nimmt bis heute eine wichtige Rolle in der katholischen Tradition ein. So ist sein Grab eine bedeutende Wallfahrtsstätte. Traditionell wird ihm am 11. November gedacht.

Was hat das mit der Martinsgans zu tun?

Traditionell kommt am 11. November auch die Martinsgans auf den Tisch. Doch was hat das Federvieh mit dem Heiligen Martin zu tun? Dafür gibt es verschiedene mögliche Erklärungen.

Zum einen soll sich Martin von Tours aus Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben, als er zum Bischof geweiht werden sollte. Das laute Geschnatter der Gänse verriet jedoch seinen Aufenthaltsort und er wurde entdeckt. Seit diesem Tag gilt Bischof Martin von Tours als Schutzpatron der Gänsezucht.

Mit dem Martinstag am heutigen Sonntag beginnt in Deutschland zudem traditionell die Saison der Gänseschlachtungen.

Eine andere Herkunft des Festessens wird darin gesehen, dass am 11. November die 40-tägige vorweihnachtliche Fastenzeit beginnt, in der fettes Essen tabu ist. Überdies war der 11. November früher jener Termin, an dem die Bauern ihren Lehnherren die fällige Pacht zahlen mussten. Da im Mittelalter sehr oft Naturalien das Geld ersetzten, beglichen die Schuldner in vielen Fällen ihre Pacht mit einer Gans.

Zum Gedenktag zeigen viele Bereitschaft zum Teilen

Heute schon geteilt? Die Frage ist in der Zeit um den Martinstag am 11. November vielerorts zu hören. In Kirchengemeinden werden Speisen gereicht und symbolisch in der Mitte getrennt. Kinder ziehen singend mit Laternen durch die Straßen. Manche Umzüge begleitet ein Reiter, der den heiligen Martin darstellt. In Kindergärten und Schulen werden Martinsfeuer entzündet.

Bis heute erinnert die Tat des jungen Soldaten daran, Bedürftigen Zuwendung zu schenken und mit ihnen zu teilen. Doch wie sieht es jenseits des Martinstags damit aus? Haben Finanzkrise und die wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen die Solidarität und Spendenbereitschaft der Deutschen geschmälert?

Keineswegs, wie Hilfsorganisationen konstatieren. "Wir haben seit 2008 keinen Einbruch im Spendenverhalten gespürt", stellt der Pressesprecher des katholischen Hilfswerks Caritas international, Achim Reinke, fest. "Spender reagieren bei Weitem nicht so nervös wie Börsianer. Teilen funktioniert eben nicht aus Rentabilitätsgründen."

Das bestätigt das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt. "Das Spendenverhalten blieb von der Finanzkrise unberührt", sagt der Leiter für Öffentlichkeitsarbeit, Dieter Pool. 2011 sei die Zahl der Spender im Vergleich zum Vorjahr zwar gesunken, dafür die durchschnittliche Spendenhöhe aber gestiegen. Das evangelische Hilfswerk nimmt den Angaben zufolge jährlich zwischen 55 und 65 Millionen Euro Spenden ein, exklusive der Spenden für die Katastrophenhilfe. Caritas international verzeichnete in "katastrophenarmen Jahren" wie 2008 und 2009 den Angaben zufolge 16 beziehungsweise 14 Millionen Euro an Spenden.

500 Schlafsäcke – die größte Sachspende seit Jahren

Auch auf lokaler Ebene ist die Spendenbereitschaft ungebrochen. Die Berliner Stadtmission stellte in den vergangenen drei Jahren sogar einen leichten Aufwärtstrend fest. Insbesondere im Bereich Sachspenden sei die Bereitschaft der Berliner "unheimlich groß", betont Sprecherin Andrea Kuper. Die evangelische Einrichtung zählt im Jahr rund 33.000 Übernachtungen Wohnungsloser. Vor allem im Winter erhalte die Stadtmission großzügige Unterstützung aus der Bevölkerung.

"Menschen bringen Kleidung, Schlafsäcke und Schuhe vorbei", berichtet Kuper. "Nach einem Fernsehbeitrag, in dem wir um Schlafsäcke gebeten hatten, erhielten wir allein von einer Familie aus dem Ausland 500 Schlafsäcke", erzählt der Leiter der zur Stadtmission gehörenden Bahnhofsmission Berlin Zoologischer Garten, Dieter Puhl. Dies sei die größte Sachspende seit Jahren gewesen. Die Bahnhofsmission bietet täglich 600 Menschen unter anderem Essen und einen Schlafplatz.

Quelle: dpa/dapd/sei
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