21.09.12

Genmais-Studie

Genfood wird schon lange im Supermarkt verkauft

Eine Studie über schwerkranke Ratten nach der Fütterung von Genmais sorgt für Aufregung: Doch Genfood steht auch in Deutschland im Supermarkt-Regal. Wie Verbraucher die Produkte erkennen können.

Foto: pa

Für gentechnisch veränderte Lebensmittel besteht in Deutschland Kennzeichnungspflicht – ausgenommen von dieser Vorschrift sind jedoch Milch, Eier und Fleisch. Hintergrund: Tiere werden bereits teilweise mit Gensoja gefüttert
Für gentechnisch veränderte Lebensmittel besteht in Deutschland Kennzeichnungspflicht – ausgenommen von dieser Vorschrift sind jedoch Milch, Eier und Fleisch. Hintergrund: Tiere werden bereits teilweise mit Gensoja gefüttert

Eine neue Studie zu Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf Lebewesen sorgt für Aufsehen: Der französischen Untersuchung zufolge sterben Ratten jünger und erkranken häufiger an Krebs, wenn sie mit Genmais gefüttert werden. Gen-Kritiker warnen vor möglichen Schäden auch bei Menschen.

Französische Forscher haben zwei Jahre lang Ratten Genmais der Sorte NK 603 des Agrarkonzerns Monsanto oder ein dazugehöriges Spritzmittel ins Futter gegeben. Daraufhin haben die Tiere Tumore, Leber- und Nierenschäden entwickelt und starben früher als die einer Vergleichsgruppe, die keinen genveränderten Mais gefressen hatten.

Die genveränderte Maissorte NK603 des Konzerns Monsanto kann in der Europäischen Union wie sonstiger Mais als Futtermittel oder in verarbeiteten Produkten verwendet werden. Seit 2005 ist die Sorte auch als Lebensmittel zugelassen. Sie darf zum Beispiel als Stärke und Öl sowie als Bestandteil anderer Lebensmittel verkauft werden. Die Produkte müssen gekennzeichnet werden - als "gentechnisch veränderter Mais" oder "aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt". Der Genmais NK603 darf in der EU allerdings nicht angebaut werden.

Jedoch findet sich Gentechnik schon heute im Supermarktregal. Teils können Verbraucher sie umgehen, wenn sie sich genau informieren. Jedoch ist nicht bei allen Produkten klar erkennbar, dass sie Gentechnik enthalten.

In welchen Produkten im Supermarkt steckt bereits Gentechnik?

Bislang gibt es im Handel laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur wenige Produkte mit direkt gentechnisch veränderten Zutaten wie etwa Genpflanzen. Bei den Ausnahmen handelt es sich einer Greenpeace-Erhebung zufolge meist um Lebensmittel aus dem Ausland wie Schokoriegel und andere Süßigkeiten aus den USA.

Reine Genprodukte wie etwa Gengemüse, Obst oder Fleisch gibt es nicht. Genpflanzen dürfen aber an Tiere verfüttert werden, wodurch Gentechnik in den Nahrungskreislauf gelangt. Dies kann unter anderem bei Milchprodukten oder Eiern der Fall sein.

Sind Lebensmittel mit Genzutaten speziell gekennzeichnet?

Ja, allerdings mit Einschränkungen. Hersteller sind grundsätzlich dazu verpflichtet, alle gentechnisch veränderten Lebensmittel-Bestandteile in den Zutatenlisten auf den Verpackungen abzudrucken.

Ausgenommen von der Pflicht sind aber Tierprodukte wie Milch, Eier und Fleisch oder Zusatzstoffe, die von gentechnisch veränderten Bakterien erzeugt wurden. Das freiwillige Siegel "Ohne Gentechnik" der Bundesregierung bekommt nur, wer nachweisen kann, dass Tiere nicht mit Futter wie Gensoja gefüttert wurden oder dass keine gentechnisch veränderten Bakterien eingesetzt wurden.

Sind Bioprodukte gentechnikfrei?

Grundsätzlich ja, jedoch können auch hier teils Einschränkungen bestehen. Zwar sieht die EU-Ökorichtlinie vor, dass bei der Herstellung von Bioprodukten keine Gentech-Zutaten verwendet werden dürfen. Spuren gentechnisch veränderter Bestandteile aber - etwa verursacht durch den Pollenflug von Feldern mit Genpflanzen - müssen auf Lebensmittelverpackungen bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent nicht gesondert ausgewiesen werden. Die Hersteller von Bioprodukten sind jedoch gehalten, alles technisch Mögliche zu tun, um Verunreinigungen auszuschließen.

Müssen Gaststätten auf Speisekarten Gerichte mit Genzutaten kennzeichnen?

Ja. Nach Angaben von Greenpeace allerdings bleiben solche Hinweise in der Praxis nicht selten aus. Den Angaben zufolge werden etwa Pommes Frites in einigen Fällen in Speiseöl aus Genpflanzen frittiert. Für den Verbraucher ist dies oft nirgends nachzulesen.

Welche Auswirkungen haben Genprodukte auf die Gesundheit?

Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Laut BVL gibt es etwa aus den USA oder Kanada, wo Lebensmittel aus Genpflanzen oder Milch von mit Gensoja gefütterten Kühen schon seit über zehn Jahren auf dem Markt sind, "keine Erkenntnisse, dass sich der Verzehr (...) schädlich auf die Gesundheit von Menschen ausgewirkt hat".

Greenpeace dagegen sieht beim Verzehr von Genpflanzen ein Risiko, dass diese aufgrund ihrer Genstruktur verstärkt allergische Reaktionen auslösen können. Milch von Kühen, die mit Gensoja gefüttert wurden, dürfte demnach aber risikolos sein.

Quelle: AFP/dpa/oc
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