20.04.07

Attraktivitätsforschung

Welcher Gang Frau und Mann sexy macht

Schwungvoller und federnd oder entschlossen und kräftig: Die Art und Weise wie sich ein Mensch bewegt, besonders sein Gang ist unverwechselbar. Doch welches Gangbild fasziniert das jeweils andere Geschlecht am meisten, welche Bewegungen strahlen sexuelle Attraktivität aus? Eine Studie liefert jetzt Antworten.

Foto: Picture Alliance
Männer lieben den typischen Cat Walk, Frauen den breiten Männergang mit schwankendem Oberkörper
Männer lieben den typischen Cat Walk, Frauen den breiten Männergang mit schwankendem Oberkörper

Stellen Sie sich vor, Sie holen eine Freundin vom Bahnhof ab. Die Türen gehen auf und Reisende überfluten den Bahnsteig. Sie schauen suchend in die Menge und entdecken schon ihre Freundin, obwohl sie noch weit von ihnen entfernt ist. Sie können ihr Gesicht oder andere charakteristische Merkmale wie Kleidung, Stimme oder Frisur noch lange nicht erkennen, oder hören. Das einzige Informationsmerkmal, was Sie wahrnehmen, ist ihr Gang. Einmalig und unverwechselbar, die Art und Weise wie nur sie sich bewegt.

"Deine Schritte kennt sie, deinen zieren Gang", heißt es schon bei Lili Marleen. Aber was ist ein "zierer" Gang? In einer originellen Bewegungsstudie, veröffentlicht im Forschungsmagazin Rubin fanden Forscher der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Professor Nikolaus Troje heraus, welches Gangbild das jeweils andere Geschlecht am meisten fasziniert. Ein schwungvoller federnder Gang kommt bei Männern sicher super an: Irren ist menschlich – und in diesem Fall weiblich. Werden Frauen gefragt, welche Geschlechtsgenossinnen Männer attraktiv finden, unterscheiden sich ihre Antworten eindeutig von denen der Männer. Und das allein aufgrund der Gangart. Die Forscher fanden heraus, welches Gangbild das jeweils andere Geschlecht am meisten fasziniert.

Bewegungswahrnehmung spielt in der Natur eine zentrale Rolle. Sie entscheidet unter anderem über Flucht und Angriff, soziale Verhaltensweisen und sexuelle Attraktivität, erläutert Troje. Im Labor "BioMotionLab" der Fakultät Psychologie untersuchte man mit einem raffinierten Verfahren, wie das Gehirn komplexe Bewegungsmuster verarbeitet. Rund 100 Testpersonen steckte man in dunkle Kleider und befestigte an einigen Gelenken reflektierende Folienpunkte. Im dunklen Raum waren zunächst nur die Punkte zu sehen, beim Laufen aber wurden in von Sekundenbruchteilen die Menschen sichtbar.

Testpersonen, denen man diese Laufdaten am Monitor vorspielte, vermochten in drei Viertel der Fälle an der Bewegung der Körpersilhouette zu erkennen, ob es sich um Männer oder Frauen handelte. Bei den Erkennungsmerkmalen bestätigten sich altbekannte Prototypen: Ein echter Mann geht wie der Held im klassischen Westernfilm – breitbeinig, mit herausgestellten Ellenbogen und starken seitlichen Bewegungen der Schulter.

Insgesamt zeigte sich in der statistischen Übertreibung der Unterschiede im Laufverhalten von Frauen und Männern etwas, das die Spezies Mensch mit vielen Tieren verbindet. Der Mann setzt offenbar alles daran soviel Platz einzunehmen wie möglich und sich größer und breiter zu machen als er ist – so wie ein Taubenmännchen sich aufplustert oder der männliche Löwe seine Mähne sträubt, vergleicht Troje.

Frauen nehmen sich diesbezüglich zurück und setzen offenbar subtilere Signale ein. Sie laufen "dezenter". Frauen präsentieren sich eher schmal und halten beim Gehen die Ellenbogen nah am Körper. Den Oberkörper bewegen sie kaum, drehen aber mehr die Hüften.

Um nähere Erkenntnisse über die Körpersprache zu gewinnen, forderte man die Testpersonen nach dem "Erkennungstest" auf, die sexuelle Attraktivität der Punkt-Licht-Läufer/-innen zu bewerten. Was den Sex-Appeal der männlichen Läufer betrifft, waren sich die Beobachter beiderlei Geschlechts einig: Nicht der klassische Cowboy, sondern ein Mann, dessen Gang eine Komposition von Schwung, Kraft und Entschlossenheit zeigt, wirkt attraktiv.

Was die Fortbewegung der Damen angeht, klafften die Ansichten allerdings auseinander. Eine für Männer attraktive Frau macht Schritte, bei denen ihre Füße eng nebeneinander auftreten. Männer lieben bei Frauen den typischen "Cat Walk", wie ihn die Mannequins auf dem Laufsteg hinlegen: Sie setzen ihre Füße eng auf einer geraden Linie auf, im Extremfall überkreuzen sich die Beine sogar. Den breiten Männergang mit schwankendem Oberkörper darf sich eine Frau dagegen keinesfalls leisten: Das, so das Urteil der Herren, wirkt total unattraktiv. Frauen sehen das komplett anders. Für sie ist schwungvoll sexy – und alles andere eher verkrampft.

Quelle: Heike Stüvel
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