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05.03.09

Geschlechter-Studie

Risikobereitschaft ist anerzogen, nicht angeboren

Die Erziehung trägt maßgebend dazu bei, dass Frauen Risiken und Wettstreitereien eher scheuen als Männer: In einem Experiment haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Schülerinnen in reinen Mädchenschulen fernab der Eltern im Durchschnitt ebenso risikobereit sind wie Jungen.

© pa
Junge rothaarige Frau streckt frech ihre Zunge raus

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge sind Geschlechterunterschiede im Risiko- und Wettbewerbsverhalten dafür verantwortlich, dass Frauen weniger verdienen als Männer und in Führungspositionen unterrepräsentiert sind. Auch leistungs- oder erfolgsorientierten Entlohnungsmodellen stehen sie ablehnender gegenüber. Bisher nicht berücksichtigt wurde hierbei allerdings die Frage, ob Frauen von Natur aus Risiken meiden oder erst durch äußere Einflüsse dazu veranlasst werden.

Dieser Frage gingen nun die Forscher Alison Booth und Patrick Nolen von der Universität Essex in einem breit angelegten Verhaltensexperiment auf den Grund, das vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht wurde. Für ihre Studien verglichen die Forscher drei Schülergruppen: Schülerinnen reiner Mädchenschulen sowie Mädchen und Jungen aus gemischten Klassenverbänden.

In einem ersten Experiment wurden die Probanden vor die Wahl gestellt, eine garantierte Geldsumme zu erhalten oder durch Münzwurf den Betrag mehr als zu verdoppeln, wobei die Möglichkeit bestand, einen Teil des Geldes einzubüßen. Während die Schülerinnen der gemischten Schulen eindeutig die Sicherheitsvariante bevorzugten, entschieden sich ihre Altersgenossinnen der reinen Mädchenschulen ebenso häufig für die risikoreiche Variante wie die Jungen.

In einem weiteren Versuch ergaben sich vergleichbare Ergebnisse für die Teilnahme an Wettbewerben. Die Probanden sollten bestimmte Aufgaben lösen und hatten dabei die Wahl zwischen einem "Stücklohn" und einem Leistungswettbewerb, bei dem nur der beste Teilnehmer einer Vierergruppe entlohnt wurde. Auch hier entschieden sich die Schülerinnen der Mädchenschulen fast ebenso oft für die Wettbewerbsvariante wie ihre männlichen Mitstreiter, während die Schülerinnen der gemischten Schulen einem Leistungsvergleich bevorzugt aus dem Wege gingen - insbesondere wenn Jungen in der Versuchsgruppe vertreten waren.

Daraus folgern die Wissenschaftler, dass erzieherische Einflüsse und der soziale Umgang mit Gleichaltrigen die Entwicklung "typisch weiblicher" Verhaltensweisen verstärken, die mitunter im Berufsleben zu Nachteilen führen können.

Allerdings warnen die Autoren davor, die Studie als Plädoyer für reine Mädchenschulen zu interpretieren. "Insgesamt könnten die positiven Effekte eines gemischtgeschlechtlichen Lernumfeldes durchaus überwiegen", erklärt Patrick Nolen. "Unsere Studie legt jedoch nahe, dass Eltern und Lehrer verstärkt darauf hinarbeiten sollten, die Herausbildung potenziell schädlicher Geschlechterstereotypen in einem solchen Umfeld zu minimieren."

Quelle: jam
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