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Militärtechnik

Kampfroboter mit der Lizenz zum Töten

Wir stehen vor einer neuen technischen Revolution: Schon bald sollen Roboter im Haushalt, im Krankenhaus und bei der Altenpflege eingesetzt werden. Beim Militär sind Roboter hingegen längst Routine – Ingenieure entwickeln immer intelligentere Kampfmaschinen für den Kriegseinsatz. Kritiker warnen vor dem Verlust jeglicher Hemmschwellen.

US-Armee will das Talon Sword im Irak einsetzen
Foto: dpa

Wenn Roboter ethische Regeln einprogrammiert bekommen, können die Folgen unvorhersehbar sein. In Film und Literatur wird dies schon länger thematisiert: In Isaac Asimovs Science-Fiction-Klassiker „I, Robot“ verbietet das oberste Robotik-Gesetz den künstlichen Intelligenzen zwar, Menschen zu verletzen. Die Maschinen kommen aber zu dem Schluss, die Menschheit würde sich früher oder später selbst zerstören. Und um sie davor zu schützen, übernehmen die Roboter die Herrschaft über ihre Schöpfer.

Doch auch jenseits der Science Fiction gewinnen Fragen nach dem ethischen Verhalten von „intelligenten“ Maschinen durch den Fortschritt in der Robotertechnik zunehmend an Bedeutung. In absehbarer Zeit könnten Roboter im Haushalt zum Alltag gehören. Und bereits 2005 stellten die USA der Öffentlichkeit bewaffnete Roboter für den Einsatz im Irakkrieg vor. Im Pentagon beschäftigten sich die Juristen mit der Frage, ob künftig Maschinen im Kriegseinsatz über Leben und Tod entscheiden könnten und dürften, hieß es schon damals. Südkorea machte Anfang 2007 Schlagzeilen mit dem scharf schießenden Überwachungsroboter „Robocop“, der zu Testzwecken an der Grenze zu Nordkorea eingesetzt wurde.

Was bedeutet das für den Umgang der Nutzer mit den Maschinen? Sollen künstliche Wesen tatsächlich Entscheidungen über Leben und Tod treffen? Ronald Arkin vom Georgia Tech College, der für die US-Armee Programme für Kampfroboter entwickelt, traut den Maschinen viel zu. Der „New York Times“ sagte er, Roboter könnten moralisch einwandfreier handeln als Soldaten. Da der Roboter keine menschlichen Gefühle wie Rache oder Wut kenne, könne er keine Kriegsverbrechen begehen. Voraussetzung sei lediglich die richtige Programmierung, etwa nach den Grundsätzen der Genfer Konventionen. Außerdem habe eine intelligente Maschine keinen Selbsterhaltungstrieb und könne sich daher näher an den Feind heranwagen, um ihn zur Kapitulation aufzufordern.

Rafael Capurro, Professor für Informationsethik an der Hochschule der Medien Stuttgart, ist da skeptischer: „Programme sind nicht in der Lage, moralische Regeln in ihrer ganzen Komplexität zu reflektieren.“ Capurro ist am EU-geförderten „Ethicbots“-Projekt beteiligt, das sich den Problemen des Zusammenlebens von Mensch und Maschine widmet. Im Krieg seien Situationen möglich, in denen diese einprogrammierten Regeln immer wieder neu der Lage angepasst werden müssten, so Capurro. Die Ethicbots-Studie enthält deshalb den Vorschlag, die Ausstattung autonomer Roboter mit Massenvernichtungswaffen international zu verbieten.

Außerdem sieht Capurro das Problem der Verantwortung, sollte ein bewaffneter Roboter doch einen schwerwiegenden Fehler begehen. Liegt diese dann beim Programmierer, beim Hersteller oder bei der Armee? Lukas Ohly, Privatdozent für Religionsphilosophie an der Universität Frankfurt am Main, glaubt nicht, dass es durch einen Kriegseinsatz von Kampfrobotern weniger Opfer geben würde. „Zwischen den Gegnern gibt es keinen direkten Kontakt mehr“, sagt der evangelische Theologe, „dadurch sinken die Hemmschwellen."

Bei der Entwicklung von Regeln für das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine sind die Südkoreaner vorne mit dabei. Anfang 2007 hat das Handelsministerium eine Kommission gebildet, die ethische Leitlinien für die Rollen von intelligenten Robotern entwickeln soll. Denn im Haushalt, bei der Pflege alter Menschen und in der Kinderbetreuung könnten künstliche Wesen schon bald alltäglich sein, sind die Roboterhersteller in dem asiatischen Land überzeugt. Ausdrücklich wollte sich das Gremium auch an Isaac Asimovs Robotik-Gesetzen von 1942 orientieren.

Wie Roboter denn wirklich zu ethischen Wesen werden könnten, fragten sich auch der Philosoph Colin Allen von der Universität Indiana und der Bioethiker Wendell Wallach von der Yale Universität. In ihrem Buch „Moral Machines: Teaching Robots Right from Wrong“ kommen sie zu dem Schluss, Roboter müssten wie Kinder stetig dazulernen und menschliche Gefühle verstehen können. Dann entwickelten sie am ehesten eine Sensibilität dafür, wie Menschen entscheiden, was richtig und was falsch ist.

Die Frage nach dem sozialen Umgang mit Robotern sei deshalb aktuell geworden, weil diese zunehmend aus den Werkshallen heraus- und in den Alltag der Menschen einträten, erklärt Rafael Capurro. Er hält es aber für "zynisch, sich jetzt mit der praktischen bzw. ethischen Frage zu befassen, ob wir in einer wohl sehr fernen Zukunft Robotern gegenüber moralisch verpflichtet sein müssen“ angesichts der Tatsache, dass bereits jetzt sechs Milliarden Menschen auf der Erde existieren, denen wir moralisch verpflichtet sind. Von Robotern mit Bewusstsein seien wir meilenweit entfernt. „Jede Ameise ist klüger als der intelligenteste Roboter“, sagt der Informationsethiker.

Informationen zu den Genfer Konventionen: http://www.drk.de/voelkerrecht/genfer_konventionen/ epd/oc



Erschienen am 26.01.2009

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