19.04.12

Umstieg auf Digital

Analoges Satelliten-TV verabschiedet sich

Wer nicht vor Schneegestöber sitzen will, sollte auf Digitaltechnik umrüsten. Denn über analoges Satelliten-TV läuft bald nichts mehr.

Von Thomas Jüngling und Ekkehard Kern
Foto: DPA
Satellitenschüsseln an Balkonen
Analog geht über Satellit bald gar nichts mehr: Am 30. April wird das analoge Sat-TV abgeschaltet

Auf den Bildschirmen von Millionen Fernsehzuschauern erscheint dieser Tage ein Laufband. Doch hier werden keine wichtigen Eilmeldungen verbreitet, die von zurückgetretenen Bundespräsidenten oder geplatzten Regierungen künden. Die eingeblendete Laufschrift informiert über den Umstieg von analoger auf digitale Satellitentechnik und ist existenziellerer Natur. Wer in der kommenden Woche nicht aktiv wird, sitzt ab Mai vor einem schwarzen Bildschirm. Dann werden die analogen Satelliten abgeschaltet. Deutlich mehr als eine Millionen Haushalte nutzt noch das herkömmliche TV-Signal, schätzte Klaus Hofmann vom Projektbüro klardigital vor wenigen Wochen.

Diese Zuschauer müssen nun rasch handeln, wollen sie kein "Schneegestöber" erleben. Im einfachsten Fall reicht ein neues Empfangsgerät (Receiver). Unter Umständen sind aber auch Arbeiten an der Satellitenschüssel nötig, die möglichst ein Experte durchführen sollte. Dann ist es mit dem pünktlichen Umschalten vielleicht schon zu spät, denn Stichproben haben ergeben, dass Handwerksbetriebe schon auf mehrere Wochen hinaus ausgebucht sind.

Technisch umrüsten

Ganz entspannt sein können Zuschauer, die ihre Fernsehprogramme über digitale Antennentechnik (DVB-T, "terrestrisch") oder über Kabelnetze (DVB-C, "cable") bekommen oder bereits mit digitaler Satellitentechnik ausgestattet sind. Das ist außer an den eingeblendeten Laufschriften, die nur Haushalte mit analoger Empfangstechnik erreichen, über die Videotextseite 198 der großen privaten und öffentlich-rechtlichen Programme zu sehen.

Wer noch ganz analog glotzt, muss unter Umständen technisch aufrüsten. Die Schüssel auf dem Dach kann allerdings weiter verwendet werden. Der unter der Schüssel nach vorn ragende LNB sollte den Frequenzbereich zwischen 11,7 und 12,75 Gigahertz abdecken. Die Daten dazu finden sich entweder auf dem Typenschild am Gerät oder im Datenblatt. Ein neuer LNB ist schon ab zehn Euro zu haben. Bei größeren Anlagen ist zudem noch der Multischalter, über den mehrere Fernseher mit den TV-Signalen versorgt werden, von einem Fachmann auszutauschen. Kostenpunkt: etwa 50 Euro. Schwierig und zeitraubend ist der Umstieg bei Gemeinschaftsanlagen für ganze Wohnblocks. Hier müssen der Eigentümer oder die Wohnungsbaugesellschaft aktiv werden.

In den Mietverträgen steht oft ein Passus, dass der Vermieter den TV-Empfang sicherstellt – mehr allerdings nicht. Einerseits muss er grundsätzlich die Kosten für die Umrüstung tragen, andererseits aber kann er die Miete erhöhen, wenn sich das TV-Angebot verbessert. Ob das durch die bloße Umstellung von analog auf digital schon erfolgt, ist rechtlich umstritten.

Bleibt noch der Austausch des Receivers. Von der Anschaffung eines Billig-Modells für 30 Euro ist abzuraten. Die Geräte können zwar digitale Programme empfangen, aber nicht in hoher Auflösung. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis HD der neue Standard wird. Das dürfte gerade 2012 zur Geltung kommen, wenn Sender die Olympischen Spiele, die Fußball-Europameisterschaft oder Kinofilme wie "Avatar" in scharfer HD-Qualität senden. Auch die Vielfalt an HD-Programmen ist gewachsen.

Um die neue Fernsehwelt nicht nur empfangen, sondern die bessere Qualität auch sehen zu können, muss es außerdem ein Flachbildfernseher mit "HD ready"- oder gleich "Full HD"-Technik sein. Die alten Röhrenmodelle kommen damit nicht zurecht. Bei der Wahl eines Receivers ist zu beachten, dass sich die öffentlich-rechtlichen HD-Programme grundsätzlich nicht nur wiedergeben, sondern auch aufzeichnen lassen, ebenso die der Privatsender – diese aber nur in Standardauflösung. Wer mehr will, muss für einen Receiver auch mehr bezahlen. Nur mit den teureren Modellen können Zuschauer zusätzlich verschlüsselt übertragene HD-Sendungen ansehen und aufzeichnen. Zu den codierten Programmen gehören die der Privatsender, die über die HD+-Plattform laufen, sowie die Kanäle des Pay-TV-Anbieters Sky.

Auf externer Festplatte speichern

Es ist ratsam, beim Fachhändler im Einzelnen nachzufragen, welches Modell was leisten kann. Grundsätzlich aber gilt: Geräte zwischen 60 und 90 Euro können nur unverschlüsselte Programme aufnehmen. Receiver für etwas mehr Geld verfügen zwar nicht über eingebauten Aufnahme-Speicher, können Sendungen aber über eine USB-Schnittstelle auf einer externen Festplatte ablegen.

Zwischen 150 und 250 Euro kosten Modelle mit eingebauter Festplatte, auf die sich aufgezeichnete Sendungen ablegen lassen. Bei den günstigeren Modellen dieser Klasse gilt das nur für unverschlüsselt übertragene, bei den teureren auch für codierte Sendungen. In den meisten Fällen können Fernsehzuschauer die im Receiver gespeicherten Aufnahmen nicht bearbeiten, da sie nur verschlüsselt vorliegen.

Ab 350 Euro gibt es Geräte, die zusätzlich noch Blu-ray-Disks abspielen können. Fast alle dieser Modelle können aber wiederum keine unverschlüsselten Programme aufzeichnen. Zum Empfang, zur Aufzeichnung und Weiterverarbeitung wirklich aller Programme bietet der Handel keine fertige Lösung an. Dafür muss der Zuschauer tief in die Materie einsteigen, und landet zudem rasch in einer rechtlichen Grauzone.

Für Zuschauer, die partout nicht auf die digitale Satellitentechnik umsteigen möchten, bleiben drei Auswege: zum einen der TV-Empfang via Internet (Fernsehen per Internet Protocol, IP-TV). Dafür muss aber eine schnelle DSL-Leitung bereitstehen. Zum zweiten der Empfang über DVB-T, wenn auch mit eingeschränkter Programmvielfalt. Der dritte Weg ist der Wechsel vom Satelliten- zum Kabelempfang. Betreiber wie Kabel Deutschland werben intensiv um verunsicherte Sat-Nutzer. Zu den neuesten Angeboten gehören Komplettpakete, die auch den Service beinhalten, die Satellitenschüssel gleich abbauen und entsorgen zu lassen.

Satelliten-Receiver im Test:

www.morgenpost.de/printarchiv/wissen/article1915660/Wie-gut-sind-Satelliten-TV-Empfaenger.html

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