28.09.12

Neue Bedrohung

Deutschland soll Kampf gegen Moskitos aufnehmen

Ob Dengue-Fieber oder Malaria: Experten sehen auch in Deutschland eine große Bedrohung durch tropische Stechmücken, die gefährliche Krankheiten übertragen. Sie fordern, die Menschen besser zu schützen.

Foto: pa/wikipedia commons

Längst sind nicht mehr nur die Tropen betroffen: Experten zufolge verbreitet sich vor allem die Asiatische Tigermücke auch in Europa (siehe Karte)
Längst sind nicht mehr nur die Tropen betroffen: Experten zufolge verbreitet sich vor allem die Asiatische Tigermücke auch in Europa (siehe Karte)

Gefährliche Mücken aus den Tropen breiten sich mehr und mehr auch in europäischen Ländern aus. Experten sehen eine große Bedrohung durch Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya-Fieber, die von den Moskitos übertragen werden.

Sie fordern, den Kampf gegen die Insekten aufzunehmen und die Menschen besser zu schützen. So werde beispielsweise die Asiatische Tigermücke seit etwa 30 Jahren zunehmend auch außerhalb Asiens heimisch und habe sich sogar schon in der Südschweiz ausgebreitet.

Tigermücke in 28 Ländern auf allen Kontinenten heimisch

"Aktuell ist sie in 28 Ländern auf allen Kontinenten - außer Australien und der Antarktis - zu finden", schreibt ein internationales Team um Giuliano Gasperi von der Universität in Pavia (Italien) im Leitartikel des Online-Journals "PLOS Neglected Tropical Diseases".

Auch Malaria wird durch Mücken übertragen. Erst in den 1960er Jahren gelang es nach etwa 50 Jahren Kampf durch ein "beispielloses Umweltmanagement" und den Einsatz von Insektiziden, Malaria erfolgreich aus Europa zu verdrängen.

Heute sind nach Angaben der Forscher viele Malaria-Mücken gegen Insektizide resistent - und deren Einsatz ist aus Umweltschutzgründen ohnehin oft verboten.

Fachübergreifende Beobachtung und eine Spezialeinheit gefordert

Um die Ausbreitung der gefährlichen Mücken einzudämmen, fordern die Wissenschaftler jetzt eine enge Zusammenarbeit von Experten, Gesundheitseinrichtungen und Medien. "Eine fachübergreifende Beobachtung und eine Spezialeinheit, die mit einer informierten Öffentlichkeit zusammenarbeiten, wären wohl die beste Möglichkeit, den Kampf gegen diese neue Bedrohung in Europa zu gewinnen."

Die Asiatische Tigermücke kann das Dengue-Virus und eine Reihe anderer tropischer Erkrankungen übertragen. Sie ist eigentlich in den asiatischen Tropen beheimatet - mittlerweile verbreitet sie sich den Forschern zufolge in Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland und der Schweiz.

Doch wer in den Süden oder gar in die Heimat der Asiatischen Tigermücke reist, kann sich vor den Stichen schützen, wie der Experte Klaus Stark vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin erklärt: "Über Mückenschutzmittel, aber die muss man dann auch tagsüber sorgfältig auftragen."

Außerdem sollten Touristen sich vor der Wahl des Reiseziels bei den Tropeninstituten oder bei den Reisemedizinischen Informationsstellen informieren, ob beispielsweise Dengue dort derzeit ein größeres Problem sei.

Tigermücken auch in Deutschland nachgewiesen

Nach Angaben des Leiters der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg, Jonas Schmidt-Chanasit, wurden auch in Deutschland schon vereinzelt Tigermücken nachgewiesen - heimisch sei die Art allerdings nicht. "Sollte die Asiatische Tigermücke aber in Deutschland ansässig werden, wäre das ein sehr großes Problem."

Das Dengue-Virus verbreite sich besonders leicht, weil es auch über die Eier weitergegeben werde, sagte der Experte. "Das ist der Unterschied zum Malaria-Parasit - dort muss immer eine Mücke einen infizierten Menschen stechen, um es weiter übertragen zu können."

Doch in Europa hat sich die gefährliche Mücke längst angesiedelt und auch Menschen infiziert. 2010 wurden eine Infektion aus Kroatien und zwei aus Südfrankreich bekannt.

Ende August 2012 ist ein alter Mann in Griechenland wahrscheinlich an Dengue-Fieber gestorben. Dann wäre er Experten zufolge der erste, der sich dort mit dem "Knochenbrecher-Fieber" angesteckt hätte - so wird Dengue auch genannt, wegen der starken Gelenkschmerzen, die es verursacht.

Quelle: dpa/oc
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