14.07.12

Astronomie

Der Sonntagmorgen bringt ein Himmelsspektakel

Sonntagfrüh können Himmelsgucker eine seltene Jupiterbedeckung mit bloßem Auge sehen — wenn das Wetter mitspielt. Es ist das letzte große Himmelsschauspiel des Jahres.

Foto: pa
Links: Die sogenannte Jupiterbedeckung am frühen Morgen des 15. Juli 2012. Rechts: Juptier, Mond und Venus leuchten am Nachthimmel (von rechts)
Links: Die sogenannte Jupiterbedeckung am frühen Morgen des 15. Juli 2012. Rechts: Juptier, Mond und Venus leuchten am Nachthimmel (von rechts)

Zum zweiten Mal innerhalb von knapp sechs Wochen freuen sich Himmelsgucker auf ein seltenes Schauspiel: Sonntagfrüh hat der Mond eine Verabredung mit Jupiter — dann schiebt sich die große Mondscheibe vor das kleine Scheibchen des Planeten.

Ein solche Jupiterbedeckung, wie Astronomen das Ereignis nennen, wird an unserem Nachthimmel danach erst wieder in knapp 19 Jahren zu sehen sein.

Viele Sterngucker hoffen nun auf besseres Wetter als beim ersten Himmelsschauspiel des Jahres: Als am 6. Juni die Venus vor der Sonne vorbeizog, versperrten vielerorts Wolken den Blick auf das Jahrhundertereignis.

Zwar ist eine Jupiterbedeckung durch den Mond bei weitem nicht so selten wie ein Venustransit vor der Sonne. Dennoch gilt der bevorstehende Besuch des Erdmondes beim hell strahlenden Jupiter als das zweite und zugleich letzte große Astronomie-Schauspiel des Jahres.

Sternwarten öffnen ihre Pforten

Manche Sternwarten werden daher bei gutem Wetter am frühen Sonntagmorgen ihre Pforten öffnen und ihre Teleskope für Frühaufsteher auf Mond und Jupiter am Osthimmel richten.

Dort wird sich Himmelsguckern in vergleichsweise geringer Höhe über dem Horizont ein reizvoller Anblick bieten: Zu den Hauptakteuren, der Sichel des abnehmenden Mondes und dem hellen Jupiter, gesellen sich an diesem frühen Morgen der hellste Planet Venus als strahlender Morgenstern, der rötlich leuchtende Hauptstern des Sternbilds Stier, Aldebaran, und mit ihm die offenen Sternhaufen der Hyaden und Plejaden.

Für Fotografen dürfte diese Konstellation ein schönes Motiv bieten, zumal in die Aufnahmen auch die Landschaft am nahen Horizont mit einbezogen werden kann.

Je nach Beobachtungsstandort in Deutschland wird das Jupiter-Scheibchen dann zwischen etwa 3.30 und 3.45 Uhr hinter dem Mond verschwinden. Am gegenüberliegenden Mondrand wieder auftauchen wird Jupiter zwischen 4.15 und 4.20 Uhr — zu dieser Zeit ist die Morgendämmerung allerdings schon ziemlich weit fortgeschritten.

Himmelsschauspiel mit bloßem Auge zu sehen

"Für die Beobachtung sind Instrumente nicht unbedingt notwendig", sagt die Leiterin des Bochumer Planetariums, Susanne Hüttemeister. "Mit bloßem Auge geht es auch."

Dabei werden Beobachter erleben, dass der Riesenplanet Jupiter im Gegensatz zu einem punktförmigen Fixstern bei der Bedeckung durch den Mond keineswegs von einer auf die andere Sekunde verschwindet.

"Jupiter wird nicht von jetzt auf gleich ausgeschaltet", sagt Hüttemeister. "Sein Licht wird vielmehr über einen Zeitraum von rund zwei Minuten schwächer, bis das Planeten-Scheibchen zur Gänze hinter dem Mond verschwunden ist."

Mit einem Fernglas oder Teleskop können Astronomie-Fans allerdings noch viel mehr Einzelheiten des seltenen Schauspiels verfolgen als mit bloßem Auge. Denn mit einem Feldstecher, besser noch einem kleinen Fernrohr, sind auch die vier großen Monde des Jupiter zu erkennen, die den größten Planeten unseres Sonnensystems umrunden wie der Erdmond die Erde.

Mit dem Teleskop sind auch die Jupitermonde zu sehen

Und mit dem Jupiter werden am frühen Sonntagmorgen natürlich auch seine großen Monde Europa, Io, Ganymed und Kallisto von der Scheibe unseres Mondes "verschluckt".

Für Beobachter auf der Erde befinden sich diese nach ihrem Entdecker Galileo Galilei benannten Monde zum Zeitpunkt der Jupiterbedeckung in ausgesprochen günstigen Positionen.

"Die galileischen Monde stehen dann schön in einer Reihe", weiß die Astronomin Hüttemeister. Das heißt: Von der Erde aus gesehen sind die vier großen Jupiter-Trabanten links und rechts neben dem fernen Gasplaneten aufgereiht, wenn die Scheibe des Erdmondes langsam Kurs auf das Jupiter-System nimmt.

Teleskop-Besitzer können daher bei wolkenfreiem Himmel sehen, wie nicht nur der Jupiter, sondern nacheinander auch seine großen Monde hinter unserem Trabanten verschwinden und später wieder auftauchen.

Zuletzt war eine Jupiterbedeckung durch den Mond am Nachthimmel über Deutschland im Februar 2002 zu beobachten. Die nächste Chance nach Sonntagmorgen gibt es erst wieder am frühen Morgen des 20. Januar 2031.

Quelle: AFP/oc
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