27.10.12

Chronobiologie

Frauen leiden stärker unter der Zeitumstellung

Jetzt wird wieder am Zeiger gedreht: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren eine Stunde auf Winterzeit zurückgedreht. Frauen schlägt das offenbar mehr aufs Gemüt als Männern.

Foto: pa

Langschläfer freuen sich, Nachtarbeiter müssen länger schuften: Von Samstag auf Sonntag ist die Nacht wegen der Umstellung auf die Winterzeit eine Stunde länger
Langschläfer freuen sich, Nachtarbeiter müssen länger schuften: Von Samstag auf Sonntag ist die Nacht wegen der Umstellung auf die Winterzeit eine Stunde länger

Am frühen Sonntagmorgen ist es wieder soweit: Um 3.00 Uhr endet die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) und es beginnt wieder die Mitteleuropäische Zeit (MEZ), die umgangssprachlich auch Winterzeit genannt wird.

Die Uhren werden auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Für die meisten Menschen bedeutet dies, dass sie eine Stunde länger schlafen können. Durch die Zeitumstellung wird es allerdings auch abends wieder früher dunkler.

Dunkle Jahreszeit schlägt vielen aufs Gemüt

Die düstere Jahreszeit trübt bei vielen Menschen die Stimmung. In Deutschland leiden Umfragen zufolge mehr als 20 Prozent der Erwachsenen unter dem Herbst-Blues, der Saisonabhängigen Depression (SAD).

Ohne Licht produziert der Körper weniger stimmungsaufhellende Endorphine und schüttet geringere Mengen des Glückshormons Serotonin aus. Dafür wird mehr Melatonin erzeugt, das normalerweise in der Nacht den Schlaf steuert und darum müde und schlapp macht.

Negative Auswirkungen der Wintermonate befürchtet

Einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zufolge befürchtet die Mehrheit der Menschen in Deutschland negative Auswirkungen der Wintermonate auf sich und ihr Verhalten.

Demnach nehmen 74 Prozent der Befragten an, dass die "dunkle Jahreszeit" nicht spurlos an ihnen vorbeigehen wird. Zum Beispiel sieht knapp ein Viertel (24 Prozent) voraus, dass sie schlechtere Laune haben werden.

Neun Prozent der Frauen leiden unter der Zeitumstellung

Außerdem rechnen vier von zehn Befragten (41 Prozent) damit, durch die Zeitumstellung Probleme mit ihrem Schlafrhythmus zu bekommen – bei Frauen waren es 46 Prozent, bei den Männern 36 Prozent. Neun Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer gaben an, unter der Zeitumstellung sogar zu leiden.

Um sich vor mieser Laune und Ähnlichem zu schützen, will mehr als die Hälfte aller Befragten (54 Prozent) mehr vitaminreiches Obst und Gemüse zu sich nehmen. Etwas mehr als ein Fünftel (22 Prozent) setzt auf Wellness an den kalten Tagen.

Gerade noch 10 Prozent aller Männer und Frauen bevorzugen das Solarium, um die Winter-Müdigkeit zu vertreiben. Das Gros der Befragten allerdings setzt auf einen gemütlichen Abend im eigenen Heim (84 Prozent).

Licht hat starken Einfluss auf die Stimmung

Menschen, die an depressiven Verstimmungen leiden, wird hingegen zu langen Spaziergängen in der Natur geraten. "Selbst wenn draußen schlechtes Wetter ist, muss ich rausgehen", erklärte Diplom-Psychologe Görg-Helge Pflug, Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

Denn: "Lichtverhältnisse haben einen starken Einfluss auf unsere Stimmung." Selbst bei schlechtem Wetter sei draußen um ein Vielfaches mehr Licht als in der Wohnung. Je weniger Licht der Mensch abbekomme, umso größer sei das Risiko für depressive Verstimmungen.

Viel Bewegung gegen Stimmungstiefs

Außerdem sei empfehlenswert, sich viel zu bewegen. "Am besten mindestens eine halbe bis ganze Stunde täglich an der frischen Luft: Joggen oder Walken zum Beispiel", empfiehlt der Psychologe. "Der Mensch ist ein ganzheitliches Wesen. Körperliche und seelische Gesundheit hängen eng zusammen."

Deswegen sei auch eine ausgewogene Ernährung wichtig, um der jahreszeitlichen Verstimmung entgegenzuwirken. "Ich sollte auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse achten", erläuterte Pflug. Kurzzeitige Stimmungsaufheller wie Schokolade sollten nur in Maßen genossen werden. "Sonst kommt es zu einer Gewichtszunahme, die den Betroffenen dann wieder belasten kann", erklärte Pflug.

Die Winterzeit gilt etwa fünf Monate bis zum 31. März 2013. Am Zeiger der Uhren wird in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und weiteren Nachbarstaaten gedreht.

Die Sommerzeit war in der Bundesrepublik 1980 eingeführt worden, andere europäische Länder hatten da bereits vorgelegt. Sie führten die Sommerzeit als Reaktion auf die Ölkrise ein, um mit mehr Tageslicht am Abend Energie zu sparen.

Quelle: dapd/dpa/epd/oc
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