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18.05.09

Hightech-Stadt

Finnen bauen WLAN-Netz am Polarkreis

Das ist Fortschritt auf finnisch: Das kleine Städtchen Oulu hat ein öffentliches Gratis-Funknetz errichtet. Es verbindet die Bürger, soll Arbeitsplätze schaffen. Die Stadt liegt gerade einmal 200 Kilometer vom Polarkreis entfernt – und ist wohl auch ein Vorbild für deutsche Kommunen.

© Okapia
Polarlicht

Arbeiten vom Strand, Café oder Park aus, wer täte das nicht gern? Im finnischen Hightech-Städtchen Oulu ist dieser Wunschtraum zur Normalität geworden. Nur rund 200 Kilometer vom nördlichen Polarkreis entfernt kann sich jedermann via Laptop oder WLAN-fähigem Mobiltelefon mit dem Internet verbinden - mit Hochgeschwindigkeit und kostenlos.

So lässt sich - quasi nebenbei - am Strand des Finnischen Meerbusens das schöne Frühlingswetter genießen, die E-Mail-Korrespondenz erledigen, das Internet erkunden oder der Austausch von wichtigen Dokumenten mit der Firma oder dem Institut bewerkstelligen. "Hier in Oulu haben wir das erste, frei zugängliche, ortsumspannende WLAN der Welt", sagt Jukka Klemettilä von Oulu Innovation, dem man die große Begeisterung für das Projekt anmerkt.

Seine Firma tritt als Vermittler zwischen den Forschungsinstituten und der Wirtschaft auf und gilt als eine der ersten Anlaufstellen für Firmenneu- und Ausgründungen aus der Universität. "Mit dem weltweit ersten, frei zugänglichen WLAN wollen wir die Kommunikation zwischen den Stadtbewohnern, den ansässigen Firmen und der Universität Oulu fördern", sagt Klemettilä. Jeder kann von überall aus arbeiten und mit jedem anderen etwa per E-Mail kommunizieren, egal ob im Park, am Arbeitsplatz, zu Hause oder am Strand.

Doch das ist noch nicht alles. Das Breitbandnetz ermöglicht jedem User, per WLAN auf die Netzwerkressourcen und Dateien seiner Arbeitgeber oder seines Instituts zuzugreifen. Über spezielle Programme ist der Zugriff auf alle wichtigen Dokumente und Netzwerkgeräte wie Drucker, Faxgeräte und Datenspeicher der Firma gewährleistet. Ein eigens eingerichteter Mailserver der Stadt ermöglicht eine von der jeweiligen Firma unabhängige Kontaktaufnahme zwischen den Internetbenutzern der Stadt und der ganzen Welt.

Mit dem Zugang zum Internet wird ganz Oulu zu einem einzigen Netzwerk, in das auch die lokalen Behörden, Bibliotheken und Vereine eingegliedert sind.

Was zunächst wie eine technische Spielerei anmutet, setzt immense Energien und Innovationen frei und wird als echte Bereicherung empfunden. Die örtliche Ungebundenheit ermöglicht allen Benutzern von überall aus zu arbeiten. Egal, ob am Strand oder im Park, via High-Speed-Internet stehen jedem Besitzer eines WLAN-fähigen Gerätes alle Möglichkeiten eines ganz normalen Computernetzwerkes offen - so weit die Funkwellen reichen. Umfragen zeigen, dass die Mitarbeiter zufriedener und kreativer sind als in dem üblichen engen Rahmen eines Büros.

Das sogenannte panOULU-Netzwerk ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Oulu, seiner Universität und verschiedener dort ansässiger Firmen; Betreiber des innovativen Projektes ist die Stadt.

Dass ein solches Hightech-Projekt ausgerechnet in der finnischen Arktis zu finden ist, ist kein Zufall. "Bereits 2006 startete der größte Arbeitgeber der Region, der Mobiltelefonhersteller Nokia, in Oulu erste Versuche mit Hochgeschwindigkeitsfunknetzwerken und rüstete versuchsweise eine Buslinie mit WLAN-Zugriffspunkten, sogenannten Wireless access points, aus", sagt Huttunen. Und ergänzt: "Hier in Oulu wurden die bahnbrechenden Erfindungen für die ersten Schritte der drahtlosen Kommunikation gemacht."

Doch die Finnen wollen noch mehr, wollen moderner werden: "Wir können uns nicht auf dem Erreichten ausruhen und warten, bis irgendjemand anderes auf der Welt die Erfindungen der Zukunft macht", fährt Huttunen fort und erklärt sein neuestes Projekt - interaktive Plakate. "Berührt man das Plakat eines Konzerts mit dem Handy, so wird der Browser des Telefons gestartet und automatisch die Webseite des Konzertveranstalters aufgerufen. Hier kann der Nutzer Informationen über das Konzert abrufen und Karten kaufen, praktisch von überall aus." Die notwendigen Informationen wollen die Finnen auf die Plakate drucken. "Das ist noch ein bisschen Zukunftsmusik", sagt der Programmdirektor von Oulo Innovation, Matti Koivu. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran."

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