Stadtgeschichte
Berlin hat wieder einen Zietenplatz
Samstag, 10. Januar 2009 12:43 - Von Thomas FüllingLange einer der vergessenen Orte der Stadt, strahlt das Areal an der Mohrenstraße jetzt in neuem Glanz. Für 1,5 Millionen Euro neu gestaltet, erhält der in den nächsten Tagen seinen ursprünglichen Namen zurück. Die Zeit des Ernst-Thälmann-Platzes ist endgültig vorbei.
Berlin hat einen seiner ältesten Stadtplätze zurückbekommen. Nach fast dreijährigen Bauarbeiten wurde der neu gestalteten Zietenplatz der Öffentlichkeit übergeben. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bezeichnete die 1,5 Millionen Euro teure Rekonstruktion des Areals oberhalb der U-Bahn-Station Mohrenstraße als wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung historisch bedeutsamer Stadträume. „Wir haben ein Stück Geschichte in das öffentliche Bewusstsein zurückgeholt.“ In Kürze soll das 1849 nach dem Preußen-General Hans Joachim Zieten (1699–1786) benannte und zu DDR-Zeiten in Ernst-Thälmann-Platz umbenannte Areal auch formell den historisch belegten Namen zurückerhalten. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) kündigte eine Umbenennung „noch vor der Sommerpause“ an.
Nutzung als unansehnliche Auto-Abstellfläche
Trotz prominenter Lage zählte das Areal zwischen Wilhelm- und Mauerstraße lange Jahre zu den vergessenen Orten der Stadt. Das dürfte nicht zuletzt an seiner Verbautheit und der Nutzung als unansehnliche Auto-Abstellfläche gelegen haben. Im Zweiten Weltkrieg war die Doppelanlage Wilhelmplatz/Zietenplatz aufgrund ihrer Nähe zu Hitlers Reichskanzlei bei Bombenangriffen fast dem Erdboden gleichgemacht worden. Erst 1973 begann in DDR-Zeiten eine Neubebauung mit der architektonisch avantgardistischen Botschaft der damaligen CSSR, dem Kasten in Betongrau für Nordkoreas diplomatische Vertretung sowie den Edelplattenbauten an der heutigen Wilhelmstraße. Dabei sind große Teile des früheren Wilhelmplatzes verschwunden.
Neue Anrainer wurden in den 1990er-Jahren das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Vertretung des Bundeslandes Thüringen, die sich ebenfalls für eine Neugestaltung der Doppelplatzanlage einsetzten. Doch für den ersten Schritt sorgte schließlich die private Schadow-Gesellschaft, die zwei der einst sechs auf dem Platz präsenten Standbilder preußischer Generäle restaurieren und wieder aufstellen ließ: 2003 die Statue von Hans Joachim von Zieten („Zietenritt“), 2005 schließlich das Abbild von Leopold von Anhalt-Dessau („Alter Dessauer“). Klaus von Krosigk vom Landesdenkmalamt sprach sich dafür aus, auch die vier nicht von Schadow geschaffenen Statuen wieder aufzustellen: „Das ist doch besser, als wenn sie weiter in meinem Depot versauern.“
Erschienen am 06.06.2007
















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