10.11.12

Innovationen

Zwei Schenkel aus Holz und ein Metallgürtel

Es gibt Dinge, die kann man nicht verbessern. Zu ihnen gehört eine Erfindung, für die viele Väter genannt werden: die Wäscheklammer. Ein David Smith meldete sie 1853 zum Patent an.

Von Céline Lauer
Foto: picture alliance

Sie hat es in Museen geschafft, ins Liedgut und in Lexika: Die Wäscheklammer gehört zu den erfolgreichsten Erfindungen der Menschheit
Sie hat es in Museen geschafft, ins Liedgut und in Lexika: Die Wäscheklammer gehört zu den erfolgreichsten Erfindungen der Menschheit

Schon lange vor Steve Jobs wurde etwas erfunden, das in Sachen Konstruktion, Design und Funktionalität schlicht nicht mehr besser hinzukriegen ist: die Wäscheklammer. Seit Jahrhunderten hält sie Laken und Schlüpfer auf der Leine, dabei waren vom Protoyp bis zur heutigen Version kaum Updates nötig; zudem verbreitete sie sich in alle Ecken der Erde, auch dorthin, wo man sicher noch nie etwas von Technikspielzeug mit Apfellogo gehört hat.

Und wenn schon kein Kult-, so ist sie zumindest doch ein Kunstobjekt: Wäscheklammern dienten bereits als Museumsexponate, in der Ausstellung "Heimliche Helden" etwa oder als Inventar des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig; den Centre Square von Philadelphia schmückt eine 140 Meter hohe stählerne Wäscheklammer-Skulptur des US-amerikanischen Bildhauers Claes Oldenburg; und auf einem Friedhof in Middlesex, Vermont, findet sich gar eine Wäscheklammer aus Granit – der Grabstein markiert die letzte Ruhestätte eines, nun ja, Wäscheklammerfabrikanten.

Das definitive Denkmal aber setzte ihr 1971 das deutsche Liedermacher-Duo Schobert & Black mit seinem Werk "Die Wäscheklammer", zu den Klängen von Beethovens Fünfter: "Und so geschah's, dass Gottelieb Victor / Op den Brecht, Op den Brecht / In einem Anfall geist'ger Größ und Macht / Der ganzen Welt die Wäscheklammer hat gebracht / Die einem Wäscher große Linderung verschafft – dank ihrer Kraft!

Handgeschnitzte Modelle im Museum

Tatsächlich treffen die Sänger mit ihrer Huldigung an Gottlieb Victor Op den Brecht einen wunden Punkt in der Geschichtsschreibung. Denn bis heute konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, wer für die allererste Ausführung, sozusagen die Urmutter aller Wäscheklammern, verantwortlich zeichnet. Die bestand aus einem einfachen Stück Holz, in der Mitte gespalten und bisweilen am oberen Ende mit einem Stück Schnur stabilisiert – ähnliche handgeschnitzte Modelle aus den 1930er-Jahren lassen sich in oben genanntem Leipziger Museum besichtigen.

Doch wer war nun dieser ominöse Op den Brecht? Ein Landsmann, behaupten die Franzosen im entsprechenden Eintrag eines Online-Lexikons. Allerdings konnten sie sich bislang nicht einigen, ob der geistige Vater nun Jérémie-Victor Opdebec, Victor Obdebeque, Victor Gottlieb Obdenbrecht, Jérémie Holtebeck oder Jules Edouard Op de Beeck hieß. Bei dieser Verwirrung sei dahingestellt, ob der gute Mann mit den vielen Namen auch außerhalb der Dichtung existierte.

Historisch gesichert hingegen ist der Erfinder der heutigen Wäscheklammer, also des Modells mit zwei länglichen Holzschenkeln und einer metallenen Feder in der Mitte – denn der war clever genug, anno 1853 ein Patent darauf anzumelden: David M. Smith aus Springfield, Vermont. Wesentlich mehr ist leider auch von ihm nicht überliefert, aber zumindest konnten die Kollegen von der "New York Times" noch einige weitere Erfindungen von ihm ausfindig machen, darunter ein Kombinationsschloss und eine Hubfeder für Streichholzschachteln. Angesichts dessen dürfte die Wäscheklammer unbestritten sein größter Wurf sein.

Erfindung der Schenkelfeder

Das zeigt auch die Zahl der Nachahmer: Allein bis 1900 wurden in den Vereinigten Staaten rund 150 Patente für neue Modelle vergeben. Wirklich verdient machte sich Smiths' kongenialer Erfinderkollege Solon E. Moore um die Klammer, als er kurzerhand die elegante Schenkelfeder aus einem einzigen Stück Draht zwischen das Holz setzte.

Die letzte große Veränderung kam mit der Einführung der quietschbunten Plastikwäscheklammern Anfang der 70er-Jahre, die ihre umweltfreundlichen Vorgänger aus Birkenholz beinahe zu verdrängen drohten – nicht weil sie besser klammern, sondern weil sie billiger sind. Doch die Klassiker aus Holz erlebten ein Revival. Dank der Öko-Bewegung, heißt es oft, wahrscheinlich aber eher dank ihres Designs. Letztlich ist es dasselbe wie mit Apple: Hauptsache, es sieht schick aus.

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