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25.02.09

Medizin

Neurale Stammzellentherapie führt zu Hirntumoren

Schwerer Dämpfer für die Stammzellenforschung: Israelische Forscher berichten erstmals über die Entwicklung von Hirntumoren aus transplantierten neuralen Stammzellen. Als Beleg für das erhöhte Risiko dieser Therapieform gilt ihnen die Krankengeschichte eines neunjährigen Jungen.

© dpa
Embryonale Stammzellen
Neurale Stammzellen können auch aus abgegangenen Föten gewonnen werden.

Aus transplantierten neuralen Stammzellen können sich Hirntumore entwickeln. Die berichtet nun erstmals ein israelisches Forscherteam in der aktuellen Ausgabe von PLoS Medicine. Im vorliegenden Fall war ein damals 9-jähriger Junge mit Louis-Bar-Syndrom (auch Ataxia teleangiectatica) seit Mai 2001 in Moskau mehrmals mit neuralen Stammzellen behandelten worden:


Bei dem Louis-Bar-Syndrom handelt es sich um eine vererbte Erkrankung, die unter anderem durch Gang- und Standunsicherheit mit Kleinhirnatrophie (Substanzschwund), Störungen der Augenbewegungen sowie physischer und psychischer Entwicklungsrückstände gekennzeichnet ist. Die betroffenen Kinder haben außerdem eine verminderte Immunkompetenz, so dass sie zu Infekten neigen und weitaus häufiger als die Normalbevölkerung Leukämien und Tumorerkrankungen entwickeln. Ursache der Erkrankung ist eine Mutation des ATM-Gens auf einem spezifischen Chromosomenabschnitt. Der Gendefekt führt auch zu Störungen der DNA-Reparatur und der Zellzykluskontrolle.


Neurale Stammzellen, die im Rahmen von Aborten aus menschlichen Feten gewonnen werden, gelten nicht nur für die Korrektur vererbter Erkrankungen als geeignet, sondern auch als therapeutische Alternative bei häufigeren neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson-Erkrankung oder Multiple Sklerose. Diese Therapieform gilt jedoch als riskant, da sich Tumore aus den transplantierten Stammzellen entwickeln könnten, deren biologisches Entwicklungspotenzial schwer vorhersagbar und noch unzureichend verstanden ist.

Die Krankengeschichte des jungen Patienten belegt nach Ansicht der Forscher nun endgültig, dass diese Sorgen berechtigt sind. So zeigten sich bei dem Patienten vier Jahre nach Beginn der Injektion neuraler Stammzellen in Gehirn und Gehirn-Flüssigkeit mehrere, langsam wachsende Tumore. Dass das Tumorgewebe des betroffenen Patienten von den transplantierten Zellen abstammte, konnte jedoch durch molekularbiologische Methoden zweifelsfrei belegt werden: Die transplantierten Zellen stammten sogar von zwei Spendern. Unter anderem fanden sich männliche und weibliche Zellen im Tumor. Zudem trugen die Tumorzellen nicht den Gendefekt, der für das Louis-Bar-Syndrom verantwortlich ist. Die relative Immunschwäche vieler Patienten mit dieser Erkrankung mag jedoch die Tumorentstehung begünstigt haben.

Dies sei zweifellos ein Rückschlag für die Entwicklung zellbasierter Therapien mit neuralen Stammzellen zur Korrektur definierter genetischer Defekte, beurteilt Michael Weller von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) die Forschungsergebnisse.

Allerdings sei die Forderung nach einem generellen Verzicht auf zellbasierte Therapien aufgrund dieses Rückschlags nicht gerechtfertigt, so der Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsspital Zürich weiter. Vielmehr zeige die Studie, wie wichtig internationale Standardisierungen und Optimierungen dieser Therapieform sind. Mit ihr sind weltweit große Hoffnungen auch bei der Therapie von weit verbreiteten Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Multiple Sklerose verbunden.

Andererseits müssen aber die ebenfalls erheblichen Nebenwirkungen vieler anderer, derzeit eingesetzter Therapien und der lebensbedrohliche Charakter vieler Erkrankungen beachtet werden. Die Forderung nach einem generellen Verzicht auf zellbasierte Therapien aufgrund solcher Rückschläge erscheine darum nicht gerechtfertigt.

Quelle: oc
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