30.06.12

Orthopädie

So bleibt der Hexenschuss im Reich der Fabeln

Fast jeder zweite Deutsche leidet an Rückenschmerzen. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung haben einmal im Leben eine Muskelzerrung im Kreuz. Mit einfachen Tricks kann jeder seinen Rücken stärken.

Foto: Digital Vision
Rücken
Mehr als 90 Prozent der Rückenschmerzen sind muskelbedingt

Eine ungeschickte Bewegung, ein kurzer Ruck – und plötzlich geht gar nichts mehr. Ein stechender Schmerz jagt durch den Rücken und zwingt in gebückte Haltung. Jede kleinste Bewegung führt zu stärksten Schmerzen im Kreuz und führt dazu, dass sich die Rückenmuskulatur krampfartig zusammenzieht.

Der Hexenschuss kommt nach Angaben der "Aktion Gesunder Rücken" sehr häufig vor. 80 Prozent der Menschen erleiden mindestens einmal in ihrem Leben eine akute Muskelzerrung im Kreuz.

Doch Panik muss nicht sein. Die Schmerzen sind in vielen Fällen zwar sehr quälend, aber harmlos, sagt Professor Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädie-Chirurgie. In 90 Prozent der Fälle heilt ein Hexenschuss innerhalb von vier Wochen wieder. Aktive Mithilfe des Geplagten ist aber dringend erforderlich. ´

Kälte begünstigt den Hexenschuss

Betroffen sind vor allem Menschen zwischen dem dritten und fünften Lebensjahrzehnt. Bei über 60-Jährigen kommt der Hexenschuss kaum noch vor, weil die Wirbelsäule steifer und unbeweglicher geworden ist. Als "Warnschuss" will Niethard die akute Lumbalgie, so der exakte medizinische Begriff, aber nicht verstanden wissen.

Der Hexenschuss ist kein Symptom eines kaputten Rückens. Viel häufiger "schießt die Hexe", wenn man sich unvorsichtig bewegt oder wenn die Rückenmuskulatur ungewöhnlicher Kälte ausgesetzt und gleichzeitig überbeansprucht wird. Keineswegs ist gleich ein Nerv eingeklemmt.

"Über 90 Prozent der Rückenschmerzen sind muskelbedingt", sagt der Hamburger Orthopäde Martin Buchholz. Bei vielen Menschen ist die Rückenmuskulatur durch Bewegungsmangel und eine überwiegend sitzende Lebensweise schon länger geschwächt und verkürzt.

Wann der Arztbesuch sinnvoll ist

Da muss es nicht unbedingt eine ungewohnte Belastung sein, selbst ganz normale Bewegungen wie das morgendliche Aufstehen können die Pein dann auslösen.

Ein Arztbesuch ist bei einem Hexenschuss nur erforderlich, wenn die Schmerzen unerträglich sind. "Man sollte zwei bis drei Tage abwarten und Schmerztabletten nehmen", sagt Niethard, der als Orthopäde an der Schwertbadklinik Aachen arbeitet. "Wenn es dann nicht besser wird, ist ein Arztbesuch ratsam."

Wichtigstes Ziel in der Hexenschuss-Therapie ist, dass der Betroffene schnell seine Schmerzen verliert und sich nicht weiter verkrampft. Der Arzt kann Schmerzmittel, örtliche Betäubungsmittel sowie muskelentspannende und entzündungshemmende Mittel direkt in die Rückenmuskulatur spritzen.

Achtung bei Taubheit im Bein

Ganz anders stellt sich die Situation dar, wenn der Schmerz bis ins Bein ausstrahlt sowie Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen hinzukommen. Auch Funktionsausfälle von Blase und Mastdarm sind ein Alarmzeichen. Dann besteht die Gefahr, dass der Ischiasnerv durch eine verrutschte Bandscheibe gereizt oder eingeklemmt ist. In den allermeisten Fällen ist nur ein Bein betroffen.

Allerdings kann der Hexenschuss auch mit Pseudo-Schmerzen einhergehen, die den Leiden beim Bandscheibenvorfall sehr ähneln. Dann sind auch die Gelenke zwischen den Wirbeln betroffen. Im Unterschied zu den Ischiasschmerzen sind sie eher bohrend und nicht stechend, sagt der Professor. Außerdem fehlen die Taubheitsgefühle und die Muskelschwäche im Bein.

Bei bis zu sieben Prozent der vom Hexenschuss Betroffenen werden die Schmerzen Experten zufolge chronisch. Das passiert vor allem bei jenen, die sich aus Angst vor Rückenschmerzen wenig bewegen. Durch diese Schonhaltung verspannen sich die Muskeln dauerhaft.

Auch bei Schmerzen sollte man sich bewegen

Bei anderen entwickelt sich ein Schmerzgedächtnis durch die ständigen Schmerzsignale an die Nerven. Sie werden dadurch so empfindlich, dass später kleinste Impulse ausreichen, um die Schmerzen auszulösen. Auch psychischer Stress kann Rückenschmerzen chronisch werden lassen, erklärt Orthopäde Buchholz.

Der Arzt kann die Diagnose meist anhand der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung stellen. Bei Verdacht auf schwerere Erkrankungen sind Röntgenaufnahmen, eine Magnetresonanztomografie sowie Untersuchungen des Blutes möglich.

Die Behandlung des Hexenschusses basiert auf aktiver Mithilfe des Patienten. Bei akuten Schmerzen helfen eine Wärmflasche oder ein Heizkissen, um die Muskeln zu entspannen. Wichtig ist es, sich sobald wie möglich wieder zu bewegen.

Vorbeugung mit Rückentraining

Regelmäßiges Spazierengehen hilft, den Körper besser zu durchbluten und den Bandscheiben mehr Nährstoffe zuzuführen. "Wenn möglich, sind mehrere kurze Spaziergänge am Tag ideal; auch leichtes Fahrrad-Ergometer-Training kann schnell zu einer Besserung beitragen", rät der Wiesbadener Sportmediziner Marco Gassen.

In der akuten Phase ist Physiotherapie empfehlenswert. Anschließend sollte sich kontinuierliches Rückentraining anschließen. Auf diese Weise lässt sich einem Hexenschuss gut vorbeugen.

Quelle: dapd/ph
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Kristall Sauna Therme   Ludwigsfelde in Brandenburg bei Berlin   das grov¸e Angebot fv r Baden Wellness und Sauna vor. FKK und Sportbad.
23.05.13Ludwigsfelde
Freizeitbad vor den Toren Berlins warnt vor Sextätern

Die Kristall Saunatherme in Ludwigsfelde geht nach sexuellen Übergriffen in dem FKK-Bad in die Offensive: In Zusammenarbeit mit der Polizei installierten die Verantwortlichen Videokameras. mehr...


Rammstein-Frontman Till Lindemann auf der Bühne in Moskau
23.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Freitag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 24. Mai. mehr...


In Häusern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben die Mietpreise relativ stabil. Im Durchschnitt stiegen die Mieten in Berlin um mehr als sechs Prozent
23.05.13Kommentar
Warum Berlin die hohen Mieten nicht hinnehmen darf

Die Berliner Durchschnittsmiete ist im Mietspiegel um mehr als sechs Prozent gestiegen. Vor allem Normalverdiener leiden darunter. Noch können und sollten wir aber gegensteuern, findet Jachim Fahrun. mehr...


Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
23.05.13Fußball
Finale 2015 der Champions League im Olympiastadion

Dieses Jahr bekommt Berlin die Fanmeile zum Champions-League-Finale – in zwei Jahren wird das Spiel hier im Olympiastadion stattfinden. Berlins Fußball-Präsident verspricht: "Wir können Fußball". mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
7 Tipps gegen Rückenschmerzen
  • Positionswechsel

    Der Rücken darf in alltäglichen Situationen nicht zu stark belastet werden. Wichtig ist es, ihn so oft wie möglich und in vielfältigen Positionen zu bewegen.

  • Laufen

    Laufen und Bewegen sind das A und O. Sitzen und Liegen sollte auf das Nötigste reduziert werden. Beim Liegen und Sitzen muss auf eine rückenschonende Position geachtet werden. Wichtig ist es, öfters aufzustehen und sich zu bewegen.

  • Bürogymnastik

    Sowohl im Büro als auch Zuhause ist mehrmals kurze Alltagsgymnastik ratsam. Ideal ist sanfte Gymnastik durch gleichmäßige Bewegungen in verschiedene Richtungen.

  • Hocken

    Jedes Heben ist eine Belastung für die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur. Beim Hochheben von Gegenständen sollte man in die Hocke gehen und nichts aus dem „Kreuz“ heben.

  • Wärme

    Der Rücken sollte durch angemessene Kleidung geschützt werden. Zugluft und Kälte sind die besten Voraussetzungen für einen Hexenschuss.

  • Sport

    Wöchentlicher Sport ist ein Muss für den Rücken. Nützlich sind schonende Sportarten wie (Rücken)Schwimmen oder Radfahren.

  • Dehnen

    Körperliche Anstrengungen mit kalter Muskulatur sollten vermieden werden. Die Rückenmuskulatur sollte mit einfachen Dehn- und Drehübungen vor einer körperlichen Anstrengung genügend aufgewärmt werden.

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
Deutsche Welle In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote