08.08.12

Evolution

Unser Vorfahr war nicht allein vor 2.000.000 Jahren

Zwei Millionen Jahre alte Fundstücke in Ostafrika beweisen: Unser direkter Vorfahr, der Homo erectus, hatte zwei ihm ähnelnde Konkurrenten. Doch warum hat der "aufrechte Mensch" die anderen überlebt?

Foto: dpa
Links: Der im Osten des Turkana-Sees in Kenia entdeckte Unterkiefer eines bislang unbekannten Frühmenschen. Rechts: eine Rekonstruktion des Homo erectus - dem Vorfahr des heutigen Menschen
Links: Der im Osten des Turkana-Sees in Kenia entdeckte Unterkiefer eines bislang unbekannten Frühmenschen. Rechts: eine Rekonstruktion des Homo erectus - dem Vorfahr des heutigen Menschen

Harte Konkurrenz: Fast zwei Millionen Jahre Fossilien belegen neben unserem Vorfahren Homo erectus zwei weitere Menschenarten in Ostafrika. Die Fundstücke waren zwischen 2007 und 2009 im Osten des Turkana-Sees in Kenia entdeckt worden.

Eine wissenschaftliche Analyse zeigt nun, dass die Fossilien zwei anderen Arten der Gattung Homo angehören. Ihre Ergebnisse präsentieren die Forscher nun im Fachjournal "Nature".

Bei den Funden handelt es sich um einen Gesichtsschädel, einen sehr gut erhaltenen Unterkiefer und den Teil eines zweiten Unterkiefers. Sie werden auf ein Alter von 1,78 bis 1,95 Millionen Jahre datiert und waren im Rahmen des von Meave und Louise Leakey geleiteten Koobi Fora Forschungsprojekts (KFRP) ausgegraben worden.

Neue Details über die Entwicklung des Menschen

Für das ungeübte Auge handelt es sich lediglich um versteinerte Fragmente früher Menschen. Aber für Meave Leakey stellen die Fossilien eine kleine Sensation dar - denn sie offenbaren neue Details über die Entwicklung des Menschen.

"Unsere Forschungsarbeit zeigt, dass es mehrere ähnliche Menschenarten gegeben hat, aber wir die einzige sind, die überlebt hat", sagte die berühmte 70-jährige Paläoanthropologin.

Zusammen mit ihrem Mann Richard und ihrer Tochter Louise versucht die Forscherin seit vielen Jahren, die Geheimnisse unserer Entwicklung zu entschlüsseln - und dadurch letztlich auch die Gegenwart besser zu verstehen.

Warum der Homo erectus so erfolgreich war

Dass die Wiege der Menschheit in Afrika liegt, ist schon lange bekannt. Aber durch die neuesten Fossilien-Untersuchungen können Experten jetzt besser erklären, warum der Homo erectus so erfolgreich war und sich zum Homo sapiens entwickelt hat, während die anderen nun untersuchten beiden Homo-Arten ausgestorben sind. Denn die Lebensumstände im Pleistozän waren rau. Intelligenz war gefragt, denn nur wer Grips hatte, überlebte.

"Ich glaube ganz ehrlich, dass das größere Gehirn den Ausschlag gegeben hat", meint Leakey. "Homo erectus war schlauer und konnte wahrscheinlich bessere Steinwerkzeuge herstellen und leichter Nahrung finden, als die anderen Spezies."

Aber bevor es soweit war, teilten sich die Menschenarten ihren Lebensraum in Ostafrika. So wie heute Gorillas und Schimpansen in einigen Gebieten koexistieren, konnten auch die frühen Menschen lange Zeit gleichzeitig nebeneinander leben, ohne sich gegenseitig auszumerzen.

Langes, flaches Gesicht als auffälligstes Merkmal

Erstmals gebe es ein klareres Bild davon, wie die anderen Menschenarten ausgesehen haben könnten, sagt der an dem Projekt beteiligte Wissenschaftler Fred Spoor vom Max-Planck-Institut in Leipzig. Auffälligstes Merkmal war ihr langes, flaches Gesicht.

Leakey und ihr Koobi Fora Forschungsprojekts (KFRP) haben der Entschlüsselung der menschlichen Evolution einen weiteren Puzzlestein hinzugefügt und eine jahrzehntelange Debatte darüber beendet, ob neben dem Homo erectus vor knapp zwei Millionen Jahren noch weitere bislang unbekannte Menschenarten in Ostafrika lebten.

Zuvor hatte es jahrzehntelang Debatten darüber gegeben, wie viele verschiedene Arten des frühen Homo es neben Homo erectus während des Pleistozäns außerdem noch gab.

Bereits vor 40 Jahren hatten Forscher des KFRP das rätselhafte Fossil KNM-ER 1470 (kurz: "1470") entdeckt. Der Schädel zeichnete sich durch ein großes Gehirn und ein langes flaches Gesicht aus, jedoch enthielt das Fossil keinen Unterkiefer und keine Zähne - was eine genaue wissenschaftliche Untersuchung schwierig machte.

Einige Wissenschaftler führten die ungewöhnlichen morphologischen Eigenschaften des Schädels auf sexuelle Unterschiede und die natürliche Variation innerhalb ein und derselben Art zurück. Andere sahen in diesem Fossil hingegen Hinweise auf eine andere Spezies. Eine Lösung war nicht in Sicht, da lange Zeit keine ähnlichen Funde mehr gemacht wurden.

Die in Ostafrika entdeckten Fossilien helfen nun bei der Auflösung des Dilemmas. "In den vergangenen 40 Jahren haben wir in den gewaltigen Sedimentflächen rund um den Turkana-See angestrengt nach Fossilien gesucht, die die einzigartigen Merkmale des Gesichts von Fossil 1470 teilen und uns zeigen, wie seine Zähne und sein Unterkiefer ausgesehen hätten", erläuterte Meave Leakey. "Endlich haben wir einige Antworten gefunden."

Mehr Informationen zum Thema:

Quelle: dpa/oc
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei der Vorbereitung seiner Aussage im BER-Untersuchungsausschuss
16:45Untersuchungsausschuss
Klaus Wowereit erklärt seine Sicht auf das BER-Debakel

Berlins Regierender hat dem Untersuchungsausschuss zum BER-Debakel Rede und Antwort gestanden. Viktoria Solms und Christian Mutter waren live dabei. Das Minutenprotokoll der Sitzung. mehr...

Stansted
Aktualisiert vor 36 MinutenBritischer Luftraum
Kampfjets leiten Flugzeug um – Zwei Festnahmen

Dramatischer Zwischenfall in Großbritannien: Kampfjets haben ein pakistanisches Flugzeug mit 297 Menschen an Bord umgeleitet. Zwei Männer wurden wegen Gefährdung des Luftverkehrs festgenommen. mehr...

Der Fernsehturm spiegelt sich am 09.05.2013 in Berlin in einer mit Regentropfen benetzten Autoscheibe. Am Morgen des Herrentages regnet es in der Hauptstadt. Foto: Britta Pedersen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
14:35Wetter
Berlin steht ein Champions-League-Finale im Regen bevor

Berliner, die sich auf ein sonniges Wochenende gefreut hatten, werden enttäuscht: kräftiger, vielleicht sogar unwetterartiger Regen steht bevor. Dazu sinken die Temperaturen weiter. mehr...


Ein Spiel spaltet die Nation. Die Mehrheit der Bundesbürger findet den BVB sympathischer, hält aber Bayern für den Favoriten.
15:48Champions-League-Finale
Was Europa von Borussia Dortmund lernen kann

Ökonomische Empfehlungen vom Siegeszug des BVB abzuleiten, käme zu früh. Aber eines zeigt sich dennoch: Der Klub kennt seine Grenzen und der Weg aus Krise braucht keine Hybris, sondern Format. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote