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08.10.07

Genetik

Craig Venter baut ein Kunst-Chromosom

Wenn es stimmt, was Craig Venter laut der britischen Zeitung "The Guardian" in seinem Labor geschaffen haben soll, ist das eine Sensation: Ein künstliches Chromosom. Die genetische Ausstattung jedes Menschen ist fast unsichtbar im Zellkern versteckt – ein kompliziertes, filigranes Gebilde, ein Buchstabensalat, perfekt konstruiert.

© AFP
Craig Venter im Juni 2007 auf seinem Forschungsschiff
Craig Venter im Juni 2007 auf seinem Forschungsschiff

Fein justierte, molekulare Kräfte halten die Chromosomen zusammen, falten sie, verknäuelen sie, um sie nach Bedarf zu entflechten. Alles an den Chromosomen ist Bedeutungsschwer: Ihre Form, ihre Bewegungen, ihre Substanz. Mindestens genauso kompliziert wie die Matrix ist die Maschinerie von Molekülen, die sich auf dem Erbgut tummeln und die Chromosomen in Bewegung und am Leben erhalten.

Bisher fixierte sich Craig Venter immer nur auf die nackte DNA. Er vertiefte sich in den Buchstabenreihen wie ein Mathegenie in seinen Formeln und zog damit zu guter Letzt auch den Hohn der Branche auf sich. Sind sich inzwischen doch die meisten einig, dass der blanke Code der Gene als Informationsquelle eher nutzlos ist. Aber jetzt wagt sich Venter ans Eingemachte. "Vom Lesen des genetischen Codes nähern wir uns nun der Fähigkeit, diesen zu schreiben", zitiert das Blatt den Forscher, der kürzlich sein persönliches Erbgut veröffentlichte. "Das gibt uns die hypothetische Fähigkeit Dinge zu tun, an die wir vorher noch nicht einmal denken konnten", sagt Venter.

Sollte Craig Venter irgendwann in der Lage sein, Schöpfer zu spielen? Die Frage ist, was er da hergestellt hat. Ein Chromosom im Labor nachzubilden ist die eine Sache. Es aber so zu kreieren, dass es einem lebendigen Wesen seine Bestimmung aufzwingt, die andere. Craig Venter will beides geschafft haben, er werde seine Entdeckung schon bald der Weltöffentlichkeit vorstellen, sagte der Genetiker dem "Guardian".

Das Kunst-Chromosom, das er "Mycoplasma laboratorium" nennt, enthält 381 Gene und 580 000 Basenpaare - das rekonstruierte Genom einer Bakterie. In der letzten Stufe des Experiments will Venter es in eine lebende Zelle verpflanzen. Es werde die Kontrolle übernehmen und laut "Guardian" eine neue Form des Lebens schaffen. Bisher klangen solche Venter-Sätze wie Spinnereien. Das ist jetzt anders. Venters Laborsprecherin sagt: "Davon sind wir wahrscheinlich Monate entfernt."

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