15.10.12

Ernährung

Vegetarismus ist eine gigantische Massenbewegung

Tofu und Gemüse statt Wurst, Speck oder Rinder-Steak: Einst war vegetarische Ernährung nur ein Randphänomen, doch mittlerweile verzichten rund acht Millionen Deutsche auf Fleisch. Tendenz steigend.

Foto: dpa/DPA

Jeder zehnte Deutsche verzichtet auf Fleisch - das behauptet zumindest der Vegetarierbund Deutschland in Berlin
Jeder zehnte Deutsche verzichtet auf Fleisch - das behauptet zumindest der Vegetarierbund Deutschland in Berlin

Fleischlose Ernährung wird in Deutschland offenbar immer beliebter. Die Zahl der Vegetarier nahm in den vergangenen Jahren nach Angaben ihres Dachverbandes auf sieben bis acht Millionen zu.

Damit verzichte etwa jeder zehnte Deutsche auf Wurst, Speck und T-Bone-Steak, sagte Larissa Albrecht vom Vegetarierbund Deutschland in Berlin anlässlich des Welternährungstages an diesem Dienstag. Die Organisation weist angesichts Millionen Hungernder Menschen auch auf den hohen Verbrauch von Wasser und Ackerfläche für die Viehzucht hin.

Der Vegetarierbund verzeichnet einen wachsenden Zuspruch aus der Bevölkerung. "Das ist explodiert in den vergangenen drei Jahren", sagte Albrecht. Viele Menschen seien durch Bücher von bekennenden Vegetariern – wie etwa Jonathan Safran Foers "Tiere essen" – auf das Thema aufmerksam geworden.

Zu den Veröffentlichungen seien in den vergangenen Jahren auch immer wieder Lebensmittelskandale gekommen, die viele Menschen zum Umdenken bewegt hätten. Die Organisation selbst hat nach eigenen Angaben rund 7000 Anhänger und gewann allein im vergangenen Jahr 40 Prozent neue Mitglieder.

Jüngeren Vegetariern geht es meist um die Moral

Die Entscheidung gegen Fleisch – oder im Falle von Veganern sogar gegen tierische Produkte allgemein – kann verschiedene Gründe haben, erläuterte Albrecht:

"Junge Leute entscheiden sich hauptsächlich aus ethischen Gründen für die vegetarische Ernährung. Viele Ältere machen es aus gesundheitlichen Gründen." Wer auf Fleisch verzichte, nehme etwa deutlich weniger gesättigte Fettsäuren zu sich.

Fleischkonsum ist nach Ansicht des Vegetarierbundes mit verantwortlich für den Klimawandel – und auch für das Hungerproblem. So werde 80 Prozent des angebauten Sojas als Futter für Tiere verwendet. Auf der Ackerfläche könnten aber auch andere Pflanzen für den direkten Verzehr angebaut werden.

Hunderte Millionen Menschen hungern

Die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht von 868 Millionen Menschen weltweit aus, die unterernährt sind. Das ist mehr als das Zehnfache der Einwohnerzahl Deutschlands. Die FAO ermutigt anlässlich des Welternährungstages Kleinbauern in Staaten mit knappen Lebensmitteln, sich in Genossenschaften zu organisieren.

Zusammenschlüsse von Bauern in Genossenschaften können nach Meinung des FAO-Generaldirektors José Graziano da Silva helfen, das Hungerproblem teilweise zu lösen.

In der Gemeinschaft könnten Farmer Kosten reduzieren und ihre Interessen besser gegenüber der Politik äußern. Der Welternährungstag findet jährlich am 16. Oktober statt. An diesem Datum wurde 1945 die FAO gegründet.

Quelle: dapd/oc
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Essen ohne Fleisch
  • Zahl

    Etwa sieben bis acht Millionen Menschen in Deutschland verzichten auf Fleisch. Manche von ihnen verzehren gar keine tierischen Produkte oder nur ganz bestimmte Pflanzen.

  • Vegetarier

    Vegetarier ernähren sich fleischlos, meist schließt das auch einen Verzicht auf Fisch mit ein. Manche essen auch keine Eier und Milchprodukte. Diejenigen, die Ei und Milch nicht missen wollen, werden als „Ovo-Lacto-Vegetarier“ bezeichnet.

  • Veganer

    Veganer verzichten neben Fleisch auch auf andere tierische Produkte und ernähren sich lediglich mit pflanzlichen Produkten. Gemüse und Früchte kommen bei Veganern auf den Tisch, wie bei Vegetariern ist Tofu sehr beliebt. In Öko-Geschäften und im Internet gibt es auch vegane Kleidung und Kosmetik zu kaufen, sie enthält keine tierischen Bestandteile.

  • Frutarier

    Frutarier essen lediglich Früchte – und zwar nur jene, deren Ernte die Pflanze nicht zerstört. Damit sind etwa Wurzeln für Frutarier tabu. Lange Zeit kursierte das Gerücht, dass Frutarier nur Früchte essen, die zuvor von selbst vom Baum oder vom Strauch gefallen sind.

  • Freeganer

    Freeganer sind Veganer, die nach Möglichkeit nur kostenloses Essen zu sich nehmen. Dahinter steckt in der Regel eine Kritik an der Konsumwelt. Freeganer nehmen Essen geschenkt oder fischen in Containern von Supermärkten nach Ware, deren Verfallsdatum schon abgelaufen ist und dennoch genießbar sind.

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