30.05.12

Ausbauplan

Spannung im Land – Wo die neuen Leitungen liegen

Jetzt kommt die Energiewende bei den Bürgern an: in Form von Leitungstrassen und neuen Kosten. Der Ausbauplan ist jetzt einsehbar.

Foto: DAPD
Plaene zum Ausbau des Stromnetzes stossen ueberwiegend auf Zustimmung
Die vier großen Betreiber von Übertragungsnetzen in Deutschland haben am Mittwoch den lang erwarteten "Netzausbauplan" für die kommenden zehn Jahre vorgelegt

Die vier großen Betreiber von Übertragungsnetzen in Deutschland haben am Mittwoch den lang erwarteten "Netzausbauplan" für die kommenden zehn Jahre vorgelegt. In groben, ungefähren Streckenverläufen haben die Unternehmen darin definiert, was an Leitungskapazitäten neu hinzugebaut werden muss, um den dezentral erzeugten Ökostrom zum Verbraucher zu transportieren. Insgesamt gehen die Unternehmen von einem Neubaubedarf von 3800 Kilometern aus. Auf weiteren 4000 Kilometer sollen bestehende Netze ausgebaut werden. Erstmals auf Europas Festland sollen auch große Gleichstromkabel (HGÜ-Verbindungen) gebaut werden.

Ziel sei es, eine stabile Verbindung zwischen den Windkraftanlagen im Norden Deutschlands und den Verbrauchszentren im Süden zu etablieren, sagte der Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet, Martin Fuchs. Der Netzausbau werde "das Tempo der Energiewende bestimmen". Bei dem Netzausbauplan handele es sich um "das vielleicht wichtigste Dokument der Energiewende". "Konkrete Trassenverläufe werden erst in der Bundesfachplanung durch die Bundesnetzagentur beziehungsweise in der Raumordnung durch die Genehmigungsbehörden der Bundesländer festgelegt", heißt es in einer Erklärung der vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW. Jetzt beginne zunächst ein öffentliches Konsultationsverfahren, an dem sich vom 30. Mai bis zum 10. Juli im Internet jeder Bürger beteiligen könne. Parallel dazu werden Informations- und Dialogveranstaltungen abgeboten. Danach werde der Netzplan überarbeitet und in der zweiten Augusthälfte an die Bundesnetzagentur übergeben. Nach der Bestätigung der Behörde werde der Plan dann zur verbindlichen Basis eines "Bundesbedarfsplans", der in Gesetzesform gegossen werde solle.

Unterirdische Kabel extrem teuer

Die Übertragungsnetzbetreiber haben den Investitionsbedarf auf 20 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren geschätzt. Der Betrag wird über die Netzentgelte auf die Stromrechungen der Verbraucher abgewälzt. Der Netzausbau habe damit an den Gesamtkosten der Energiewende "einen vergleichsweise geringen Anteil zwischen fünf und zehn Prozent", sagte Boris Schucht, der Geschäftsführer von 50Hertz.

Allerdings war die vorgelegte Kostenschätzung unvollständig. Denn nicht berechnet wurden Zusatzkosten, die anfallen, wenn Teilstrecken der neuen Leitungen unterirdisch, also als Erdkabel verlegt werden. Diese Bauvariante wird von Bürgerinitiativen meist vehement eingefordert. Erdkabel sind im Schnitt jedoch siebenmal teurer als oberirdische Trassen. Wenn also nur die Hälfte der nötigen neuen Strecken als Erdkabel realisiert wird, könnten sich die Netzkosten allein im Höchstspannungsbereich auf 80 Milliarden Euro vervielfachen.

Netze halten mindestens 30 Jahre

Hinzu kommen die Ausbaukosten für die lokalen Stromnetze auf der niedrigeren Spannungsebene, den sogenannten Verteilnetzen, die sich zumeist in der Hand von Stadtwerken oder regionalen Stromversorgern befinden. Experten haben den Ausbaubedarf hier auf weitere 30 Milliarden Euro taxiert. Der Anschluss der geplanten Offshore-Windparks dürfte mit zusätzlichen 15 Milliarden Euro zu Buche schlagen.

Der Netzbetreiber Tennet hatte bereits erklärt, schon die Offshore-Anbindungskosten nicht mehr alleine finanzieren zu können. Auf die Frage, ob das niederländische Staatsunternehmen dann überhaupt noch Kapital für die Realisierung des Netzausbaus im Binnenland habe, antwortete Tennet-Deutschland-Chef Fuchs vielsagend: "Deutschland kann das schaffen." Auch der Chef des Netzbetreibers TransnetBW aus Baden-Württemberg, Rainer Joswig, wollte nicht ausschließen, dass für den Netzausbau weitere Staatshilfen nötig seien: "Das kann sein." Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht in dem Netzentwicklungsplan allerdings eine Bestätigung für die Machbarkeit der Energiewende: "Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, sind die Herausforderungen gut zu bewältigen", stellt BEE-Präsident Dietmar Schütz fest.

Die veranschlagten Kosten hält der BEE für überschaubar. Die jetzt genannte Zahl von 20 Milliarden Euro müsse in Relation zur Wirkungsdauer der Investitionen gesetzt werden. Die betrage bei der Strominfrastruktur 30 bis 40 Jahre. "Geht man von diesen Eckdaten aus, bedeutet das nach unseren Berechnungen einen Betrag von maximal 0,5 Cent pro Kilowattstunde Strom", sagte Schütz. Verzicht auf Netzausbau wäre mittelfristig für den Verbraucher teurer.

Bedarf und Kosten für den Netzausbau auf der Höchstspannungsebene können zudem noch erheblich reduziert werden, wenn Bund und Länder den Ausbau der erneuerbaren Energien flächendeckend und dezentral vorantreiben. "Je mehr regenerative Kraftwerkskapazitäten wir in den einzelnen Regionen haben, desto geringer fällt der Bedarf an Fernübertragungsleitungen aus", sagte Schütz.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Die Norwegerin Margaret Berger gilt als Favorit
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Die Teilnehmer im Check

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
14:45Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...


Hoch hinaus: Breakdancer am Blücherplatz stimmen auf das Multi-Kulti-Fest ein
14:48Karneval der Kulturen
Bis Pfingstmontag ist Kreuzberg die Bühne der Welt

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Dazwischen machen viele Events Kreuzberg schön bunt. mehr...


Monumental: Anish Kapoor steht in seiner Installation aus Wachs „1st Body“
07:34Ausstellung
Starkünstler Kapoor zeigt sein Universum im Gropius-Bau

Tonnenschwere Installationen: Starkünstler Anish Kapoor aus London bespielt den Martin-Gropius-Bau mit spektakulären Großskulpturen aus Wachs, Pigmenten und PVC - seine erste große Schau in Berlin. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote