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08.04.08

Medizinforschung

Stammzellen wirken gegen Parkinson

Mit einer neuen Methode haben Wissenschaftler die Symptome der Parkinson-Krankheit erfolgreich behandelt. Die Anzeichen der Erkrankung besserten sich daraufhin deutlich. Aber: Das Krebsrisiko bleibt hoch. Ohnehin werden die Forschungen noch Jahre in Anspruch nehmen, bevor die Methode vielleicht einsatzreif wird.

© ZPress
Stammzellenforschung
Mit Stammzellen kann Parkinson - bei Ratten - behandelt werden

Mithilfe neuartiger Stammzellen haben Wissenschaftler die Symptome der Parkinsonkrankheit bei Ratten erfolgreich behandelt. Die Forscher um Rudolf Jaenisch vom Whitehead-Institut in Cambridge (US-Staat Massachusetts) programmierten zunächst Zellen aus dem Bindegewebe der Nager zu sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) zurück. Diese ließen sie zu Nervenzellen heranreifen und spritzten sie den Ratten. Die Anzeichen der Nervenerkrankung hätten sich daraufhin deutlich gebessert, berichtet die Gruppe im Fachjournal PNAS.

Die Untersuchung zeige, dass sich iPS-Zellen medizinisch nutzen ließen, meinen die Wissenschaftler. Bis das Verfahren jedoch beim Menschen angewendet werden könne, müssten noch zahlreiche Risiken beseitigt werden. Die größte Schwierigkeit ist bisher das deutlich erhöhte Krebsrisiko. Denn die genetische Umprogrammierung der Körperzellen birgt die Gefahr, dass dadurch Krebsgene aktiviert werden und die Zellen Tumore bilden. Tatsächlich starben in den jetzt vorgestellten Versuchen 16 von 36 Tieren innerhalb von acht Monaten, und bei vielen von ihnen fanden sich Tumore.

Die Herstellung von iPS-Zellen ist noch ein sehr junges Verfahren der Stammzellenforschung. Erst im November vergangenen Jahres hatten Forscher gezeigt, dass sich durch den Einbau weniger Gene vollständig ausgereifte Körperzellen so umprogrammieren lassen, dass sie die entscheidenden Merkmale der embryonalen Stammzellen aufweisen. Die iPS-Zellen könnten damit eine Alternative zu embryonalen Stammzellen werden, für deren Herstellung eigens Embryonen gezüchtet werden, die nach der Zellentnahme absterben.

Eingespritzt in Ratten

Die Forscher um Jaenisch wandelten die iPS-Zellen in einem ersten Versuch in Vorläuferzellen von Nervenzellen um. Sie zeigten, dass sich diese nach einer Transplantation im Gehirn verteilen, wo sie sich zu verschiedenen Typen funktionsfähiger Nervenzellen weiterentwickeln. In einem weiteren Versuch verwandelten die Forscher die iPS-Zellen bereits in der Kulturschale in Dopamin produzierende Nervenzellen, das sind genau die Zellen, die bei der Parkinsonkrankheit im Gehirn verloren gehen.

Durch das Einspritzen dieser Zellen in das Gehirn von Ratten mit Parkinson-ähnlichen Symptomen besserte sich deren Krankheitsbild. Eine anschließende Untersuchung des Hirngewebes bestätigte, dass die Zellen im Gehirn offenbar voll funktionsfähig waren.

Ein großer Vorteil der iPS-Zellen besteht darin, dass sie vom Patienten selber stammen. Abstoßungsreaktionen des Immunsystems sind daher nicht zu erwarten. iPS-Zellen lassen sich in zahlreiche verschiedene Typen von Körperzellen und -gewebe verwandeln und eignen sich damit prinzipiell zur Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten. Jaenisch und seine Mitarbeiter hatten im Dezember vergangenen Jahres nachgewiesen, dass sich mit diesen Zellen bei Mäusen die Blutkrankheit Sichelzellanämie behandeln lässt.

Quelle: dpa/cl
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