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16.01.08

Toxikologie

Vier Zehen Knoblauch gegen Arsenvergiftung

In weiten Teilen Bangladeschs ist das Trinkwasser mit hohen Mengen von Arsen kontaminiert. Bei einem Großteil der Bevölkerung hat sich das Gift im Körper angereichert. Jetzt hat eine indische Forscherin möglicherweise ein höchst wirksames Mittel gegen die Vergiftungen entdeckt: Knoblauch.

© pa
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Knoblauch könnte für Millionen Bangladescher die Rettung vor Arsenvergiftungen sein: Das hat eine indische Forscherin im Tierversuch entdeckt. Wie das Wissenschaftsmagazin Food and Chemical Toxicology berichtet, reduziert das Zwiebelgewächs die Arsenwerte im Körper der Tiere drastisch.

Keya Chauhuri von Indischen Institute of Chemical Biology in Kolkata und ihre Kollegen haben Ratten arsenhaltiges Trinkwasser verabreicht. Die Arsen-Belastung entsprach solch hohen Werten, wie sie in weiten Teilen von Bangladesch und in West Bengalen vorkommen. Ratten, denen Knoblauch verabreicht wurde, hatten demnach um 40 Prozent weniger Arsen in ihrem Blut und in ihrer Leber als jene, die keinen Knoblauch erhielten. Gleichzeitig hatten die Knoblauch-Nager um 45 Prozent höhere Arsenwerte in ihrem Urin als die unbehandelten Tiere.


Chaudhuri ist der Ansicht, dass schwefelhaltige Substanzen wie etwa das Allicin im Knoblauch das Arsen aus dem Blut und aus dem Gewebe reinigen. Die Forscherin hat an die Menschen in den Risikogebieten den Appell gerichtet, rund drei Zehen Knoblauch täglich als Prävention zu essen.


Seit der Unabhängigkeit von Pakistan im Jahr 1971 hat Bangladesch mit Hilfe von internationalen Entwicklungshilfegeldern die Trinkwasserversorgung von kontaminiertem Oberflächenwasser auf Brunnenwasser umgestellt. Rund zehn Miollionen solcher Brunnen wurden errichtet und die Zahl der Todesfälle ging zurück. Was damals allerdings niemand erahnen konnte, war die hohe Belastung des Brunnenwassers mit Arsen.

Indische Dermatologen haben bereits in den 1980er Jahren Arsenvergiftungen in West Bengalen festgestellt. Umweltwissenschaftler von der Jadavpur University in Kalkutta konnten nachweisen, dass viele Brunnen der Region stark mit Arsen kontaminiert waren. In der Zwischenzeit wurde bekannt, dass mehr als 30 Prozent aller Brunnen mehr als 50 Mikrogramm Arsen pro Liter Wasser aufweisen.

Eine akute Vergiftung mit Arsen führt zu Krämpfen, Übelkeit, Erbrechen, inneren Blutungen, Durchfall und Koliken, bis hin zu Nieren- und Kreislaufversagen. Bei schweren Vergiftungen ist auch die Haut betroffen, die sich dann feucht und kalt anfühlt. Der Betroffene kann ins Koma fallen. Als tödliche Dosis gilt eine Einnahme von 60 bis 170 Milligramm.

Die Ursache der Arsenbelastung liegt in der Topographie der Region: Bangladesch befindet sich an einem der größten Flussdeltas der Welt. Die Flüsse Ganges, Brahmaputra und Meghna fließen hier in den Golf von Bengalen und haben über 250 Millionen Jahre mit ihren Ablagerungen dieses Delta gebildet. "Die meisten der vergifteten Brunnen sind flach und reichen nur zwischen zehn und 70 Meter tief. Als vor ca. 18.000 Jahren die Meeresspiegel um 100 Meter fielen, schnitten sich die Flüsse tief in die Sedimentbetten ein. In den darauf folgenden Jahren füllten sich die Täler mit einem grauen Ton, der als Träger des Arsens vermutet wird.

Neben dem tatsächlich konsumierten Trinkwasser findet man allerdings auch Arsen in der Hauptnahrungspflanze der Region - dem Reis. Vor allem in den trockenen Monaten wird das Wasser aus den Brunnen zur Bewässerung herangezogen. Die Folge war auch hier dramatisch: Die Konzentration in den Reiskörnern ist um das bis zu Zehnfache angestiegen.

Bangladesch und Indien sind allerdings nicht die einzigen Länder mit arsenhaltigem Trinkwasser. Auch in Nepal, Vietnam, China, Argentinien, Mexiko, Chile, Taiwan, der Mongolei und den USA wurden erhöhte Arsenwerte im Wasser gefunden.

Quelle: pte/oc
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