19.11.2008, 19:00

Paläontologie Die Wiederauferstehung des Mammuts rückt näher

80 Prozent des Genoms des ausgestorbenen Wollmammuts sind entschlüsselt.

Foto: dpa

80 Prozent des Genoms des ausgestorbenen Wollmammuts sind entschlüsselt. Foto: dpa

Mit ihren dichten Haaren waren Mammuts bestens an die Kälte angepasst. Für Forscher haben Mammuthaare einen anderen Vorteil: Sie sind eine Quelle für sehr alte DNA. So konnte jetzt das Mammut-Erbgut entschlüsselt werden. Das beflügelt die Fantasien von einer Wiederbelebung der gewaltigen Urtiere.

Ein amerikanisch-russisches Forscherteam hat das Erbgut des Mammuts zu weiten Teilen entziffert. Es sei das erste Genom einer ausgestorbenen Tierart, das in größerem Umfang vorliege, berichtet das britische Wissenschaftsjournal "Nature", in dem die Forscher ihre Arbeit vorstellen.

Die Wissenschaftler sammelten für ihre DNA-Analyse Haarproben von zwei Mammuts, die seit Jahrtausenden im Eis eingefroren waren. Auf diese Weise rekonstruierten sie etwa 70 Prozent des Mammuterbguts. Andere Forscher hatten zuvor nur kleine Bruchstücke des Genoms sequenziert.


Das Erbgut der ausgestorbenen eiszeitlichen Elefantenart (Mammuthus primigenius) unterscheidet sich in der Analyse nur um etwa 0,6 Prozent von dem seines engsten heute lebenden Verwandten, dem Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana), schreiben die Forscher um Stephan Schuster von der Pennsylvania State University. Damit sind die Genomunterschiede nur etwa halb so groß wie zwischen dem Menschen und seinem nächsten Verwandten, dem Schimpansen. Dabei haben sich Mammut und Elefant im Laufe der Evolution ungefähr zeitgleich voneinander getrennt wie Mensch und Schimpanse, vielleicht sogar noch etwas früher.

Haare im Eis gut konserviert

Für die Analyse hatten die Forscher Haare von zwei sibirischen Mammutexemplaren verwendet. Ein Exemplar lag rund 20.000 Jahre im Eis, das andere sogar etwa 60.000. Haare sind eine ideale Quelle für sehr alte DNA, weil sie weit weniger mit Bakterien und Pilzen verunreinigt sind als etwa Knochen, wie Michael Hofreiter vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie schreibt.

Insgesamt konnten die Wissenschaftler 4,17 Milliarden Basenpaare sequenzieren, von denen sich 3,3 Milliarden, das sind 80 Prozent, als Mammut-DNA erwiesen. Anhand der Erbgutgröße des Afrikanischen Elefanten, dessen Genom fast anderthalb Mal so groß geschätzt wird wie das menschliche, rechnen die Forscher hoch, dass sie etwa 70 Prozent des Mammut-Erbguts entziffert haben. Dabei stießen sie auch auf Gene, die in einem Vergleich von 50 verschiedenen Säugetierarten nur beim Mammut vorkommen.


Die jetzt vorliegende Arbeitsversion des Mammuterbguts sei allerdings noch zu lückenhaft und fehleranfällig, um daraus Standardgene dieser Tierart abzuleiten, betont Hofreiter. Dennoch beflügelt die Arbeit Fantasien über die Wiederbelebung des Mammuts. So hatten japanische Forscher kürzlich erfolgreich Mäuse geklont, die ungeschützt 16 Jahre lang im Tiefkühlschrank lagen. Die verwendete Technik sahen sie auch als denkbaren Weg zur Wiedererweckung ausgestorbener Tierarten wie dem Mammut.

Laut "Nature" gebe es durchaus Visionen, das Mammut mit moderner Biotechnologie wiederauferstehen zu lassen. Da bislang jedoch keine intakten Mammut-Zellkerne gefunden worden sind, müssten dazu zunächst künstliche Chromosomen hergestellt und in einen Zellkern gebracht werden – aus heutiger Sicht Science-Fiction.

Anschließend könnte mit Hilfe von Eizellen von Elefanten versucht werden, Mammuts zu klonen, die dann von den Elefanten-Leihmüttern ausgetragen werden müssten. Allerdings hat noch nie jemand versucht, einen Embryo künstlich in eine Elefanten-Gebärmutter einzusetzen, und auch die Gewinnung von Elefanten-Eizellen ist mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Der gesamte Prozess ist "Nature" zufolge nach dem heutigen Stand der Technik unmöglich, aber scheint nicht für alle Zukunft ausgeschlossen.

(dpa/mh)
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