23.07.12

Vibrio vulnificus

Cholera kann über Ostsee nach Deutschland kommen

Kein Meer weltweit erwärmt sich schneller als die Ostsee. Damit steigt das Risiko gefährlicher bakterieller Infektionen. Deutschlands Küste zählt zu den am stärksten gefährdeten Gebieten.

Foto: DPA
Ostsee
Das Seegebiet zwischen der Ostküste Dänemarks, dem Süden Schwedens sowie dem Norden Deutschlands und Polens gehört zur höchsten Risikostufe auf einer Skala von eins bis zehn

Die Ostsee erwärmt sich sieben Mal schneller als die Meere im globalen Durchschnitt. Damit bessern sich die Lebensbedingungen von Bakterien der Gruppe Vibrio in dem wenig salzhaltigen Wasser. Das wiederum erhöht das Risiko für schwere Wundinfektionen und Blutvergiftungen.

Auf einer Skala von eins bis zehn gilt für die gesamte deutsche Ostseeküste die höchste Risikostufe zehn. Das berichten Forscher um Craig Baker-Austin vom Centre for Environment Fisheries and Aquaculture Science im britischen Weymouth. Ihre Untersuchung steht im Journal "Nature Climate Change".

Mitglieder der Bakteriengattung Vibrio kommen natürlicherweise in Meer- und Brackwasser vor. Bei höheren Temperaturen kann sich die Konzentration der auch Vibrionen genannten Keime im Meerwasser deutlich erhöhen. Besonders gilt das für die Ostsee, deren Wasser nur eine geringe Salzkonzentration hat.

Flache Ostsee heizt sich auf

Von der deutschen Ostsee sind bereits mehrere solche Fälle bekannt, dabei wurde die Art Vibrio vulnificus als Ursache nachgewiesen. Berichte über solche und ähnliche Infektionen gibt es auch aus den USA, Spanien, Israel, Peru und Chile. Das Bakterium V. cholerae ist der Verursacher der Cholera.

Baker-Austin und sein Team berichten nach der Analyse von vieljährigen Klima- und Temperaturdaten, dass die sehr flache Ostsee im Zeitraum von 1982 bis 2010 jährlich um 0,063 bis 0,078 Grad Celsius wärmer wurde. Auf ein Jahrhundert gerechnet sind das 6,3 bis 7,8 Grad.

Seit 1987 überschritt die Erwärmungsrate der Ostsee ein Grad Celsius pro Jahrzehnt, das ist mehr als sieben Mal mehr als die globale Erwärmung der Ozeane, schreiben die Wissenschaftler. "Der kürzliche Erwärmungstrend, den wir hier identifizieren, repräsentiert das am schnellsten erhitzte Meeresökosystem der Welt."

Künftig könnte die Ostsee in großen Teilen des Sommers 18 Grad warm sein – Vibrionen wachsen ab 15 Grad verstärkt. Das höchste Erkrankungsrisiko geht nach Einschätzung von Baker-Austin vom Keim V. vulnificus aus.

Bewohner und Touristen gefährdet

Um die von ihm gefährdeten Gebiete zu zeigen, ermittelten die Forscher Bereiche der Ostsee mit hoher Temperatur und gleichzeitig niedriger Salzkonzentration. Im Seegebiet zwischen der Ostküste Dänemarks, dem Süden Schwedens sowie dem Norden Deutschlands und Polens droht die meiste Gefahr. Entlang dieser Küste wohnen viele Menschen. Besonders in den Sommermonaten kommen Millionen Touristen an die Küste.

"Erkrankungen durch Vibrionen sind in Deutschland zwar selten, zeichnen sich jedoch durch einen sehr ernsthaften Verlauf in Form von schweren Wundinfektionen und Blutvergiftungen (Sepsis) aus. Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und offenen Wunden", heißt es beim niedersächsischen Landesgesundheitsamt.

Offene oder schlecht heilende Wunden

Menschen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten diese deshalb nicht dem Kontakt mit warmen Meerwasser aussetzen, insbesondere wenn sie an Vorerkrankungen leiden und ein geschwächtes Immunsystem haben.

Zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen aller Art sollten Meerestiere nicht roh verzehrt und auf gutes Durchgaren geachtet werden.

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