15.02.2008, 16:56

Eiszeit am Südpol Leben hing am seidenen Faden

Foto: pa

Eine deutsch-britische Studie zeigt, dass während der Kälteperioden der antarktische Dauereisgürtel weiter nach Norden reichte als vermutet. Die extremem Bedingungen hätten nur die Weltmeister der Kälteanpassung, Kaiserpinguine und Schneesturmvögel, überleben können, folgern die Forscher.

Die extreme Kälte habe dagegen viele der anderen robusten Tiere zum Auswandern gen Norden gezwungen, schreiben Sven Thatje von der Universität Southampton und Kollegen in ihrer Untersuchung, die jetzt auf der Jahrestagung des US-Wissenschaftsverbands AAAS in Boston veröffentlicht wurde.

"Zu verstehen wie sich die erstaunliche antarktische Fauna entwickelt hat und Eiszeiten bewältigte, wird uns dabei helfen, ihre Empfindlichkeit für die derzeitige Klimaerwärmung einzuschätzen", sagte Thatje. Zusammen mit Forschern vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut und vom British Antarctic Survey in Cambridge untersuchte er geologische und genetische Daten.

Es zeigte sich, dass während der extremen Kälteperioden der Dauereisgürtel wesentlich weiter nach Norden reichte als heute – teilweise sei die damalige Sommer-Eisgrenze mit der heutigen Winter-Eisgrenze identisch gewesen. Auch war die Eisschicht lückenlos und dicker. Dadurch sei die Futterzufuhr für viele Tiere zu Wasser und zu Land abgeschnitten gewesen.

Vor allem größere Tiere wie Wale, Robben und Pinguine sind heute wie damals von offenen Wasserstellen abhängig, sogenannten Polynjas. Diese teils mehrere zehntausend Quadratkilometer großen Lücken in der Eisdecke entstehen unter anderem, wenn wärmeres Wasser nach oben dringt und damit mikroskopisch kleinen Algen das Überleben ermöglicht, die den Ursprung der antarktischen Nahrungskette bilden.

Während der Eiszeiten hat es der Untersuchung zufolge nur noch vereinzelte Polynjas gegeben, die für größere Tiere nicht ausreichend waren. Daher mussten diese Arten nach Norden ins offene, eisfreie Meer ausweichen.

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