Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
12.05.09

Psychologie

Lithium im Trinkwasser soll Suiziden vorbeugen

Japanische Forscher schlagen vor, dem Trinkwasser den Wirkstoff Lithium zuzusetzen – um die Suizidrate zu senken. Sie untersuchten für diese Erkenntnis das Wasser von 18 Gemeinden. Die Selbstmordrate war in Gebieten mit hohem Lithiumgehalt im Trinkwasser deutlich niedriger als in anderen Gebieten.

© dpa
Knappe Ressource Trinkwasser.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass es weltweit etwa eine Million Selbstmorde pro Jahr gibt – die meisten wegen Depressionen. Nach einer Rangliste der WHO belegt Japan mit 23,7 Suiziden pro 100.000 Einwohner einen der vorderen Ränge, in Deutschland waren es 2004 dagegen nur 13 Suizide pro 100.000 Einwohner. Eine japanische Studie legt jetzt nahe, dass die dem Trinkwasser zugesetzte antidepressive Substanz Lithium möglicherweise die Zahl der Suizide senken könnte.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 1990, die Lithium im Trinkwasser mit der Selbstmordrate der texanischen Bevölkerung in Verbindung brachte, inspirierte Forscher der Universitäten Ôita und Hiroshima dazu, auch den Lithiumgehalt des japanischen Trinkwassers zu analysieren. Lithiumsalze kommen in der Natur vor, werden aber auch in der Medizin gegen "bipolare Störungen" (manisch-depressive Störungen) und gegen Depressionen verwendet. Sie haben eine suizidverhindernde Wirkung. Lithium ist kein essentielles Element und im menschlichen Körper nur in sehr geringen Mengen vorhanden.

Die Wissenschaftler untersuchten das Wasser von 18 Gemeinden der Präfektur Ôita auf der Insel Kyûshû. Diese Daten verglichen sie mit den Selbstmordraten der jeweiligen Gemeinden. In der Zeitschrift "British Journal of Psychiatry" veröffentlichten sie jetzt die Ergebnisse ihrer Studie. Die Selbstmordrate war demnach in Gebieten mit hohem Lithiumgehalt im Trinkwasser deutlich niedriger als in Gebieten, wo kaum Lithium aufzuspüren war. Nach Meinung der Forscher sei die konstante Aufnahme winziger Mengen durch das Trinkwasser ausschlaggebend für die geringere Selbstmordneigung.

So schlagen sie in ihrer Veröffentlichung indirekt vor, dass man zur Prävention von Selbstmord dem Trinkwasser Lithium zugeben könne. Weiter wollten sich die Forscher aber nicht aus dem Fenster lehnen. Ihr Vorschlag könnte nämlich zu noch größeren Diskussionen führen als die Fluoriddebatte, die in den 1940er-Jahren für großen Wirbel in Amerika sorgte. Damals begann die Regierung, Fluorid als kostengünstiges Mittel gegen Karies ins Trinkwasser zu mischen. Angeblich sei danach Karies in der Bevölkerung, vor allem in ärmeren Regionen, zurückgegangen. Mittlerweile wird das Leitungswasser seit über 60 Jahren mit Fluorid versetzt. Das wird aber nach wie vor skeptisch beurteilt.

Welche Wellen die Zugabe von Lithium schlagen würden lässt sich nur erahnen. Daher streben die Wissenschaftler weitere Forschung an, bevor sie ihre Idee direkt ansprechen. Sophie Corlett von der größten gemeinnützigen Organisation für psychisch Kranke in England und Wales, "Mind", warnt vor voreiligen Großtaten. Zur BBC sagte sie, dass unter Medizinern Lithium als guter Stimmungsstabilisator für Menschen mit bipolaren Störungen bekannt sei.

Der Vorschlag, es dem Trinkwasser zuzufügen, und seien es auch nur winzige Mengen, sei aber mit äußerster Vorsicht zu behandeln und müsse noch eingehend erforscht werden. Denn in höherer Dosis könne Lithium auch giftig sein.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote